Politische Sprache ist dazu geschaffen, Lügen wahrhaft und Mord respektabel klingen zu lassen. George Orwell

Ruhe im Karton

Papst Franziskus hat ein salomonisches Urteil gefällt: Er hat erkannt, dass eine Rückkehr von Bischof Tebartz-van Elst nach Limburg nicht mehr möglich war.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht nach Limburg zurückkehren. Das hat Papst Franziskus bestimmt und damit salomonisch entschieden. Einerseits hat er richtig erkannt, dass Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst unmöglich in sein Bistum zurückkehren konnte. Es gab keine Vertrauensbasis mehr zwischen dem Bischof und vielen Mitarbeitern sowie Gläubigen. Auf der anderen Seite hat er dem Domkapitel – dem Beraterkreis des Bischofs – das Recht genommen, einen eigenen Verwalter für die Zeit der Vakanz des Bischofsstuhls zu benennen. Franziskus setzte selbst einen Diözesan-Administrator ein.

Damit signalisiert er dem Domkapitel, dass er auch mit dessen Handeln in den vergangenen Monaten nicht einverstanden ist. Zugleich nimmt der Vatikan damit den Unterstützern von Bischof Tebartz-van Elst den Wind aus den Segeln, die in der Vergangenheit auch im Domkapitel einen Grund für die Opposition gegen den Bischof sahen. Vor allem der Frankfurter Stadtdekan und Domkapitular Johannes zu Eltz war seit Sommer vergangenen Jahres als scharfer Kritiker von Tebartz-van Elst in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Grothe: Erfahren in Verwaltung und Seelsorge

Die Wahl von Weihbischof Manfred Grothe zum Diözesan-Administrator ist eine gute Entscheidung. Er kennt die Verhältnisse in Limburg. Grothe war der Vorsitzende der Prüfkommission, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz einen umfangreichen Prüfbericht zu den Vorgängen um den Bau auf dem Limburger Domberg erstellt hat. Der 74-Jährige war seit 2004 Weihbischof im Erzbistum Paderborn, gilt als Verwaltungsfachmann und erfahrener Seelsorger.

Beides wird er in Limburg jetzt brauchen. Vor allem müssen nun die Unterstützer und Kritiker des emeritierten Bischofs versöhnt werden. Über die Zukunft von Bischof Tebartz-van Elst äußerte sich der Vatikan heute wenig konkret. Er werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut werden. Der Vatikan wird erst einmal weiter bemüht sein, den 54-Jährigen aus dem Fokus des öffentlichen Interesses herauszuhalten. Bis er eine neue Aufgabe bekommt, dürfte es sicherlich einige Zeit dauern.

Rom handelte am Ende zügig

Bemerkenswert ist, dass Bischof Tebartz-van Elst nach Angaben des Vatikans bereits am 20. Oktober dem Papst seinen Rücktritt angeboten haben soll. Das überrascht, hatten doch bis zum Schluss auch Bischöfe immer wieder erklärt, der ehemalige Limburger Oberhirte zeige kein Einsehen.

Rom handelte am Ende schnell. Am 3. März übergab der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, den Prüfbericht dem Vatikan. In der zweiten Märzwoche war der Papst mit der Kurienspitze auf Fastenexerzitien, da ruhte der Betrieb.

Vergangenen Donnerstag tagte dann die vatikanische Bischofskongregation erstmals nach Eingang des Prüfberichts im Vatikan – mit dabei war der Münsteraner Bischof Felix Genn – und bereitete die Entscheidung für den Papst vor. Am Samstag beriet sich der Chef der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, mit Franziskus. Der fällte seine Entscheidung, die Ouellet am Montag Bischof Tebartz-van Elst mitteilte.

Kardinal Marx: Neuanfang jetzt möglich

Mit der Entscheidung des Papstes sei ein Neuanfang möglich, sagte der jetzige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er kündigte an, dass der Prüfbericht der Bischofskonferenz im Laufe des Tages veröffentlicht wird. Als Lehre aus der Causa Limburg wolle die Bischofskonferenz für mehr Transparenz bei den Kirchenfinanzen sorgen und die Kontrollen erhöhen.

Der Beitrag erscheint in Kooperation mit heute.de

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