Wortwörtlich

von Jörg Friedrich17.02.2013Gesellschaft & Kultur

Wie können wir miteinander debattieren, wenn wir unterschiedliche Definitionen für Begriffe haben? Eine Spurensuche.

„Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein“ lässt Goethe seinen Mephisto zu Fausts Schüler sagen. Und er fährt fort: „Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten…“ Solche Streits mit Worten, bei denen Begriffe fehlen, erleben wir auch heute noch tagtäglich, an Kneipentischen und in sozialen Medien hauen wir uns Worte um die Ohren ohne uns auch nur im geringsten darum zu scheren, ob denn da auch ein Begriff sei.

Schon in diesem Moment müssen wir zum ersten Mal innehalten und uns fragen, was denn so ein Satz wie der soeben hingeschriebene überhaupt besagt. Was ist überhaupt gemeint, wenn wir von einem „Begriff“ reden. Ist ein Begriff denn mehr als ein Wort? Oder sind Begriffe spezielle Wörter? Auf welche Weise können wir das herausfinden? Die Philosophen haben sich die Köpfe darüber zerbrochen, und die Lexika sind voll von Erklärungen und Definitionen. Wir könnten dort nachschlagen und herauszufinden versuchen, was denn nun ein „Begriff“ ist und was ihn vom „Wort“ unterscheidet.

Alltagssprache vs. Diskurssprache

Aber im Alltag sprechen wir einfach miteinander, reihen Wörter zu Sätzen, diskutieren oder informieren, und sind ziemlich sicher, dass wir einander verstehen. Nur manchmal, wenn wir keine Einigkeit erzielen können, beschleichen uns Zweifel, ob ein anderer den Worten die gleiche Bedeutung gibt, ob er den gleichen Begriff im Sinn hat, wenn er ein Wort ausspricht.
Seit langem ist die Meinung verbreitet, dass die Bedeutung von Begriffen irgendwo verbindlich geregelt sein müsste. Lexikonausgaben mit Dutzenden Bänden hatten über Jahrzehnte ihre Existenzberechtigung daher, dass man meinte, die Bedeutung jedes Wortes darin verbindlich nachschlagen zu können.

Findet ein Streit um Begriffe heute im Internet statt, dann wird oft auf ein Online-Lexikon verwiesen

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