Wahn und Wirklichkeit

von Joachim Nikolaus Steinhöfel27.11.2016Außenpolitik, Medien

„Spiegel Online“ in der Ära Trump: Ein aktuelles Beispiel zeigt auf unglaubliche Art und Weise, was das große Hamburger Nachrichtenmagazin zum Thema Trump für eine Berichterstattung macht. Falsche Fakten nimmt man dabei offenkundig gerne in Kauf.

An der Berichterstattung über die Nominierung von Jeff Sessions zum US-Justizminister kann man beispielhaft ablesen, in welchem Umfang die Meldungen über die politischen Entwicklungen in den USA nach dem Wahlsieg von Donald Trump mit der Wirklichkeit übereinstimmen. Neben diversen sehr konservativen Positionen, insbesondere bei der Einwanderung, hat Sessions auf der anderen Seite mit Demokraten kooperiert, um eine Reform der Strafjustiz in den USA zu erreichen. Er unterstützte Obamas Nominierung von Eric Holder zum Justizminister. Das war eine völlige Fehleinschätzung von Sessions: Holder wurde später als erstem Regierungsmitglied in der Geschichte der USA Mißachtung des Kongresses bescheinigt.

Die Linke hat flugs damit begonnen, Sessions als Rassisten zu brandmarken. So, wie sie dies mit jedem Republikaner aus den Südstaaaten tun. Dazu wird gerne auch die Kampagne von Ted Kennedy und Joe Biden aus der Schublade gezogen, die Sessions Nominierung durch Ronald Reagan zum Bundesrichter in 1986 scheitern liessen. Unterstellungen und Hörensagen genügten damals.

Tatsächlich führte Sessions als Staatsanwalt des Bundesstaates Alabama zahlreiche Prozesse, um die Rassentrennung in den Schulen zu beenden. Als das Ku-Klux-Klan-Mitglied Henry Francis Hays, Sohn des Alabama Klan-Chefs Bennie Hays, in 1981 wahllos einen schwarzen Teenager entführte und umbrachte, klagte Sessions ihn wegen Mordes an und beantragte die Todesstrafe. Hays wurde hingerichtet. Dem erfolgreichen Strafverfahren folgte ein Schadensersatzprozeß, der mit einer Verurteilung des Klans zur Zahlung von sieben Millionen US-Dollar endete und das Ende des KKK in Alabama bedeutete.

Und jetzt lesen sie, was „Spiegel Online“ über Sessions zu sagen hat: „Er war mit Abstand der erste Senator, der dem Außenseiterkandidaten Trump seine Unterstützung zusicherte. Der 69-Jährige, der seit 1996 den US-Staat Alabama im Senat vertritt, gilt als einer der konservativsten Senatoren. Er fiel immer wieder durch seine harte Linie beim Thema illegale Einwanderer auf. Rassismusvorwürfe begleiten seine Karriere und sorgten dafür, dass der Senat in den Achtzigerjahren seine Ernennung zum Bundesrichter blockierte. Über den Ku-Klux-Klan soll er gesagt haben: Ich fand sie ganz okay, bis ich erfuhr, dass sie Marihuana rauchen.“

Und über „Spiegel Online“ soll einmal jemand gesagt haben, dass man erst weiß, ob das Marihuana zu stark war, das sie dort geraucht haben, wenn man den Artikel zu lesen bekommen hat.

_Den Ursprungstext können sie hier

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