Hochstapler und Plagiatoren im Merkelismus | The European

Plagiatorin Franziska Giffey wird Regierende Bürgermeisterin von Berlin

Johann Lauer21.12.2021Medien, Politik

„Legal, illegal, sch…egal“, das Motto der 68er-Spaß-Revoluzzer wird mit der Einsetzung einer Plagiatorin als Regierende Bürgermeisterin von Berlin prägend für dieses Land. Gestern, im Wilhelminismus, waren Hochstapler die absolute Ausnahme. Heute, im Merkelismus, sind Hochstapler und Plagiatoren in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Morgen sind die Hochstapler und Plagiatoren dabei, die Zukunft zu prägen. Bürgerliche Gesellschaft ade, Spaßgesellschaft ahoi. Von Johann Lauer.

Franziska Giffey SPD, Foto: imago images / Jürgen Heinrich

Gestern: Bürgerliche Gesellschaft im Wilhelminismus

In der bürgerlichen Gesellschaft zählten Bildung, Einsatz und Leistung. Besonnenheit, Beharrlichkeit, Disziplin, Entscheidungskraft, Konzentrationsfähigkeit und Mut waren anerkannte Tugenden. „Arbeit ist des Bürgers Zierde/ Segen ist der Mühe Preis“ so beschreibt Friedrich Schiller in „Das Lied von der Glocke“ wichtige bürgerliche Tugenden. Hochstapelei war, wie man heute sagen würde, ein No-Go.

Hauptmann von Köpenick: der bekannteste Berliner Hochstapler des Wilhelminismus

Friedrich Wilhelm Voigt (1849-1922) war der bekannteste Berliner Hochstapler des Wilhelminismus. Er war ein Schuhmacher, der aus Ostpreußen stammte und als Hochstapler unter dem Namen Hauptmann von Köpenick bekannt wurde.

Am 16. Oktober 1906 drang Voigt als Hauptmann verkleidet mit einem Trupp gutgläubiger Soldaten in das Rathaus der Stadt Cöpenick bei Berlin ein. Köpenick (seit 1931 schreibt es sich mit K) ist heute ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick im Südosten von Berlin. Das Rathaus wurde besetzt, der Bürgermeister verhaftet und die Stadtkasse ausgeraubt.

Heute: Hochstapler und Plagiatoren im Merkelismus

Heute, im Merkelismus, sind Hochstapler und Plagiatoren in der Mitte der Gesellschaft angekommen, nachdem die 68er Spaß-Generation die oben genannten Tugenden zu „Sekundärtugenden“ degradiert hatten. Merkel hat ihre Macht dadurch gesichert, dass sie sich mit unfähigen Jasagern umgab. Übersteigert selbstverliebte, maßlos ehrgeizige, aber durchaus wortgewandte und sprachmächtige Narzissten wurden mit wichtigen Kabinettsposten (Bildung, Verteidigung, Wirtschaft) bedacht.

Merkel ist die erfolgreichste Politikerin der 68er-Spaß-Generation. Dieser Generation ist eine Revolution gelungen: Die bürgerliche Gesellschaft wurde in eine infantile Spaßgesellschaft (Hauptsache Spaß) verwandelt.

Heute sitzen seit über zwei Jahrzehnten Plagiatoren, Studienabbrecher und sonstige Poser und Narzissten in Spitzenpositionen in Regierungen und allen politischen Institutionen. Der Gang durch die Institutionen war sehr erfolgreich, leider aber nur für die 68er-Spaß-Revoluzzer. Das Resultat für das Land ist bekannt: Deutschland und Europa wurden vor allem in Bildung und Technologie zweitklassig (siehe meinen Artikel: Eurosklerose 2.0: Ruinen in Friedenszeiten? Bigotte Hurra-Europäer und Hurra-Nationalisten fahren die EU an die Wand). Die außenpolitische Bilanz ist genauso verheerend (siehe meinen Artikel: Sein und Schein in der Außenpolitik. Kanzler der Einheit versus Kanzlerin der Spaltung).

Morgen: Hochstapler und Plagiatoren im Merkelismus

Am 21. Dezember zieht eine bewiesene Plagiatorin nun als erste Bürgermeisterin ins Rathaus von Berlin ein. In der neuen Regierung auf Bundesebene werden weitere Angeber und Plagiatoren entscheidende Ämter ergattern, allen voran eine Hochstaplerin das Außenministerium. Bildung, Einsatz oder Leistung sind irrelevant. Besonnenheit, Beharrlichkeit, Disziplin, Entscheidungskraft, Konzentrationsfähigkeit oder Mut sind alles „Sekundärtugenden“, wichtig ist vor allem eine „gute und richtige“ Gesinnung sowie eine grüne Weltrettungsvision.

Boris Palmer zufolge gehört Berlin zum nicht funktionierenden Teil Deutschlands. Mit der Machtübernahme einer Plagiatorin ist die Balkanisierung Berlins vollzogen. Ja sogar eine neue Qualität der Balkanisierung wurde erreicht. Bisher wurden zumindest in Deutschland noch nie bekannte Plagiatoren von einer Partei als Kandidaten aufgestellt und ins Amt gehievt.

