Ausländer als Segen

Joachim Brockpähler1.11.2015Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Die Menschen in Deutschland, darunter auch die Pegida-Anhänger, sollten die Chance erhalten, sich in Asylbewerberunterkünften pädagogisch zu engagieren, wenn sie substantielle Kenntnisse zur abendländischen Kultur zu vermitteln haben. Die Flüchtlinge, die um ihre Zukunft kämpfen und integriert werden wollen, wären dafür dankbar.

Mit der Behauptung der Pessimisten, die Asylbewerber würden uns überfordern, wird grundsätzlich die Leistungsfähigkeit unseres Gemeinwesens unterschätzt. Die Verwaltungen haben derzeit zwar große Not, den Zustrom der Asylbewerber administrativ mit der rechtlich gebotenen Sorgfalt und Schnelligkeit zu bewerkstelligen. Aber die Lösung dieser Probleme ist mit Hochdruck in Arbeit. Wir sollten uns vergegenwärtigen, was bereits alles geleistet wurde. Allerorten wird für die Unterbringung von Asylbewerberngeplant und gebaut. Und vielerorts wurde bereits enorm viel an Integrationsarbeit geleistet. Die Völkerwanderung trifft Deutschland in einer Hochphase der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir haben kein Recht und keine Legitimation, Menschen den Zutritt zu verwehren, die in Not sind.

Diejenigen, die unsere abendländische Kultur verteidigen, sollten an vorderster Front der Integrationspolitik stehen. Verweigerung und Protest dagegen wäre nichts als ein kleingeistiges Armutszeugnis. Letztlich könnte sich der Zustrom der Asylbewerber als großer Segen für unser Land herausstellen, wenn, diejenigen, die mit Fug und Recht aufgrund der Tyrannei in ihren Herkunftsländern einen dauerhaften Aufenthaltsstatus erlangen, in unserem Arbeitsmarkt sinnvoll vorhandene Nischen füllen. Da gibt es zum einen qualifizierte Fachkräfte, die von unserer Wirtschaft sehnsüchtig erwartet werden, zum anderen hochmotivierte junge Menschen, die zu qualifizierten Fachkräften gemacht werden können.

Wenn wir nur an den Pflegenotstand in Deutschland denken, soll uns bewusst werden, dass viele derer, die als Asylbewerber derzeit großen Legitimationsproblemen in Deutschland begegnen, schon bald zum Segen der eigenen Eltern im Pflegeheim werden könnten. Wer von den Asylbewerbern hingegen nur nach jener sozialen Hängematte strebt, in der sich viel zu viele unserer Landsleute bereits ausruhen, soll die Macht des Gesetzes erfahren und nicht zum Schmarotzer werden dürfen. Was dies im Einzelfall bedeutet, wollen die Politiker zeitnah klären. Darauf gilt es in der derzeitigen Gefechtslage zu vertrauen. Es ist gut, wenn sie sich dazu auch mit den Wirtschaftsverbänden zusammentun.

Flüchtlingslager als Werteschmieden entwickeln

Zu der Losung jener Kritiker, die ohne ein Bewusstsein für die Fluchtursachen der Asylbewerber sagen: „Die sollen uns verschonen und ihre Verhältnisse in ihrer Heimat klären.“ – Derlei Kritiker würden im Zweifel selbst ihr Leben riskieren, um Kriegswirren oder einer Diktatur wie Eritrea zu entfliehen. Natürlich wäre es erstrebenswert, dass diejenigen, die ihre Heimat verlassen, die Verhältnisse in ihren Heimatländern zum Besseren verändern könnten. Aber unter Bedingungen von Krieg und Tyrannei in vielen Ländern wollen die Menschen dort einfach nur weg. Demgegenüber brauchen wir jedoch eine Hinwendung der EU-Außenminister und Entwicklungshilfeminister zu den Herkunftsregionen der Flüchtlinge. Ausgewählte Länder in der südlichen Hemisphäre sollten als politische und wirtschaftliche Leuchttürme ertüchtigt werden, so dass sie eine Strahlkraft zur Nachahmung entfalten. Dann dürfen wir hoffen, dass die Erfahrungen all jener, die unser Land jetzt notgedrungen kennen und lieben lernen, eines Tages zum Export ihrer Erfahrungen in ihre Heimatländer führt.

