Der Präsidentengattin schöne Kleider

von Jürgen Bruckmeier24.09.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien

Modegöttin, Stilikone, Fashionista – große Worte fallen im Zusammenhang mit Michelle Obama. Ihre bunten Kleider und ihre brillanten Kombinationen sind für viele Magazine relevanter als ihre bisherige Laufbahn. Das ist vielleicht manchmal bedenklich, aber es gibt dadurch auch neue Chancen: für Jungdesigner.

Seit der Amtseinführung ihres Mannes Barack Obama im Januar liest, hört und sieht man es immer wieder: Michelle Obama hat den Modeolymp erklommen. Mit der Wahl ihrer Outfits und den eleganten Auftritten repräsentiert sie auch die Politik des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Ihr Look steht für ein neues Amerika. Renommierte Designer müssen sich Newcomern wie Alexander Wang unterordnen, deren Karrieren dadurch einen beträchtlichen Aufschwung erfahren. Mit einem ausgeprägten Gefühl für Form und Farbe wählt Michelle Obama ihre Outfits: Das zitronengrasfarbene Kleid mit passendem Mantel der kubanischen Avantgarde-Designerin Isabel Toledo, das sie bei der Amtseinführung ihres Mannes trug, strahlte Optimismus und Wandel aus. Oder das inzwischen legendäre One-Shoulder-Dress des jungen New Yorker Designers Jason Wu, für das sie sich beim “Neighborhood Ball” entschied. Die Auswahl ihrer Kleidung trifft sie dabei alles andere als zufällig. Und so ist das Erscheinungsbild der 45-Jährigen stets eine Schlagzeile wert. Und das offensichtlich zu Recht, denn Michelle Obama hat es bereits als zweite Präsidentengattin nach Hillary Clinton aufs Cover der amerikanischen Vogue geschafft.

Eine lange und weltumfassende Tradition

Doch handelt es sich tatsächlich um ein neues Phänomen? Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass eine First Lady in Sachen Mode Aufsehen erregt. Unvergessen ist der elegante und stets dem Anlass entsprechende Look von Jackie Kennedy. Stilsicher setzte die Gattin von JFK auf die Couture internationaler Modehäuser, prägte den “Jackie-O.”-Look und machte sich damit als Stilikone unsterblich. Man kann Mrs. Kennedys Garderobe sicher nicht mit dem Modemut einer Michelle Obama vergleichen, aber das ist ja auch nicht die vorrangige Rolle einer First Lady: Die Präsidentengattin hat diplomatische Aufgaben zu erfüllen, die Arbeit ihres Mannes zu unterstützen und sich ehrenamtlich zu engagieren. Auch in Europa gibt es ähnliche Phänomene an der Seite von Staatsoberhäuptern. Sängerin und Ex-Model Carla Bruni-Sarkozy beispielsweise hat das, was man Gespür für Mode nennt. Inzwischen kleidet sich die Première Dame, die noch vor Kurzem von sich behauptete, sie habe keinen Stil, in französische Designer-Roben von Dior bis zu den wohlbekannten High Heels mit der roten Lacksohle von Christian Louboutin. Schon eine Stilikone – oder nur normale Modeerscheinung? Der Begriff “Stilikone” wird leider oft inflationär gebraucht. Hat man diesen Titel in der Vergangenheit nur handverlesen an nachhaltig beeindruckende Persönlichkeiten wie Grace Kelly, Sophia Loren oder Audrey Hepburn verliehen, ist man heute schon eine Modegöttin, wenn man exzentrische Kleidung und vielleicht noch eine Bienenkorb-Frisur à la Amy Winehouse trägt.

So wird die Politik nicht nur von dunklen Anzügen dominiert

Da scheint es müßig, über den Stil von “Michelle O.” zu diskutieren. Man mag ihn beeindruckend, modemutig oder auch unpassend finden. Auf jeden Fall gilt: Schön, dass sie jungen Designern die Möglichkeit gibt, ihre Kreationen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Diese können damit quasi über Nacht zu Stars der Fashionszene werden. Bleibt die Frage, was die First Lady morgen wieder trägt – immerhin wird so die Politik nicht nur von dunklen Anzügen dominiert. Warten wir’s einfach ab: Wenn man in 20 oder 30 Jahren noch vom Michelle-Obama-Look sprechen sollte, kann man sie auch dann erst in die Ruhmeshalle der ewigen Stilikonen aufnehmen. Es muss ja nicht gleich eine weitere Skulptur am Mount Rushmore sein: Diese Ehre dürfte nicht mal ihrem Ehemann zuteilwerden.

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