Mehr als 50 Prozent wollen Merkel nicht – Schulz aber noch viel weniger

von Jürgen Fritz9.08.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Was für niederschmetterndes Ergebnis für die beiden Spitzenkandidaten von CDU/CSU und SPD. Fast 53 Prozent der Deutschen möchten auf keinen Fall Angela Merkel als Kanzlerin und knapp 73 Prozent noch weniger Martin Schulz, wie jetzt eine aktuelle Umfrage von Civey ermittelte.

Wer bestimmt eigentlich den deutschen Regierungschef?

Demokratie bezeichnet eine Herrschaftsform, in welcher die Regierung vom Volk bestimmt wird respektive von diesem abgelöst werden kann. Eine Schlüsselposition kommt in der deutschen repräsentativen Demokratie dem Bundeskanzler zu, der über seine Richtlinienkompetenz den politischen Kurs der Regierung vorgibt. Der Kanzler wird in Deutschland nicht vom Volk gewählt, sondern vom Deutschen Bundestag. Gleichwohl wählt das Volk den Kanzler über seine Wahl einer Partei für den Bundestag indirekt, wobei es hier im Grunde kaum Auswahlmöglichkeiten hat. Denn es kommen maximal zwei Parteien in Frage, den Kanzler zu stellen, und diese bestimmen ganz alleine, wen sie als Spitzenkandidaten nominieren. Diese zwei Parteien sind die CDU und die SPD und deren Kandidaten lauten dieses Jahr Angela Merkel und Martin Schulz. Wie sehen nun die Zustimmungswerte für diese zwei Personen in der Bevölkerung aus?

Fast 53 Prozent möchten Merkel nicht mehr, fast 73 Prozent Schulz aber noch weniger

Viele Bundesbürger empfinden die Wahl zwischen diesen beiden als eine solche zwischen Not und Elend. Auf die Frage „Wen hätten Sie nach der Bundestagswahl lieber als Bundeskanzler/in, Angela Merkel oder Martin Schulz?“ antworteten von über 5.000 im Zeitraum 11.07. bis 01.08. von Civey Befragten

nur 47,5 Prozent Angela Merkel und
nur 27,2 Prozent Martin Schulz.

Wohlgemerkt, die Frage lautete nicht „Wen hätten Sie gerne als Kanzler?“. Wissen wollte Civey nur, wen von diesen beiden man lieber hätte. Und die Antwortmöglichkeit „einen anderen als diese zwei“ war nicht vorgegeben. Wie die Prozentzahlen von Merkel und Schulz nochmals nach unten gegangen wären, hätte man offen gefragt, kann man sich also nur ausmalen. Aber selbst bei dieser stark eingeengten Fragestellung sagten immer noch über 25 Prozent „Weiß nicht“, was bei vielen heißen dürfte: „Im Grunde keinen von beiden“. Diese enge Fragestellung dürften aber Millionen Menschen so ähnlich empfinden wie: „Was hätten Sie lieber, Husten oder Schnupfen?“.

Interessant ist übrigens, die Anhänger welcher Parteien auf diese Frage am häufigsten mit „Weiß nicht“ geantwortet haben, was wir zumindest zum Großteil mit „keinen von beiden“ übersetzen können:

70 Prozent der AfD-Anhänger
55 bis 60 Prozent der Anhänger kleinerer, sonstiger Parteien.

Wer präferiert Merkel gegenüber Schulz?

Bezogen auf die unterschiedlichen Altersgruppen gibt es nur eine einzige solche, bei der über 50 Prozent für Merkel optieren: die mindestens 65-Jährigen (51 bis 52 Prozent). Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es ziemlich genau 50 Prozent, bei allen anderen weniger als die Hälfte. Am schlechtesten schneidet die amtierende Kanzlerin bei den 18- bis 29-Jährigen ab. Hier sprechen sich sogar nur 38 Prozent für sie aus.

Bezogen auf die Parteienpräferenz verteilen sich die (dann) lieber (noch) Merkel-Stimmen wie folgt:

fast 96 Prozent der CDU/CSU-Anhänger
über 73 Prozent der FDP-Anhänger
ca. 36 Prozent der Grünen-Anhänger
fast 25 Prozent der AfD-Anhänger
ca. 19 Prozent der Anhänger sonstiger, kleinerer Parteien
ca. 16 Prozent der Linkspartei-Anhänger
und sogar 10 – 11 Prozent der SPD-Anhänger hätten lieber Merkel als Schulz.

