Alle Kölner Moscheen dürfen jeden Freitag fünf Minuten ausrufen | The European

Atheisten dürfen jetzt jede Woche laut ausrufen, dass es keine Götter gibt

Jürgen Fritz19.10.2021Gesellschaft & Kultur, Medien

Im Rahmen eines zweijährigen Modellprojekts sollen in Köln alle Moscheen jeden Freitagmittag ihre Parolen laut ausrufen dürfen. Der Zentralrat der Atheisten und der Zentralrat der Zeus-Gläubigen haben nun ihrerseits dieselben Rechte mit Erfolg eingeklagt. Von Jürgen Fritz.

Interessierte Besucher sitzten am Tag der offenen Moschee in der Ditib-Zentralmoschee. Zum 25. Mal hatten Moscheen von rund tausend Moscheegemeinden in Deutschland wieder ihre Türen geöffnet, Foto: picture alliance/dpa | Eman Helal

Alle Kölner Moscheen dürfen jeden Freitag fünf Minuten ausrufen: „Es gibt keinen anderen Gott außer Allah!“

Von einem „Zeichen des Respekts“ sprach die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Köln sei „die Stadt der (religiösen) Freiheit & Vielfalt“, schrieb Reker. Und weil man in Köln so enorm „respektvoll“, „freiheitsliebend“ und „vielfältig“ ist, dürfen dort nun alle 35 Moscheen die nächsten zwei Jahre jeden Freitagmittag zwischen 12 und 15 Uhr fünf Minuten zum Gebet aufrufen und über Lautsprecher hinaus plärren:

„Es gibt keinen anderen Gott außer Allah!“

Beim Ruf zum Gebet ruft der Muezzin unter anderem „Allahu akbar“ („Allah ist groß“ bzw. „Allah ist am größten“) und den Satz „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah“ – gefolgt von der Aufforderung, zum Gebet zu kommen.

Als „weltoffene Stadt“ wolle Köln nun auch die „berechtigten religiösen Interessen“ von Muslimen schützen. Am Ende der Muezzin-Probezeit von zwei Jahren will die Kölner Stadtverwaltung dann auswerten, welche Regelung auf Dauer gelten soll.

In manchen anderen deutschen Städten darf das Muezzin-Geschrei sogar bereits täglich stattfinden, teilweise sogar über Lautsprecher

Dabei ist Köln durchaus kein Einzelfall. Schon seit April 2020 dürfen fünf Moscheen in München den „Gebetsruf“ ebenfalls über Lautsprecher „unter Voraussetzungen und bis auf Weiteres übertragen“. Dort ist der Ausschrei sogar täglich, jeweils 19 Uhr, freitags um 13 Uhr zum Mittagsgebet erlaubt. Und das nicht nur fünf, sondern sogar zehn Minuten. Und zwar mit einer Lautsprecheranlage.

In Hannover ist dieser Muezzin-Ausruf („Es gibt keinen anderen Gott außer Allah!“) ohne Lautsprecher generell erlaubt und bedarf nicht einmal einer Genehmigung. Das sei ja wie das Läuten der Kirchenglocken Teil der grundgesetzlich geschützten freien Religionsausübung, behaupten dort die Stadtoberen.

Bereits seit den 90er-Jahren erlauben andere Städte wie Dortmund, Hamm, Siegen, Düren oder Oldenburg Moschee-Vereinen die Übertragung des Gebetsrufs auch über Lautsprecher.

