Feste feiern

von Jörg Friedrich29.03.2013Gesellschaft & Kultur

Ein Tanzverbot an Karfreitag scheint uns nicht mehr zeitgemäß. Doch mit der Bedeutung von Feiertagen geht dem säkularen Menschen selbst das Bedeutsame verloren.

In jedem Jahr bricht kurz vor Ostern in Deutschland die Diskussion aus, ob das sogenannte Tanzverbot für den Karfreitag und die anderen sogenannten Stillen Feiertage „noch zeitgemäß“ sei oder nicht besser abgeschafft werden sollte. Es handelt sich dabei um eine gesetzliche Regelung, die außerhalb des deutschsprachigen Raums weitgehend unbekannt ist und die das Vergnügen an den Feiertagen untersagt, die eher der Trauer oder der Besinnung gewidmet sind als der Freude und Ausgelassenheit.

Man kann sicherlich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, das Vergnügen und die Fröhlichkeit, die sich etwa beim Tanzen einstellen, mit den Mitteln des Gesetzes zu verbieten. Aber die Diskussion darum wirft ein bezeichnendes Licht auf den Umgang mit den traditionellen Festen und Feiertagen, der nicht nur in deutschsprachigen Ländern einen Wandel erlebt.

Höhepunkte im Leben

Man mag es heute kaum noch glauben, aber ursprünglich haben das Feiern und das Fest, und somit auch die Feier- und Festtage, gar nichts mit Vergnügen, Frohsinn oder Erholung zu tun. Beide sind zunächst einem Anlass gewidmet, einer im buchstäblichen Sinn bedeutenden Sache, wegen der die alltäglichen, profanen Dinge ruhen sollten und einer kultischen Würdigung des Besonderen und Bedeutsamen durch die Feier Raum und Zeit geben sollten.

Ob diese einen religiösen oder einen anderen kulturellen Ursprung haben, oder ob bestimmte Höhepunkte im Leben der Gemeinschaft oder des Einzelnen religiös besetzt worden sind, ist dabei sekundär, denn zumeist kann man bei Feiertagen die kulturelle Bedeutung, letztlich den Sinn der Stabilisierung und Festigung der Gemeinschaft und der Einbindung des Einzelnen in seiner kulturellen Heimat, gut erkennen. Und selbst wenn der Ursprung rein religiöser Art ist, etwa bei den christlichen Feiertagen im Verlauf des Frühjahrs, hat sich im Verlauf der Jahrhunderte eine kulturelle Bedeutung über das pur Religiöse hinaus gebildet. Die säkularisierte Gesellschaft übernimmt die Feiertage als freie Tage, nimmt ihnen aber die Bedeutung.

Parallel zu diesem Bedeutungsverlust der jährlichen religiösen Feiertage, der allerdings auch weltliche Feiertage wie etwa den Maifeiertag oder Nationalfeiertage betrifft, ist eine Verunsicherung hinsichtlich der lebensbezogenen Feiertage, Geburt, Heirat, Tod sowie bestimmte Momente des Erwachsenwerdens zu beobachten. Die Rituale zu diesen Feiertagen sind nahezu ausschließlich religiös besetzt.

Das Bedeutsame geht verloren

Die Menschen, die sich immer mehr den Kirchen als Institutionen und der Religion als Glaubensbekenntnis entfremden, verlieren die Möglichkeit, diese Momente im Leben ritualisiert in der kulturellen Gemeinschaft zu feiern. Das religiöse Ritual wird als zugekauftes Spektakel inszeniert, das das Vergnügen der übrigen Feier sozusagen bereichert, so wie eine Showeinlage einen runden Geburtstag verschönert.

So verliert der säkulare Mensch das Symbolische, das Besondere, das Bedeutsame. Feiertage werden freie Tage, Vergnügungstage, an denen gefeiert wird, obwohl es keinen Grund zum Feiern gibt.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Dann mach doch die B...

Frauen bestehen auf ihrem Recht, sexy zu sein – ganz für sich selbst, natürlich. Darauf reagieren darf Mann nämlich nicht, sonst folgt gleich der nächste #Aufschrei.

Diktatur des Feminis...

Die Frage nach einer Frauenquote ist eine Phantom-Debatte. Junge Frauen wollen ihre Karriere planen und nicht mit den alten Feministinnen mühsam über etwas diskutieren, das für sie keine Relevanz hat.

Rette sich, wer kann...

Peter Singer glaubt, im Namen der Ethik die Grenzen des Menschseins neu definieren zu können. Er irrt gewaltig. Wer Grundrechte für Affen fordert und gleichzeitig die Tötung von Neugeborenen verteidigt, ist vor allem eins: verwirrt.

Männer, die auf Bus...

Wer Sexismus noch nie erlebt hat, kann ihn auch nicht verstehen. Weiße Hetero-Kerle haben leicht reden.

Der Jude war’s...

In Berlin wird ein Rabbiner brutal verprügelt, weil er Jude ist. Indes werfen Experten schon die Frage nach dem Warum? auf, die zielsicher zum Juden anstatt zum Antisemiten führt.

Amerika und die deut...

Deutschland kämpft gerne für Toleranz und gegen Hass. Es sei denn, es geht um Amerika. Da macht jeder zweite Deutsche eine Ausnahme und suhlt sich in Amiphobie.

Mobile Sliding Menu