Apocalypse now?

von Joachim Schroedel9.03.2016Innenpolitik

Der Geistliche Joachim Schroedel geht der Frage nach einer möglichen deutschen Apokalypse nach. Denn sowohl AfD, Pegida und Co., als auch die “Kulturoptimisten” seien beide “grottenfalsch”. Missionierung statt Abgrenzung muss das neue Moto in der Flüchtlingskrise sein.

Es liegt zumindest ein Hauch von Apokalypse in der deutschen Luft; facebook-Freundschaften zerbrechen, Grüne outen sich als Christen, CDU – Wähler streichen das „C“ aus ihrer ehemaligen Wahlüberzeugung und erklären die Bundeskanzlerin zur „Totengräberin Europas“, die beiden „großen“ Parteien verschmelzen zu einer politisch undefinierbaren Masse, Kirchen bringen sich in die Politik ein und wirken fast die (ehemalig) Grünen, mit all ihrer Ausländerfreundlichkeit und manchmal auch naivem „Mit-Dialog-geht-Alles“ – Denken meinen, punkten zu können. Vermeintliche Freunde werden zu Feinden (wenigstens in dem EINEN Punkt: die Flüchtlinge dürfen nicht kommen!), Feinde (gegen Rechts oder gegen Links) werden zu Freunden und helfen einander, die es Frau Merkel und Herr Kretschmer tun.

Aus meinem Blick als Ausländer in einem nordafrikanischen (!) Land ist das, was man aus der „Heimatfront“ erfährt (man verzeihe mir dieses schrecklich belastete Wort, aber passender könnte man es wohl die derzeitige Situation nicht beschreiben), ein völlig surreales Bild einer Gesellschaft in totaler Auflösungspanik!

„Deutschland wird nie mehr so werden, wie es einmal war“.
Zwei konträr denkende Menschen könnten genau diesen Satz formulieren.

AfD und Pegida sind nur ängstlich

Die Ängstlichen (denn um nur solche handelt es sich bei Pegida, AfD, Republikanern, NPDlern und Co.) schreien es heraus: Die Werte unseres „christlichen Abendlandes“ werden angegriffen, unsere Kultur wird zerstört, wir wollen so bleiben, wie wir sind, und uns nicht stören lassen von ungebildetem, barbarischem (und dazu noch muslimischem) Gesindel.

Deutschland wird nie mehr so werden, wie es einmal war“ – Das rufen auch die Freunde allen bunten Kulturoptimismus, diejenigen, die sagen, jedes Fremde ist eine Bereicherung, alle, die gerne auch einmal die syrische oder afghanische Küche probieren wollen und dabei sagen: Ist doch egal, was man glaubt; Hauptsache, man glaubt überhaupt etwas.

Und dabei ist Beides so – wie die Schwaben es sagen würden – „grottenfalsch“!

Missionierung statt Abgrenzung

Die Ängstlichen, die am liebsten die Grenzen hermetisch abriegeln und mit Schießanlagen versehen wollen, können bei Nachfrage nicht im Geringsten definieren, was denn nun das „Christliche Abendland“ sei. In Ostdeutschland liegt die Zahl der Christen bei einer schwarzen Null. Und die wenigen Katholiken, etwa im katholischen Eichsfeld, mit ihrem neuen wackeren Bischof, der aus dem Bistum Mainz stammt, müssen sich eher bedeckt halten – um nicht gelyncht zu werden. Aber natürlich ist es nicht nur „der Osten“, der von jedem Wissen über Kultur bereinigt zu sein scheint. Wo bleibt im Westen eine Initiative, um den „Flüchtlingen“ unser Christentum auch in Worten zu erklären? Hätte die Deutsche Bischofskonferenz nicht einmal den Rat geben können, alle Katholiken sollen sich jeweils eines „Flüchtlings“ annehmen, um ihm von Christus und dem Glauben zu erzählen? Wäre eine Aktion: „Jedem Gast eine arabische Bibel“ nicht eine gute und wegweisende Aktion gewesen. Statt dessen hören wir selbst von Bischöfen, man wolle ja nicht missionieren, sondern auf Augenhöge „Dialog“ führen – welche Ignoranz!

Es kommen Menschen die unsere Sitten missachten

Und schon sind wir bei den „Kulturoptimisten“. Jedes Fremde ist einfach erst einmal „toll“! Da gibt es doch was zu entdecken, da werden wir Freunde und endlich wird unser Muff einer ewig – gestrigen Kultur weggeblasen durch die herrliche, so offene, bunte und was weiß ich noch Kultur des (immer noch für Europäer eher „sagenumwobenen“) Orients.

Doch es kommen zu uns nach Deutschland Menschen, die unsere „modernen“ Sitten einfach total missachten. Die unsere „Werte“ (wenn sie offen gehalten werden, scheinen wohl auch Ehebruch und Promiskuität dazu zu gehören) verabscheuen. „Ihr Westler“, so sagte mir vor wenigen Tagen ein muslimischer Freund, „habt gar keine Kultur und Religion mehr, keine Sitte, keinen Anstand! Was Euch fehlt, und was, im Namen Allahs richtig ist, das bringen wir Euch jetzt!“.

Seit fast 21 Jahren bin ich Ausländer. Ich werde fast täglich gefragt, warum ich denn eigentlich Christ wäre. Ich würde doch die wahre Religion kennen. Doch eben diese meine „Gastgeber“ lassen mich atmen. Es gab und wird auch weiter geben: Angriffe auf die Minderheit der Christen hier im Lande Ägypten. Aber um des Lebens Willen kann es nicht anders sein, daß wir einander – ohne Angst! – begegnen.

Deutschland ist mit derzeit ein Land voller Fremdenangst! Das scheint mit besser, als das in aktivischer Bedeutung benutzte Wort „Fremdenhass“. Angst vor Neuem und Freunden ist immer der schlechteste Ratgeber gewesen. Auch heute sage ich noch meinen muslimischen Freunden: Hilf mir, Dich zu verstehen! Und ich sage: Mein Glaube besiegt alle Angst denn selbst der Tod hat für mich jeden Schrecken verloren! Mein Glaube ist: Ein Mensch, Jesus, ist von den Toten auferstanden! Und er hat die Liebe des Einen Gottes zu allen Menschen gebracht, eine Liebe, die in den Tod geht, um zu retten…

Und manchmal wird mein muslimischer Freund nachdenklich. Aber auch ich werde nachdenklich, dank einer oft bereichernden Begegnung mit einem oder einer, die an eben diesen Einen Gott glauben.

Deutschland, bitte öffne Deine Türen: Nicht dem tumben Fremdenhass, nicht dem naiven „Alles-wird-gut“ – Getue! Öffne Deine Türen, für Herz und Verstand! Die Apokalypse hat noch Zeit….

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