Alle Atheisten dürfen nun ebenfalls jede Woche ausrufen, dass es keine Götter gibt, nie welche gab und auch zukünftig keine geben wird

Im Sinne der Gleichbehandlungsgrundsatzes hat der Zentralrat der Atheisten daraufhin vor dem Oberverwaltungsgericht NRW eingeklagt, dass auch alle Atheisten in Köln einmal pro Woche, Freitags nachmittags per Lautstärker aus jedem Haus fünf Minuten lang rufen dürfen, dass es keinerlei Götter gibt, nie welche gab (nicht einmal Zeus) und wohl auch nie welche geben wird. Empfohlen wird vom Zentralrat der Atheisten, natürlich völlig unverbindlich, folgender Ausruf:

„Es gibt keine Götter (nicht einmal Zeus). Es gab nie welche und es wird höchstwahrscheinlich, da sind sich die Experten weitgehend einig, auch in Zukunft keine geben. Genießt Eurer Leben nach dem Motto ‚Heidenspaß statt Höllenangst‘ und achtet dabei die Freiheit und Würde eines jeden anderen, da natürlich jeder genau das gleiche Recht auf Streben nach Glück und nach freier, umsichtiger Selbstentfaltung hat, so er die Freiheit und Würde aller anderen achtet. Und wenn Ihr wollt, bringt euch positiv in die Gesellschaft ein, denn keiner kann ohne diese ganz alleine leben. Niemand ist eine Insel. Aber tut es, weil ihr das aus innerer Überzeugung und eigener Einsicht wollt und nicht weil es euch andere mit Bezug auf sehr fragwürdigen Quellen befehlen oder anordnen, womöglich sogar mit Gewalt aufoktroyieren wollen.“

Sollte sich diese Ausübung der Freiheit von Göttern (Art. 4 GG) bewähren, so könnte dieses Recht auf Ausrufung der Nichtexistenz sämtlicher Götter (trostspendende Fehlvorstellungen) ausgeweitet werden und die metaphysischen Asketen dürfen ihren Ausruf dann einmal täglich fünf Minuten, vielleicht auch 15 Minuten täglich wiederholen.

Um die metaphysische Askese ins ganze Land hinauszutragen, wurden bereits Busse geordert, die durch ganz Deutschland touren und überall die einzig wahre atheistische Lehre mit Lautsprechern von den Bussen herab verkünden.

Zeus-Gläubige zogen sofort nach

Eine kleine Gruppe von Atheismusleugnern (metaphysische Spekulanten bzw. Anhänger metaphysisch spekulativer Weltanschauungen), nämlich die Religion der Zeus-Gläubigen, will nun nicht zurückstehen und hat bereits beantragt, dass auch sie wenigstens einmal pro Woche fünf Minuten ausrufen dürfen, dass Zeus der mächtigste aller Götter ist, dass er noch immer auf dem Olymp thront, dem Sitz der höchsten Götter, zu dem niedere Provinzgötter meist gar nicht zugelassen werden, und dass Zeus jeden anderen Gott mit seinem Blitzstrahl niederstrecken könnte, wenn er denn wollte.

Die Entscheidung der Stadtverwaltung steht zwar noch aus, soll aber sehr zeitnah fallen und wird wohl auch hier wegen des Gleichbehandlungsgrundsatzes positiv ausfallen, ja ausfallen müssen. Auf Grund des Minderheitenschutzes könnten die Zeus-Gläubigen im Sinne der Bekämpfung des strukturellen Rassismus sogar bevorzugt werden, dergestalt sie ihren Gebetsruf mindestens- zwei- bis dreimal so lang ausrufen dürfen wie die gesellschaftlich dominanten Weltanschauungsgruppen. Als Text ist vorgesehen:

„Zeus ist der mächtigste aller Götter. Er thront auf dem Olymp, dem Sitz der höchsten Götter, zu dem niedere Provinzgötter keinen direkten Zugang haben. Wenn er wollte, könnte Zeus jeden anderen Gott mit einem Blitzstrahl niederstrecken. Kommt alle herbei, unterwerft euch dem höchsten Gott und lasst uns zusammen zu ihm beten, auf dass er uns beschütze und behüte und unsere Werke gedeihen lasse. Kommt, Brüder, kommt alle zusammen! Kommt zu Zeus!“

Quelle: Jürgen Fritz

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