Das Ende des Klimaschutzes

von Jörg Friedrich9.12.2012Außenpolitik

Auch Doha zeigte, dass sich die Politik nicht nach der Klimaforschung richtet. Höchste Zeit also, dass sich die Klimaforschung nach der Politik richtet.

Die Klimaschutzkonferenz von Doha hat vor allem eines gezeigt: Eine Einigung zu einem globalen Problem ist auf der Basis der derzeitigen internationalen Strukturen nicht möglich, wie groß die Gefahr, die möglicherweise aus dem ungelösten Problem erwächst, auch sein mag.

Klimawissenschaftler werden kein Umdenken erreichen

Erstaunlicherweise muss man konstatieren, dass die sogenannte Weltgemeinschaft umso unf√§higer ist, einen abgestimmten Weg zur Verringerung der Gefahr zu finden, desto sicherer die Ergebnisse der Forscher werden. Das ist nur scheinbar paradox, denn auch wenn die Prognosen der Klimaforscher immer klarer werden, bleibt die Katastrophe abstrakt, und niemand wei√ü genau, wann sie wo zuschl√§gt. Die Probleme, die die Herrschenden aller Nationen jedoch haben w√ľrden, wenn sie den Weg des Wachstums mit den damit verbundenen Wohlstandsgewinnen nicht weiter ohne R√ľcksicht auf die Verluste der Klimastabilit√§t gehen w√ľrden, sind relativ konkret.

Hinzu kommt, dass die Schuldzuweisungen f√ľr den globalen Klimawandel ebenso immer pr√§ziser werden, desto klarer die Wissenschaftler die Zusammenh√§nge erkennen. Und mit den Anschuldigungen kommen die Forderungen, die zumeist wiederum von den Beschuldigten schon aus politischen Gr√ľnden nicht angenommen werden k√∂nnen.

Die Prinzipien der globalen Diplomatie und der von nationalen Interessen geleiteten Entscheidungsmacht der Verhandlungspartner verhindern eine Lösung, und eine Veränderung dieser Prinzipien ist wiederum nicht in Sicht. Somit bleibt nur, sich auf die kommenden Katastrophen einzustellen. Die Klimawissenschaftler können getrost aufhören, uns immer präziser auszurechnen, um wie viel Grad die globale Mitteltemperatur am Ende dieses Jahrhunderts gestiegen sein wird. Sie werden damit kein politisches Umdenken mehr erreichen können.

Ihre ganze Kraft sollten sie stattdessen darauf konzentrieren, lokale Klimaprognosen f√ľr die Ver√§nderungen in den n√§chsten zehn oder zwanzig Jahren zu erstellen. Das interessiert die Menschen, und darauf k√∂nnen sie sich dann konkret einstellen. Das interessiert wom√∂glich sogar die Politiker, sowohl die der Kommunistischen Partei in China, die in F√ľnf-Jahrplan-Zeitr√§umen plant, als auch die demokratisch gew√§hlten, in Wahlperioden denkenden, der westlichen Demokratien. Sie alle wollen f√ľr die Zeit, die sie noch erleben werden, in den K√∂pfen ihrer V√∂lker als vorausschauende, weise Herrscher in Erinnerung bleiben.

Aber auch die praktische Bedeutung solcher Prognosen ist enorm. In solchen Zeitr√§umen k√∂nnen gro√üe Infrastrukturprojekte geplant werden, √ľber ein oder zwei Jahrzehnte k√∂nnen Schutz- und Umstrukturierungsma√ünahmen angelegt werden. Um ihre Existenzberechtigung m√ľssen sich die Klimaforschungsinstitute bei einer solchen Neuausrichtung nicht sorgen.

Diskussion √ľber die moralische Folgen notwendig

Weit wichtiger ist jedoch, dass innerhalb der verschiedenen Gesellschaften, also etwa im europ√§ischen Ma√üstab, die Diskussion √ľber die moralischen und schlie√ülich interessenspolitischen Folgen des Klimawandels beginnen muss. Wenn man es ganz n√ľchtern betrachtet, ergibt sich f√ľr Europa und Nordamerika etwa folgende Situation: man muss sich zwar eingestehen, dass man mit der Industrialisierung und der darauf basierenden Wohlstandsmehrung der Ausl√∂ser und Hauptverursacher des Klimawandels ist. Zudem werden, nach allem, was man bisher wei√ü, die Auswirkungen des Klimawandels in Europa vergleichsweise gering sein ‚Äď jedenfalls, wenn man von den k√ľstennahen Regionen absieht. Au√üerdem werden die europ√§ischen und nordamerikanischen Industrienationen noch am ehesten in der Lage sein, die Folgen des Klimawandels finanziell und technologisch zu beherrschen.

Dem gegen√ľber stehen die Regionen der Erde, die einerseits relativ wenig Schaden im Klimasystem angerichtet haben, die aber andererseits ganz besonders darunter zu leiden haben werden. Wir k√∂nnen in der westlichen Welt nicht fr√ľh genug damit beginnen, √ľber die Konsequenzen dieser Situation nachzudenken. Dass die europ√§ischen und nordamerikanischen W√§hler in zehn oder zwanzig Jahren mehrheitlich Parteien in ihre Regierungen w√§hlen, die sich der besonderen Verantwortung des Westens f√ľr die nahenden Katastrophen stellen und etwa solidarischen Wohlstandsverzicht in Europa im Interesse von Investitionen in Hochwasserschutz in Asien ins Zentrum ihrer Politik r√ľcken, ist unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass europ√§ische Regierungen von ihren W√§hlern beauftragt werden, Wohlstandswahrung im Angesicht der eigenen Herausforderungen und Probleme zu betreiben.

Keine Fortsetzung des westlichen Kultur-Imperialismus

Auf der anderen Seite kann es wohl auch tats√§chlich nicht langfristiges Ziel sein, dass die Europ√§er und Amerikaner, aus ihrer eingestandenen Schuld am Klimawandel heraus, √ľberall auf der Welt zu rettenden Engeln werden. Das w√§re nichts anders als eine Fortsetzung des westlichen Kultur-Imperialismus.

Jede Region muss wahrscheinlich das eigene Schicksal selbst in die Hand nehmen, entsprechend der eigenen Verantwortung, die letztlich spätestens aus dem Scheitern der Klimakonferenz-Politik auch jeder einzelnen Regierung, die jetzt nur kurzfristig und nur national denkt, erwächst.

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