Eine Mehrheit findet die CDU-Vorsitzende also ausschließlich bei Unions- und FDP-Wählern.

Wer lehnt Schulz total ab?

Insgesamt sagten fast 73 Prozent der Befragten, dass Sie lieber (noch) Merkel als Kanzlerin hätten oder aber „Weiß nicht“ (keinen von beiden), Schulz also auf gar keinen Fall. Wo erfährt der SPD-Kandidat die größte Ablehnung?

Über 77 Prozent der 40 bis 49-Jährigen wollen auf keinen Fall Schulz wählen. Das sind genau diejenigen, die mitten im Berufsleben stehen. Auch in allen anderen Altersgruppen erfährt Schulz jeweils über 72 Prozent Ablehnung mit einer Ausnahme: bei den 18- bis 29-Jährigen sind es „nur“ 64 Prozent, also immer noch fast zwei Drittel.

Bezogen auf die Anhänger der verschiedenen Parteien sieht die Schulz-Abneigung wie folgt aus:

98 bis 99 Prozent der Unions-Anhänger sagen: bloß nicht Schulz
94 bis 95 Prozent der AfD-Anhänger
fast 93 Prozent der FDP-Anhänger
und selbst über 18 Prozent der SPD-Anhänger.

Diese Zahlen müssten den Genossen sehr schwer zu denken geben. Über 18 Prozent der SPD-Anhänger sagen: Ich will auf keinen Fall Schulz als Kanzler. Fast jeder fünfte SPD-Wähler! 10 bis 11 Prozent der SPD-ler würden bei einer Direktwahl des Kanzlers sogar lieber für Merkel als für Schulz stimmen. Und es gibt nur eine andere Gruppe von Parteianhängern, in welcher Schulz gegenüber Merkel auf wenigstens die Hälfte der Stimmen käme: bei den Anhängern der Linkspartei. Und auch hier nur auf 51 Prozent. Selbst bei den Grünen-Wählern sagen nur 44 Prozent, Schulz sei ihnen lieber als Merkel. Besonders interessant, über 36 Prozent der Grünen-Anhänger wollen umgekehrt sogar lieber Merkel als Schulz.

Fazit

Diese Ergebnisse zeigen mehreres: Die deutsche Bevölkerung ist mit Merkel offensichtlich nicht zufrieden und es gibt eine latenten Wunsch nach einem Wechsel. Selbst bei einem derart schwachen Gegenkandidaten und der engen Frageführung „Welches von den beiden Schweinderl hätten’s denn lieber? – Ein anderes haben wir nicht zur Auswahl“ stimmen aktuell fast 53 Prozent nicht für die amtierende Regierungschefin.

Schulz wollen die Deutschen aber noch viel weniger. Und sonst kommt auf Grund der absoluten Dominanz der Parteien, die die Spitzenpositionen im Grunde vorher schon festlegen, keine andere Person in Frage für das Amt des Regierungschefs. Die Chancen der SPD, den nächsten Kanzler zu stellen, waren ohnehin schlecht, auch mit Sigmar Gabriel. Mit Martin Schulz sind sie aber offensichtlich nicht besser geworden und Deutschland dürfte mit diesem Personal, vor allem aber mit dieser absolutistischen Herrschaft einiger Parteien, Stichwort Parteiokratur, immer tiefer in die Krise schlittern. Nicht wenige etwas weitsichtigere Zeitgenossen sagen längst in seinen sicheren Untergang.

Bei der gestern veröffentlichten Umfrage des umstrittenen Forsa-Instituts fallen die Ergebnisse für Schulz sogar nochmals deutlich schlechter aus. Hier sagten sogar nur 21 Prozent, dass sie bei einer Direktwahl des Kanzlers Schulz wählen würden. Über 30 Prozent weniger als Merkel. Bei Forsa sprechen sich also nicht nur 73, sondern sogar 79 Prozent gegen Schulz aus. Angesichts unseres Wahlsystems und dieses äußerst schwachen Herausforderers hat das deutsche Volk also kaum eine andere Wahl, als Merkel erneut zu wählen, ob es will oder nicht. Denn die Kraft und den Mut, ganz anders zu votieren, bringen im Moment nur wenige auf.

Quelle: “Jürgen Fritz:https://juergenfritzphil.wordpress.com/

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