Was geschah wirklich in Chemnitz und wie wird darüber berichtet?

von Jürgen Fritz27.08.2018Innenpolitik

Dramatische Szenen spielen sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Chemnitz (Sachsen) ab. Nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung kommt es zu heftigen tätlichen Übergriffen, bei denen mehrere Messer zum Einsatz kommen. Drei Männer, alles Deutsche, werden erheblich verletzt, einer erliegt noch in der Nacht seinen schweren Verletzungen.

_Daraufhin kommt es am Sonntagnachmittag zu mehreren Kundgebungen und Aufmärschen zum Teil mit Ausschreitungen, weswegen das Chemnitzer Stadtfest vorzeitig beendet wird. Ein Mann erstochen, zwei weitere zum Teil schwer verletzt._

Ausgangspunkt war eine heftige tätliche Auseinandersetzung, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag in Chemnitz in der Brückenstraße nahe der Sparkasse gegen 03:15 Uhr stattgefunden hat. An dieser sollen laut Polizei bis zu zehn Personen mehrerer Nationalitäten beteiligt gewesen sein. Und es sind Messer im Spiel gewesen.

Das Ende vom Lied war, dass zunächst drei Deutsche (wahrscheinlich alle drei mit russischer Abstammung) beträchtlich verletzt wurden. Einer der drei, ein 35-jähriger Mann erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Die beiden anderen Männer sind 33 und 38 Jahre alt und wurden ebenfalls erheblich verletzt, zum Teil schwer, so die Polizei Chemnitz.

Spekulationen, die kursieren, nach denen dem Streit eine Belästigung von Frauen durch Immigranten vorausgegangen sein soll, konnte die Polizei nach ersten Ermittlungen nicht bestätigen. Über Twitter rief sie dazu auf, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen.

Zwei Personen festgenommen, Ermittlungen wegen Totschlags eingeleitet

Fakt ist dagegen, dass zwei Männer im Alter von 22 und 23 Jahren vorläufig festgenommen wurden. Nach der Auseinandersetzung waren laut Polizeimeldung mehrere Personen vom Ort geflüchtet. Im Rahmen der direkt einsetzenden Fahndungsmaßnahmen konnten dann diese zwei Männer gestellt und festgenommen werden. Ob diese bei der tätlichen Auseinandersetzung beteiligt waren, müsse im Zuge der weiteren Ermittlungen geklärt werden.

Die Tatwaffe, ein Messer, wurde am Sonntag im Bereich einer Bühne des Stadtfestes in der Brückenstraße gefunden. Zur Nationalität der beiden Festgenommenen wollten die Beamten zunächst keine Aussage machen. Zuerst wolle man noch prüfen, ob und inwieweit diese tatsächlich in die Auseinandersetzung involviert gewesen seien.

Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln auf jeden Fall wegen eines Tötungsdeliktes. Der Grund für die tätliche Auseinandersetzung ist nach ersten Informationen noch unklar. Ihr soll ein verbaler Streit vorausgegangen sein. Bis in die Vormittagsstunden des Sonntags hinein führte die Chemnitzer Polizei am Tatort Maßnahmen durch. Abschließend heißt es in der Polizeimitteilung: „Die Staatsanwaltschaft Chemnitz und die Polizeidirektion Chemnitz haben die Ermittlungen wegen des Verdachts des Totschlages aufgenommen. Dabei müssen insbesondere der Auslöser des Disputes sowie der genaue Tatablauf noch ermittelt werden.“

Stadtfest nicht aus „Pietätsgründen“, sondern wegen Sicherheitsbedenken vorzeitig beendet

Das Chemnitzer Stadtfest sollte am Sonntag gleichwohl wie geplant fortgesetzt worden. Am Nachmittag entschieden die Veranstalter dann jedoch die Feierlichkeiten vorzeitig abzubrechen: „Aus Pietätsgründen und aus Anteilnahme den Angehörigen gegenüber beenden wir als Veranstalter das Chemnitzer Stadtfest sofort“, gaben sie als Begründung an, was offensichtlich gelogen war. Wegen dem Erstochenen hätte man das Fest wohl nicht abgesagt.

Der tatsächliche Grund war, wie sich inzwischen herausstellte, Sicherheitsbedenken. Am Sonntagnachmittag haben sich nämlich viele hunderte Menschen in der Innenstadt von Chemnitz zusammengefunden, einerseits weil sie um den Getöteten trauen wollen, andererseits um gegen die ständig zunehmenden Gewaltverbrechen von Immigranten auf deutschem Hoheitsgebiet zu demonstrieren.

Selbstverräterisch sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) gegenüber dem MDR: „Wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt. Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm.“

Mehrere Versammlungen am Sonntagnachmittag

In den sozialen Medien hatte es am Sonntag mehrere Aufrufe gegeben, sich in der Innenstadt einzufinden. Den Angaben der Polizei zufolgen hatten sich daraufhin gegen 15.00 Uhr im Bereich Brückenstraße/Straße der Nationen im Bereich eines bestehenden Infostandes mehr als 100 Menschen friedlich und völlig störungsfrei eingefunden. Diese Versammlung ging auf einen Aufruf der Alternative für Deutschland (AfD) zurück. Ohne weitere Vorkommnisse hatten alle diese Personen bis gegen 16.00 Uhr den Ort wieder verlassen.

