Brötchen kann man nicht downloaden

von Joachim Winterscheidt12.11.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich auf dem Rücksitz eines Autos. Den Fahrer habe ich gebeten, die ganze Fahrt über das Radio laufen zu lassen. Privat höre ich nämlich eher selten bis gar nicht Radio. Deshalb weiß ich nämlich überhaupt nicht, wie es um die Radio-Stars heutzutage so bestellt ist. Eins weiß ich jedoch sicher, Radio in Deutschland ist eine Katastrophe. Aber ich schweife ab. Schließlich geht es darum, dass unser Alltags-Tool Internet die Plattenindustrie in den Ruin getrieben haben soll. Zumindest soll das folgende These besagen: Internet killed the radio star.

Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich auf dem Rücksitz eines Autos. Den Fahrer habe ich gebeten, die ganze Fahrt über das Radio laufen zu lassen. Privat höre ich nämlich eher selten bis gar nicht Radio. Deshalb weiß ich nämlich überhaupt nicht, wie es um die Radio-Stars heutzutage so bestellt ist. Eins weiß ich jedoch sicher, Radio in Deutschland ist eine Katastrophe. Aber ich schweife ab. Schließlich geht es darum, dass unser Alltags-Tool Internet die Plattenindustrie in den Ruin getrieben haben soll. Zumindest soll das folgende These besagen: Internet killed the radio star. Eine These, die viele so aufstellen oder unterschreiben würden. Doch was leicht gesagt, ist schwer zu belegen. Es macht keinen Sinn, jetzt hier Zahlen gegeneinander aufzustellen. Nur um zu beweisen, dass sich seit der Einführung des digitalen Zeitalters einiges geändert hat. Wenn man so vorgeht, wäre man nicht besser als die Menschen, die solche Statistiken erstellen. Denn: Natürlich gehen die Verkaufszahlen von Alben zurück. Natürlich verkaufen Künstler weitaus weniger Platten als noch vor zehn Jahren. Natürlich machen Plattenfirmen dadurch bedingt auch weniger Umsatz und Gewinn als noch vor zehn Jahren. Dass das alles so ist, kann man aber nicht alleine am Internet festmachen. Vielmehr an den Menschen, die aufgrund des Internets angefangen haben, Musik als selbstverständliches Gut hinzunehmen, das umsonst und für jeden downloadbar ist.

Brötchen kann man nicht downloaden

Was viele vergessen: Es geht gar nicht darum, dass man mit dem Obolus, den man für dieses oder jenes Musikstück zahlt, den Lebensstil des Künstlers finanziert. Vielmehr hat der Künstler zwei oder noch mehr Jahre an etwas gearbeitet, für das er Geld verdient hat. Für das seine Techniker, Produzenten, Fahrer, Manager und was weiß ich noch wer alles Geld verdient haben, denn sie haben genauso gearbeitet. Ein guter Vergleich wäre der kleine Bäcker von nebenan. Wenn der seine Brötchen auf einmal weltweit verkaufen würde, er würde auch Millionen verdienen und das wäre auch berechtigt. Der Unterschied ist nur, die Brötchen kann man nicht downloaden, und somit wäre sein täglich Brot gesichert. Warum also bringt man den Musiker oder Künstler um sein verdientes Geld? Viele vergessen aber tatsächlich, dass Musik illegal downzuloaden nichts anderes ist, als einer alten Dame die Handtasche zu entwenden. Kurz gesagt, es ist Diebstahl.

Bin ich bereit, zu zahlen?

Ein einzelner Song ist bei iTunes für 99 Cent zu haben, ganze Alben auch gerne mal für 4,99 Euro. Warum sollte man bei solchen Preisen noch illegal downloaden? Es geht es ja nicht mal um den wirtschaftlichen Verlust großer Labels. Hierbei geht es um die generelle Einstellung zum Leben. Bin ich bereit, für eine gewisse Leistung einen gewissen Preis zu zahlen? Der Preis ist so niedrig, dass es sich jeder leisten könnte, Musik legal zu beziehen. Die Anonymität des Internets macht Gelegenheit und die bekanntlich Diebe. Es fängt damit an, dass man sich einen Song herunterlädt, dann brennt man diesen Song einem Freund, der wiederum verleiht die CD an einen Bekannten, und innerhalb weniger Schritte ist ein Schneeball System entstanden. Ist doch super sagt der eine, ist doch asozial sagt der andere. Letzteres ist richtig. Es scheint fast als wenn das Internet unser Gewissen für soziale Gerechtigkeit gefressen hat, zumindest in Bezug auf Musik. Die These “Internet killed the Radio Star“ ist somit falsch, sie müsste heißen: “We are killing the radio stars“.

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