Wir müssen in Afghanistan viele gemeinsame Tassen Tee trinken. Rajendra Pachauri

Wer abziehen will, soll aufs Klo gehen

Die Idee vom Frieden trägt die Linkspartei wie einen Schutzschild vor sich her. Dabei ist es gerade die so verhasste Bundeswehr, die am Hindukusch den Universalismus der Menschenrechte verteidigt.

Salonsozialisten aller Länder, vereinigt Euch! Leute, die von realen Fronten keine Ahnung haben, bilden gerne Heimatfronten und das mit kitschig-pathetischer Begleitmusik: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Abzug aus Afghanistan jetzt! Das Töten beenden!

Vorneweg verantwortlich für den pazifistischen Sound ist die Linkspartei, eine Partei, die mittels ihres bis heute starken östlichen Armes mitverantwortlich war für den zweitmilitaristischsten Staat auf deutschem Boden. Diese Partei ist es auch, die dafür plädiert, von “Krieg” in Afghanistan zu sprechen. Nicht aber, um eine genauere Definition für das zu finden, was in Afghanistan stattfindet. Völkerrechtlich ist es kein Krieg. Die ISAF-Truppen sind mit Billigung und auf Anforderung der legitimen afghanischen Regierung und mit UNO-Mandat im Land und haben einen Gegner, der kein Kombattant ist, sondern eine Guerillatruppe aus verschiedenen Nationen.

Jeder ist gegen Krieg

Nein, es geht darum, die moralische Ressource anzuzapfen, die sich – mit Recht – nach dem von Deutschland angezettelten Krieg gebildet hat und unablässig von der DDR heruntergebetet wurde, obwohl diese Kriegsparteien in aller Welt unterstützte. Es geht darum, das deutsche Moral-Mantra “Nie wieder Krieg” anzuzapfen und sich dadurch moralisch unantastbar zu machen. Jeder ist gegen Krieg. Krieg ist schlecht. Differenzierung unnötig. Bei der Linkspartei kommt hier die alte DDR-Idee vom “Sieger der Geschichte” in neuem Gewand daher: Sie fühlt sich moralisch überlegen.

Die neuen deutschen Pazifisten wollen nichts wissen davon, dass auch Unterlassung Schuld bedeutet. Abzug bedeutet Rückkehr der Taliban. Abzug bedeutet eine weitere Destabilisierung Pakistans. Abzug bedeutet Stärkung des weltweiten Terrorismus. Denn die Dschihadisten, in der Gewissheit, die zweite Großmacht nach der Sowjetunion besiegt zu haben, würden verstärkt Terror in westliche Städte tragen. Sie wären befeuert von ihrer Macht. Die deutschen Pazifisten wollen nur eins: sauber von Schuld bleiben. Sie fühlen sich in ihren muffigen Linksbiotopen gestört von den Problemen des afghanischen Volks. Sie fühlen sich gestört in ihren Scheingefechten, zum Beispiel in jenem, in einem der sozialsten Länder der Welt, Deutschland, die Sozialausgaben noch weiter zu erhöhen. Nein, die Linke, die einst Internationalismus predigte, hat sich nie wirklich für die Welt interessiert. Und wenn ja, waren die Falschen die Stars.

Die Bundeswehr ist links

Mao und Ho Chi Minh und Arafat. Man muss der Linken den Linksbegriff entreißen. Kann es sein, dass die Bundeswehr, die wenigstens versucht, in Afghanistan fundamentale Menschenrechte zu verteidigen, dass diese Bundeswehr einer der letzten Bannerträger einer linken Idee ist, nämlich des Universalismus der Menschenrechte?

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Boris Palmer, Winfried Nachtwei, Paul Schäfer.

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