Bedeutung der Bildung für die Digitalisierung

Schon Jahrhunderte bevor man von einer Wissensgesellschaft sprach, hat Bildung einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gebracht. Der Aufstieg Europas beginnt mit der Renaissance sowie dem Aufstieg der Wissenschaften insbesondere ab dem 17. Jahrhundert.

In der Öffentlichkeit, insbesondere in Politik und Wissenschaft, wird der Wilhelminismus heute nur belächelt, während gleichzeitig die Selbsterhöhung des Merkelismus zum Fremdschämen ist.

Einst, am Anfang des 20. Jahrhunderts, stand Deutschland in Wissenschaft, Wirtschaft, Technologie, Militär, Kultur an der Weltspitze, Poser und Narzissten waren Eintagsfliegen, die höchsten einen Tag Eindruck in einer kleinen Provinzstadt schinden konnten.

Die besten Universitäten weltweit waren in Deutschland und nicht in den USA, wirtschaftlich überholte Deutschland sogar England, danach kamen die USA an die Spitze. Alle Bereiche, die auch heute noch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, wurden von Erfindern und Ingenieuren im Wilhelminismus der Gründerzeit (1871-1914) begründet: Automobil, Elektro und Chemie. Deutschland war zeitweise die Apotheke der Welt. Dank grüner Ideologen werden die Grundsubstanzen von Medikamenten nur noch in China und Indien produziert, was schlechter für die Umwelt und noch schlechter für den deutschen Standort ist.

Auch der Aufstieg der sogenannten Zweiten Welt, der ehemaligen sozialistischen Staaten, ist eng mit der Bildungspolitik verknüpft. Alphabetisierung war ein zentrales strategisches Ziel, mit dessen Hilfe zurückgebliebene in großen Teilen nicht alphabetisierte Gesellschaften von Agrar- in Industriegesellschaften umgewandelt wurden.

Der Abstieg geht entscheidend auf eine schlechte Rekrutierung von Spitzenpersonal zurück. Zwar konnte ein hervorragendes, meritokratisches Bildungssystem aufgebaut werden, die Spitzenposten wurden bevorzugt an ideologisch gefestigtes Personal vergeben. Diese Menschen bekamen ihre Hochschuldiplome über die Parteischiene, indem sie sich als Denunzianten oder Propagandisten betätigten. Damit kamen funktionale Analphabeten in Spitzenpositionen, diese trugen entscheidend zum Niedergang der ehemaligen sozialistischen Staaten bei.

Auch in China spielt die Bildungspolitik eine entscheidende Rolle. Während der maoistischen Kulturrevolution (1966-1976) waren bürgerliche Intellektuelle verpönt. Die Roten Garden, bestehend aus vulgärmarxistischen Halbanalphabeten, haben die chinesische Elite ausradiert, ca. 20 Millionen Menschen getötet und das Land in die Steinzeit zurückkatapultiert. Diesem Genozid ging ein noch größerer voraus. Beim sogenannten „Großen Sprung nach vorn“ starben in der großen Hungersnot von 1959 bis 1961 etwa 15 bis 45 Millionen Menschen.

Aus dieser Erfahrung haben die chinesischen Kommunisten gelernt und die Bedeutung von Bildung, auf die im Wesentlichen der westliche Wohlstand beruht, erkannt. Vulgärmarxistische Halbanalphabeten können noch höchstens in Umerziehungslagern Karriere machen, an den entscheidenden politischen Hebeln sitzen seit ca. 30 Jahren Menschen, die oft an zwei Exzellenz-Universitäten, einer chinesischen und in der Regel einer amerikanischen oder anderen ausländischen Spitzenuniversität, ausgebildet wurden.

In den 90er Jahren konnte die EU bei der Digitalisierung mit den USA noch mithalten. HTML, die Sprache des Internets, wurde am CERN in der Schweiz von einem Engländer erfunden, der MP3-Standard in Deutschland. Die EU wurde in den 90er Jahren bei der Handyproduktion führend, so dass Nokia, Ericsson und Siemens am Anfang des Jahrhunderts weit über 50 Prozent, teilweise zwei Drittel der weltweiten Handyproduktion auf sich vereinten. Beides, Hardware und Software, wurde von diesen Firmen geliefert. Weiterhin wurden die Standards bei den Mobilfunknetzen der ersten beiden Mobilfunkgenerationen ebenfalls von diesen europäischen Firmen gesetzt.

Mittlerweile ist Europa sowohl bei der Handyproduktion als auch bei den Netzwerken unbedeutend und wurde von zwei ehemaligen Entwicklungsländern, China und Südkorea, überholt.

Die Bildungspolitik in der EU und auch in Deutschland hat einen besonderen Anteil an dieser Entwicklung. Die PISA-Studien seit Beginn des 21. Jahrhunderts belegen, dass das Bildungssystem vor allem in Deutschland und vielen anderen Staaten der EU nicht mit den ostasiatischen Systemen (China, Japan, Singapur, Südkorea oder Taiwan) mithalten kann. Dies gilt vor allem für die MINT-Fächer, die für die technologische Entwicklung entscheidend sind.