Die Aktivitäten der EU zur Unterstützung von Flüchtlingslagern an den EU-Außengrenzen sollen daneben helfen, den Asylantenstrom zu begrenzen. Wenn die Menschen in diesen Lagern nicht nur verwahrt werden, sondern auch entwicklungspolitische Kompetenzen vermittelt bekommen, wäre das eine pädagogisch wertvolle Leistung zur Entlastung Mitteleuropas. Genauso wäre es pädagogisch von großem Wert, wenn auch in europäischen Asylbewerberunterkünften pädagogische Konzepte greifen, die den Menschen sinnvolle Kenntnisse über unsere abendländische Kultur vermitteln und zugleich einen spannenden multikulturellen Austausch bewirken. Auch Anhänger der Pegida-Bewegung sollten sich hier beweisen, wenn sie wirklich substantielle Vertreter unserer abendländischen, auf Toleranz basierenden Kultur sind.

Armes Deutschland ohne Ausländer

Stellen wir uns nur vor, wie Deutschland ohne Ausländer aussähe? Es gäbe keine ausländi-sche Gastronomie, keine ausländischen Sportler in unseren Vereinen, keine Wissenschaftler, die uns bereichern, keine Multi-Kulti-Szene-Viertel in unseren Städten, viele Firmen würden jammern – es ist nicht vorstellbar. Auch wenn beklagt werden darf, dass zum Beispiel die Türken mancherorts nicht integrationswillig genug sind, so haben wir in New York keine Probleme damit, die Stadtviertel Jewish Quarter, China Town oder Little Italy als interessant unbreichernd zu empfinden.

Die bisher in Deutschland lebenden Ausländer sind in der Masse aus arbeitsmarktpolitischen Gründen bewusst ins Land geholt worden und haben sich im Großen und Ganzen in unser Gemeinwesen eingefügt. Dass es Nischen gibt, die keinen Integrationswillen erkennen lassen, kann unser Gemeinwesen verkraften. Unter dem Strich sind die Ausländer in Deutschland in der großen Masse ein Segen für unser Land. So besehen haben wir auch bereits einige Erfahrungen, um nun auch diejenigen zu integrieren, die als Asylbewerber bei uns anerkannt werden. Die Wirtschaft atmet bereits auf, da ihre großen Sorgen im Hinblick auf den demografischen Wandel plötzlich ihre Brisanz verlieren. Die Asylbewerber werden bereits von vielen als Segen begriffen, auch wenn es neue Herausforderungen gibt, wenn Asylbewerber zunächst die deutsche Sprache zu erlernen haben. Dies ist jedoch ein lösbares Problem. Dabei sollten auch deutschkundige Ausländer als Deutschlehrer gewonnen werden, die die Sprachen der Asylbewerber beherrschen.

Patriotismus und Multikulturalität versöhnen

Die politisch Verantwortlichen haben die Aufgabe, nachzuweisen, dass gesunder Patriotismus und eine multikulturelle Gesellschaft unter den Bedingungen der Europäischen Union keine Widersprüche sind. Der uralte Spruch „Jeder ist Ausländer, fast überall!“ gewinnt eine neue Dimension. Deutschland ist seit langem nicht mehr nur das Land der Deutschen, weil es insbesondere im Zuge der Europäischen Union Zuzüge aus anderen Staaten erfahren hat. Gleichwohl sollen die Deutschen auch weiterhin ihrem Patriotismus frönen dürfen, der nichts anderes als ihre Kultur und ihre Traditionen widerspiegelt.

Wenn wir unseren legitimen Patriotismus und den Respekt gegenüber Ausländern auch unter den Umständen der erlebbaren Völkerwanderung mit Kopf und Herz leben, so haben wir uns die Errungenschaften unserer Werteordnung und unseres Wohlstandes redlich verdient. Kleingeistiger Egoismus, Abschottung und Nationalismus sollen in der EU als einer hoffentlich aufgeklärten Gesellschaft keine Chance haben.

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