Gott sei Dank

von Joerg Splett23.04.2011Gesellschaft & Kultur

Erst Gott, als philosophischer Name des Heiligen, erlaubt uns das Gut-Sein-Sollen/DĂŒrfen. Dostojewski ĂŒbersieht, dass es nicht die sittliche Verantwortung zum moralischen Verhalten gibt, weil diese nur aus sich selbst begrĂŒndet wird.

Vom „Alles ist erlaubt“ seines Romans war Dostojewski selbst ĂŒberzeugt, und zwar im Blick auf den Lebenssinn ĂŒberhaupt. Sechzig Jahre spĂ€ter stellen Horkheimer/Adorno erneut die Unmöglichkeit fest, „aus der Vernunft ein grundsĂ€tzliches Argument gegen den Mord vorzubringen. Horkheimer schrieb 1970: „Rein wissenschaftlich betrachtet, ist der Hass, bei aller sozial-funktionellen Differenz, nicht schlechter als die Liebe.“ Woraus folge: „Alles, was mit Moral zusammenhĂ€ngt, geht letzten Endes auf Theologie zurĂŒck.“

Anruf an Freiheit zur Freiheit

GrundsĂ€tzlich (vor Normenfragen) geht es um Sittlichkeit „als solche“. Prinzipiell soll der Mensch „sich ein Gewissen daraus machen, ein Gewissen zu haben und sich ihm gemĂ€ĂŸ zu verhalten”. Zu verstehen ist diese Sittlichkeit als Anruf an Freiheit zur Freiheit – also dazu, die Freiheit selbst zu sein. Hedonismus und Utilitarismus verzichten auf diese BegrĂŒndung – geht es also doch nur mit Gott als Instanz? Kant hat die sittliche Erfahrung als „Faktum der Vernunft“ bezeichnet. Es geht nicht bloß um das, was man will, sei es auch „eigentlich“ oder „im Grunde“; sondern darum, was gewollt werden soll. Darum ist es mit dem Guten als dem ZutrĂ€glichen nicht getan. Die Griechen erkannten es als „kalĂłn k’agathĂłn“ – das Schöne-und-Gute. Wer wirklich gut handelt, verhĂ€lt sich eben nicht bloß klug, sondern er „gibt der Wahrheit die Ehre“. Was aber so einleuchtet, ist der BegrĂŒndung nicht fĂ€hig, weil nicht bedĂŒrftig. Zu begrĂŒnden ist nĂ€mlich nur Nicht-Einleuchtendes: durch – einleuchtende – RĂŒckfĂŒhrung auf Einleuchtendes. Bei der sittlichen Erfahrung geht es statt um ein MĂŒssen um ein Sollen, um das Nicht-anders-DĂŒrfen. Das trifft nicht nur Theisten, gar Christen. Gewissen zu haben definiert den Menschen als solchen. Es definiert den Menschen unmissverstĂ€ndlicher als das ĂŒberlieferte animal rationale, nicht nur im Blick auf kĂŒnstliche Intelligenz oder die Frage der Tier-Mensch-Unterscheidung. Niemand freilich soll gern. Schon gar gut sein; heißt dies doch, man sei es nicht und hĂ€tte es zu sollen nötig. Wie anderseits stĂŒnden wir nach Verlust des Prinzipiengewissens? Die anfĂ€ngliche Lust an derart ungenierter „Leichtigkeit des Seins“ (Schmidt-Salomon) dĂŒrfte sich bald zu der Einsicht ernĂŒchtern, als Tier auf zwei Beinen zu existieren. In der Tat Ă€ußern gerade amoralische Vertreter des „Why 
“ – sobald sie sich selbst ungerecht behandelt fĂŒhlen – ethische Empörung.

Wir dĂŒrfen gut sein

Worin anders als darin, des Anspruchs gewĂŒrdigt zu sein, der Wahrheit die Ehre zu geben, grĂŒndet die WĂŒrde des Menschen? Dass wir gut sein sollen, ist ein Geschenk: wir dĂŒrfen. Und Gott? Kant postuliert ihn, weil der Mensch ohne Hoffnung auf ihn dem Sollen nicht zu folgen vermöchte. Das kommt mir zu spĂ€t und war zudem nicht unser Thema. Wie aber, wenn wir die sittliche Erfahrung verstehen, ihre „Lichthaftigkeit“ angemessen auffassen wollten? Des Du-Sollst (gut sein) gewĂŒrdigt werden können nur Personen. Woher nun zuletzt dies Du-Sollst (angesichts/wegen/trotz unseres Nicht-gut-Seins)? Keine Notlage anderer, nicht Wert noch Einsicht sind zu einem Imperativ fĂ€hig, zu einem Optativ höchstens. Und wer sich selbst aus einer Situation „ein Gewissen macht“, wird als Erster erklĂ€ren, dass er dies solle? Das Woher eines solchen „Unbedingt-gut-sein-Sollen(-DĂŒrfen)s“ ist meines Erachtens nach (statt der widersprĂŒchlichen „causa sui“) der philosophische Name des Heiligen, das religiös Gott heißt.

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