Genauso entscheidend war, dass die am besten vertretene Gruppe im Bundestag und in der Bundesregierung seit zwei Jahrzehnten Studienabbrecher und Plagiatoren sind. Dabei beenden seit Jahrzehnten jedes Jahr Hundertausende eine Hochschule: 2017 promovierten 29.218, 252.286 erwarben einen Bachelor- und 144.649 einen Masterabschluss. Ein Mangel an gut ausgebildeten Menschen gibt es nicht. Leider entscheidet die Parteischiene über die Rekrutierung von Spitzenpersonal.

Morgen sind die Hochstapler und Plagiatoren dabei, die Zukunft zu prägen. Aber die EU träumt davon, in Zukunft die Standards bei der Digitalisierung zu setzen sowie wirtschaftlich mit den USA und China mitzuhalten. Politische Weltfremdheit ist keine rein deutsche, sondern mittlerweile eine europäische Spezialität.

Fazit: Dichter und Denker, Erfinder und Ingenieure, Richter und Henker, Pragmatiker und Reformer, Hochstapler und Plagiatoren

Das Streben nach Perfektion im Zusammenspiel mit bürgerlichen Tugenden (Beharrlichkeit, Disziplin, Entscheidungskraft, Konzentrationsfähigkeit, Kühnheit, Fantasie oder Mut) bedingt die Stärke der Deutschen und Deutschlands.

Das Streben nach Perfektion mag ja auf vielen Gebieten einen Wettbewerbsvorteil sein, in der Politik ist es ein großer Nachteil, kann geradezu direkt in die Katastrophe führen. In der Politik zählen vor allem Besonnenheit, Demut, Maß und Mitte. Alles Tugenden, die man bei Deutschen und in Deutschland mit der Lupe suchen muss.

Es gibt gerade mal zwei kleine Perioden in der Geschichte Deutschlands, in denen Politiker, die diese Tugenden verkörperten, von der Mehrheit der Menschen gewählt wurden. Einmal ist da die Weimarer Republik zu nennen, gerade einmal 15 Jahre lang. Damals konnten linke und rechte Demagogen von der Regierung ferngehalten werden. Danach folgte der komplette Abstieg, braune, nationale Sozialisten haben das Land in den Abgrund geführt. Aus dem Land der Dichter und Denker wurde das Land der Richter und Henker. Auf einem kleinen Teil Deutschlands, in der DDR, konnte das andere Extrem sich 40 Jahre austoben. Die Richter und Henker („die rotlackierten Faschisten“, so die Bezeichnung von Kurt Schumacher, von 1946 bis 1952 Parteivorsitzender der SPD) nicht zu vergessen, die Millionen Denunzianten und Opportunisten mussten nur die braune mit der roten Uniform tauschen.

Schwarz-gelbe Pragmatiker und rote Reformer dominierten in der Zweiten, der Bonner Republik, auf einem anderen Teil Deutschlands Gesellschaft und Politik. In dieser Zeit konnten solide Grundlagen sowie Substanz angelegt werden, von denen sowohl Deutschland als auch Europa heute noch profitieren. Leider trug diese Zeit auch zu einer Wohlstandsverwöhnung nicht weniger Kinder und geradezu einer Wohlstandsverwahrlosung vieler Enkelkinder bei.

Die wohlstandsverwöhnten Kinder dieser Zeit haben seit 1998 die Spaßgesellschaft etabliert. Die wohlstandsverwahrlosten Enkelkinder machen sich auf den Weg, Land und Kontinent in ein Bullerbü zu verwandeln, wahrscheinlicher werden Land und Kontinent an die Wand gefahren.

Nun wird mit dem Einzug einer Plagiatorin als Regierende Bürgermeisterin von Berlin die nächste Raketenstufe gezündet. Eine Hochstaplerin wäre beinahe Bundeskanzlerin geworden. Zwar wurde das Schlimmste gerade noch verhindert, aber einige Hochstapler und Plagiatoren werden in die nächste Bundesregierung einziehen. Getragen von einer grünen Hybris inklusive Weltrettungsphantasien beginnt die komplette Infantilisierung von Gesellschaft und Politik.

Jeder Mensch durchläuft mindestens drei Stadien – Kindheit, Pubertät und Erwachsensein. Nicht wenige wiederholen die ersten beiden Stadien. Auf Staaten übertragen bedeutet das, dass Deutschland und Europa, nachdem die Pubertät in den letzten zwei Jahrzehnten zum zweiten Mal durchschritten wurde, bald wieder die Infantilität erreichen.

Ich hoffe, als unverbesserlicher Optimist, dass die rechten Pragmatiker und linken Reformer wieder an die Macht kommen, bevor Deutschland und Europa wieder ganz unten landen. Wie eine Politik mit Maß und Mitte die EU weiterentwickeln kann, habe ich hier skizziert: Europäische Union 2.0. Plädoyer für ein Update der EU.

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