Nimm drei

Jörg Friedrich28.04.2013Gesellschaft & Kultur

Warum müssen es immer zwei Menschen sein, die füreinander lebenslange Verantwortung übernehmen und deshalb vom Staat gefördert werden?

Man kann die Frage, ob Lebensgemeinschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern der Verbindung eines Mannes mit einer Frau in jeder rechtlichen Beziehung, etwa hinsichtlich des Steuerrechts und des Erb- und Eigentumsrechts, gleichgestellt werden sollen, ganz gesellschaftsökonomisch betrachten: Übernehmen die Partner Verantwortung und Verpflichtungen füreinander, sodass die Gesellschaft von der Fürsorge für sie entlastet wird, so kann und sollte das einerseits unterstützt werden, etwa indem Eigentumsfragen vereinfacht werden, andererseits sollte sich das auch in einer steuerlichen Entlastung niederschlagen.

Bessere Modelle?

Allerdings ergibt sich hier eine weitergehende Frage: Warum sollte diese Vergünstigung sich auf Lebensgemeinschaften beschränken, die ausgerechnet aus zwei Personen bestehen? Solange das Geschlecht den Unterschied macht und die Zeugung und Versorgung von Kindern, die auch mit gesellschaftsökonomischen Gründen gefördert werden kann, noch ein wesentlicher Aspekt ist, ist die Sache noch relativ nahe liegend: Es braucht eben genau eine Frau und einen Mann, um ein Kind zu zeugen, und man könnte die stabile Beziehung zwischen einer konkreten Frau und einem konkreten Mann als die praktikabelste Möglichkeit ansehen, um zwei oder drei Kindern ein möglichst unproblematisches Erwachsenwerden zu ermöglichen. Sicherlich – auch hier sind andere Konstellationen denkbar und aus anderen Kulturkreisen bekannt, aber sicherlich kann man die Zwei-Personen-Mann-Frau-Ehe als die Konstellation für den Zweck der gesellschaftlichen Nachwuchserzeugung ansehen, die in unserer Kultur am besten etabliert ist.

Wenn dieser Zweck jedoch wegfällt, dann entfällt auch jedes Argument, Paar-Beziehungen irgendwie gegenüber Dreier- und Vierergemeinschaften zu bevorzugen, die sich doch auch fürs Leben zusammenfinden können und sich schwören können, füreinander bis zum Tod zu sorgen, einen gemeinsamen Haushalt zu führen, dafür gemeinsam Eigentum anzuschaffen, im Krankheitsfall oder bei existenziellen Sorgen einander zu unterstützen und zu helfen. Solche Beziehungen könnten die gesellschaftliche Funktion, die Gemeinschaft von Fürsorgeaufgaben zu entlasten, die die Partner viel besser füreinander erbringen können, sogar noch besser erfüllen, da sie weit langfristiger, nämlich über den Tod eines einzelnen Partners hinaus, angelegt sein können.

Gravierende Umwälzungen

Die Fixierung auf die monogame Paar-Beziehung, die selbst bei den Vorkämpfern der so genannten Homo-Ehe noch selbstverständlich ist, ist letztlich nur der paradimatischen Kraft der Mann-Frau-Beziehung geschuldet. Ob es biologische Gründe für eine Vorliebe für solche Zweierbeziehungen gibt, muss bei der politischen und juristischen Beurteilung von Lebensgemeinschaften genauso außen vor bleiben wie die Frage, ob es biologische Gründe für eine relativ große Häufigkeit von heterosexuellen gegenüber homosexuellen Verbindungen gibt. Was gesellschaftlich zu fördern bleibt, wenn man sich von der Förderung der Ehe als Ort, an dem Kinder aufwachsen, verabschiedet, ist etwas, was man neu als Familie bestimmen könnte: Eine Gemeinschaft, in der Menschen sich so eng miteinander verbunden fühlen, dass sie alles materielle und ideelle, was ihnen wichtig ist, miteinander teilen. Es gibt kein Argument, bei ihrer rechtlichen Würdigung danach zu unterscheiden, ob diese Verbundenheit durch biologische Verwandtschaft oder auf andere Weise zustande kommt, zumal es schon heute für die Aufnahme neuer Mitglieder in eine Familie neben der Eheschließung mit der Adoption auch schon andere als nur biologische Möglichkeiten gibt.

Wir stehen, so kann man vermuten, mit der Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe zwischen Frau und Mann am Anfang einer gravierenden Umwälzung unserer persönlichen und intimsten Partnerschaftsbeziehungen, an deren Ende wir in ein paar Jahrzehnten unsere heutigen paradigmatischen Vorstellungen von Verwandtschaft, Familie und Partnerschaft nicht mehr wieder erkennen werden.

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