20 Prozent der Kinder leiden an Lernschwächen

Joe Kennedy13.10.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Die Grundschule feiert dieses Jahr einen denkwürdigen Geburtstag: Seit 100 Jahren besuchen deutsche Kinder inzwischen das Institut, das mit der Weimarer Verfassung seinen Anfang fand. Sie könnten meinen, dass sich seit 1919 im Schulsystem und in der Schulpolitik so einiges getan hat.

In vielerlei Hinsicht ist dem natürlich auch so. Doch eines vermisse ich nach wie vor: eine Sicherung der Zukunft unserer Kinder mit Lernschwächen. Und das wäre so einfach – wenn die Kultusministerien der Länder das wollten …

Verkanntes Potenzial

Beinahe 20 Prozent der Kinder an deutschen Schulen leiden an Lernschwächen wie Legasthenie und Dyskalkulie. Dass das sowohl für die Kinder selbst als auch die Lehrer oder die Eltern eine belastende Situation hervorruft, ist wohl verständlich. Ich erlebe die Verzweiflung auf allen Seiten tagtäglich in meiner Nachhilfeschule. Mehr noch: Eine meiner Töchter hatte zu Beginn Ihrer Schulkarriere mit einer Lese-Rechtschreibschwäche zu kämpfen.

Seit nunmehr 25 Jahren überwinden jährlich zahlreiche Kinder ihre Lernschwächen durch meine Kennedy-Methode. Und das nachweislich und messbar. So können meine Mitarbeiter und ich vielen Kindern und Jugendlichen zu einem fröhlichen Weg in eine sichere und starke Zukunft verhelfen.

Für mich ein guter Grund, meine Kennedy-Methode auch an die Politik zu kommunizieren. Also wendete ich mich im Februar dieses Jahres an Frau Dr. Susanne Eisenmann, ihres Zeichens Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, zuvor elf Jahre Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Reaktion: mehr als enttäuschend.

Ausgeträumt?

Drei Monate später erhielt ich ein bürokratisches Schreiben der Regierungsschuldirektorin Sabine Conrad: „Ob die von Ihnen vorgestellte Methode des gezielten Buchstaben-Tipptrainings die richtige ist, um Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten zu unterstützen, kann ohne wissenschaftliche Begleitung bzw. Evaluation der Maßnahme im Hinblick auf ihre Wirksamkeit nicht beantwortet werden.“ (Auszug)

Wenn Sie die Sachlage ganz nüchtern betrachten, werden Sie schnell feststellen: Mir geht es nicht darum, mich durch meine Methode zu bereichern. Tatsächlich könnte es gar soweit kommen, dass ich mir meine Existenzgrundlage nehme, sollten in ein paar Jahren alle genauso vorgehen wie ich. Nein, ich hätte mir gewünscht, die Politik wäre im Interesse unserer Kinder offen gewesen, sich mit mir zusammenzusetzen und zu schauen, in welchem Maße und wie die Kennedy-Methode Einzug in den Schulalltag finden könnte.

Das falsche Augenmerk

Denn Tatsache ist: Die Belehrungen über die Ursachen von LRS, die Frau Dr. Eisenmann und Frau Conrad in ihrem Schreiben vorschieben, um sich nicht eingehender mit der Methode befassen zu müssen, mögen zwar interessant sein. Hilfreich jedoch sind sie nicht. Sie führen lediglich dazu, dass sich auch in den nächsten 100 Jahren nichts an unserem Schulsystem ändern wird.

Dass ein Ministerium, das maßgeblich für die Zukunft unserer Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich ist, ein derartiges Desinteresse zeigt für eine erfolgreiche, praxiserprobte Methodik, die auf einer wissenschaftlichen Hypothese basiert und seit Jahrzehnten messbare Erfolge liefert … In meinen Augen ein klares Versagen und Missachten des Regierungsauftrags. Auch ein Volker Kauder, mit dem ich mich im vergangenen Jahr unterhielt – damals noch in seinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion –, hält sich beim Thema Schulpolitik nicht nur bedeckt, sondern nimmt eine ignorante Haltung ein: Bei der Schulpolitik mische er sich gar nicht ein – da könne man niemandem etwas recht machen“.

Es wird Zeit!

Wir bewegen uns zielstrebig auf eine Wissensgesellschaft zu – doch wie sollen zukünftige Generationen diese verstehen und meistern, wenn sie nicht richtig lesen, schreiben und rechnen können?

Um in den Worten des Zeitgenossen meines Namensvetters zu sprechen: Ich habe einen Traum – dass die Politik die Augen und Ohren öffnet für neue Methoden. Damit in Zukunft nicht jedes fünftes Kind den Schulwechsel mit einer Lernschwäche antreten muss. Und dass wir – Politik, Gesellschaft und Wirtschaft – diese Mauer der Ignoranz gemeinsam einreißen und die nächsten 100 Jahre dafür nutzen, um unsere Gesellschaft und Wirtschaft zu sichern.

 

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