Zur Freiheit befreit

von Johannes Vogel25.09.2009Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Endlich einmal ein Gesellschaftsvertrag, zu dem alle Ja sagen. Die Welt der Jungen Liberalen – ohne Ketten, dafür mit zwischenmenschlicher Solidarität – ist schön.

Verträge kann man abschließen oder auch nicht. Verträge bedeuten Freiwilligkeit. Und weil Freiwilligkeit nichts anderes als Freiheit heißt, spricht man seit Hunderten von Jahren vom Gesellschaftsvertrag, wenn es um die Regeln des Zusammenlebens geht. Deshalb will ich einen Gesellschaftsvertrag, zu dem jeder Ja sagen kann. Nicht nur bestimmte Menschen oder Gruppen, geschweige denn Lobbys oder auch nur bestimmte Parteien, sondern jeder Einzelne für sich soll Ja sagen können. Ein Gesellschaftsvertrag begründet einen Staat, der allen gehört – eine Republik. Der Liberalismus hat immer zwei Dinge gesagt: Wir alle brauchen einen Staat, und der Staat braucht vor allem eines, nämlich Grenzen. Was heißt das nun für die Zukunft? Welchen Staat wollen wir, in welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Der Mensch ist frei geboren

Es muss uns gelingen, den Vertrag so aufzusetzen, dass jeder unterzeichnen will. Dies ist nur möglich, wenn jeder eine faire Chance hat, sich in den Vertragsinhalten wiederzufinden – Offenheit ist also der entscheidende Begriff. Nur in einem offenen Staat, einer offenen Gesellschaft kann jeder den Platz finden, den er haben will. Nur hier wird man nicht durch Geburt oder Gruppenzugehörigkeit festgelegt. Nur hier lassen sich in Freiheit Fairness und zwischenmenschliche Solidarität erreichen. Wir können dabei stets beides schaffen: Wir können einen robusten Rechtsstaat haben, der Sicherheit gewährleistet. Dazu müssen wir aber gerade nicht Bürgerrechte einschränken oder bei der Verteidigung der Menschenrechte schwächeln – nicht zu Hause und auch nicht weltweit. Wir müssen zudem eine Gesellschaft sein, die jedem Raum gibt, seine Wünsche und Träume in Angriff zu nehmen. Dazu gehört unbedingt auch ein Sozialstaat, der allen hilft, die dabei einmal scheitern oder einfach Pech haben. Dazu gehört aber kein Sozialstaat, der den Menschen die Initiative zum Wünschen und Träumen nimmt. Eine offene Gesellschaft findet außerdem Mittel und Wege, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht gegeneinander auszuspielen. Ja gerade durch ihre Offenheit werden Kompromisse möglich, zum Beispiel zwischen ökologischer und ökonomischer Vernunft.

Nirgendwo mehr Ketten

Nur eine offene Gesellschaft entwickelt genügend lebendiges Selbstbewusstsein, um die enormen Chancen von Zuwanderung und deren kreative Kraft zu sehen und zu nutzen. Nach außen brauchen wir schließlich einen Staat, der nicht weniger, sondern mehr Kooperation und Integration erreicht. Auch, weil sich nur so in Zukunft unser Einfluss steigern und unsere Identität bewahren lässt. Die Welt der Globalisierung wartet nicht auf Deutschland, es liegt an uns. Nicht zuletzt an unserer Bildungspolitik. Die Antwort auf die Frage, wie wir leben wollen, liegt doch auf der Hand – jeder für sich und alle zusammen. Anders gesagt: jeder in freier Entfaltung seiner Persönlichkeit und zugleich in Verantwortung für seine Mitmenschen. Denn es ist zwar richtig und wichtig, dass Freiheit auch immer Wohlstand bedeutet, entscheidend ist aber die Identität von Menschsein und Freiheit, die wir nur in einer Gesellschaft erreichen können. Jeder muss sich seinen ganz eigenen Lebenstraum erfüllen können: als Banker oder als Aussteiger auf dem Bauernhof, als Comic-Zeichner in Berlin, als Grundschullehrerin am Bodensee oder als Mechaniker bei Volkswagen. Niemandem darf es am Ende so vorkommen, die Gesellschaft hätte ihn zur Vertragsunterschrift genötigt. Es ist der freie Wille, der den Gesellschaftsvertrag hervorbringt, nicht umgekehrt!

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