Um 16:30 Uhr folgte eine weitere Versammlung, zu welcher laut Medienberichten unter anderem die rechte Ultra-Fußballvereinigung Kaotic Chemnitz aufgerufen habe. Bei der zweiten Versammlung nahmen laut Polizei rund 800 Personen teil, die sich im Bereich des Karl-Marx-Monumentes angesammelt hätten und die maximal 50 Polizisten gegenüber gestanden hätten. Schätzungsweise 1.000 Menschen nahmen dann an einem spontanen Protestzug teil. Dieser machte auch am Tatort Halt.

Vertreter der Stadt und der Polizei hätten mit vermeintlich verantwortlichen Personen der Gruppe ein Gespräch führen wollen, doch die Gruppierung habe sich unvermittelt in Bewegung gesetzt. Die Personengruppe soll auf die Ansprache durch die Polizei nicht reagiert haben und „zeigte keine Kooperationsbereitschaft“.

Bislang keine weitere Angaben zu den Festgenommenen

Am Rande der Demo kam es zu mehreren Auseinandersetzungen und teils heftigen Rangeleien zwischen „offensichtlich gewaltbereiten Rechten“ mit Linken und Immigranten. Die Polizei konnte eine weitere Eskalation der Situation bis zum Abend verhindern, nicht zuletzt, weil im Laufe des späteren Nachmittags zahlreiche weitere Polizisten in Chemnitz zusammengezogen wurden.

Die Personen hätten sich quer durch die Innenstadt bewegt. Im Verlauf dieser dynamischen Phase sei es auch zu Flaschenwürfen in Richtung der Polizeibeamten gekommen sowie zu körperlichen Auseinandersetzungen. Anschließend kam es zu vier Strafanzeigen (zwei wegen Körperverletzung, eine wegen Bedrohung, eine wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte). Die Polizei war zunächst nur mit geringen Kräften vor Ort. Weitere Einsatzkräfte der sächsischen Bereitschaftspolizei wurden zu dem Zeitpunkt aus anderen Einsätzen in Dresden und Leipzig nach Chemnitz verlegt.

Ob sich der Verdacht gegen die beiden Festgenommenen erhärten konnte und ob es sich bei diesen um Ausländer, Immigranten respektive Asylanten oder „Flüchtlinge“ handelt, dazu haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft bisher noch nicht weiter geäußert.

Michael Klonovsky: Wer glaubt denen noch etwas?

Nun aber zu einer anderen Frage, nämlich der, wie über das Gewaltverbrechen mit letalem Ausgang und dem, was darauf folgte, berichtet wird. ARD und ZDF scheint dies wieder einmal keine größere Meldung wert gewesen zu sein. Zu dem weiteren möchte ich Michael Klonovsky zitieren und ihm das letzte Wort überlassen:

>>Nach einer dem üblichen Muster folgenden Auseinandersetzung mit finalem Messereinsatz und einem toten sowie zwei schwerverletzten Einheimischen – der Fall ist noch nicht aufgeklärt, aber ich nehme über die Täter gern Wetten an – spitzt sich die Lage in Chemnitz zu. Zumindest die achtbaren Sachsen scheinen nicht gewillt zu sein, nach den immer neuen Proben der Tranchierkünste unserer Neumitbürger klaglos die Toten zu begraben, die Verletzten zu versorgen und das Blut wegzuwischen. Hunderte zogen mit „Wir sind das Volk!“-Rufen durch die Straßen, nachdem ein Stadtfest wegen der Bluttat abgebrochen werden musste.

Die Medienberichte folgen ebenfalls dem üblichen Muster und richten sich wie stets pauschal gegen die eigenen Landsleute – also die Einheimischen, der Genosse Journalist kennt ja keinen Landsmann mehr, und für importierte Kriminelle hat er allzeit Verständnis, sofern sie nicht gerade in seinem Vorgarten Schutz suchen.

Spiegel online meldet den „Tod“ eines 35-jährigen unter der Schlagzeile „Rechte marschieren in Chemnitz auf“; man muss ja Prioritäten setzen. „Antifaschistische Aktivisten berichten in sozialen Medien von Übergriffen auf Migranten“, heißt es prioritätseskalierend weiter; anscheinend halten die antifaschistischen Aktivisten in der Spiegel-Redaktion ihre twitternden Milchbrüder für eine seriöse Quelle. Die Stadtverwaltung zeigte sich, wie die Zeit kundtat, „besorgt über die spontanen Demonstrationen“ – und nicht etwa über die Messerfolklore, die sie ausgelöst hat.

Merke(l): Die Linken „demonstrieren“, die Rechten „marschieren“. Linke „rufen“ Parolen, Rechte „brüllen“ oder „grölen“ sie. Rechte werfen Flaschen auf Polizisten, während von links „Steine fliegen“. Rechte „machen Jagd“, Linke „blockieren“ oder „rangeln“. Und unsere importierten Messerstecher geraten in einen „Streit“, wobei „es“ zu Toten, meist aber bloß Verletzten kommt. Dem Betrachter bleiben die notorischen Danisch-Fragen: Wer kauft so etwas? Wer wählt so was? Wer glaubt denen noch etwas?<< Quelle: "Jürgen Fritz":https://juergenfritz.com/2018/08/27/chemnitz/

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