Dilemmata der Privaten, Dilemmata der Öffentlichen

von Jo Groebel14.01.2010Medien

Spätestens seit dem Aufkommen der Privaten bewegen sich die Öffentlich-Rechtlichen zwischen Quote und Qualität. Der Fall N24 macht das Dilemma deutlich. Der Sender bringt keinen Gewinn. Die Zukunft des Systems ist gefährdet.

Ein Sender erinnert ans Beste des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Qualitätsvolle Information, Tiefenanalyse, ein breites Themenspektrum, politische Aktualität. Das Problem nur: Dieser Sender ist ein privater. Egal ob der Amoklauf von Winnenden oder der Tsunami von 2004. Die “echten” Öffentlich-Rechtlichen hatten noch nach Stunden nicht einmal ein Laufband, geschweige denn Schalten zustande gebracht. Soapiges war wichtiger. N24 dagegen sendete hier wie in vielen anderen Fällen bereits auf höchstem journalistischen Niveau. Darin dem direkten, ebenfalls hervorragenden Konkurrenten n-tv mit stärkerer Wirtschaftsbetonung gleich. Jetzt aber zittert N24 um sein Fortbestehen in der bisherigen Form.

Spannungsfeld zwischen Quote und Qualität

Vielleicht naht ja Rettung in Form eines Management-Buy-outs unter Beteiligung von Stefan Aust. Der Fall N24 macht aber in jedem Fall mindestens zwei Dilemmata deutlich, denen die üppig gebührenbezahlten Sender auf der einen Seite, die kommerziellen auf der anderen ausgesetzt sind. Zunächst die Öffentlich-Rechtlichen. Spätestens seit dem Aufkommen der Privaten bewegen sie sich im Spannungsfeld zwischen Quote und Qualität. Nicht zwangsläufig ein Widerspruch. In der Praxis ist die Quantitätsjagd aber schon nach Augenschein nicht automatisch befleckt von irgendeinem Anspruch. Die meistgesendete Schauspielerin Christine Neubauer, nett, sympathisch. Aber 10.000(!) Minuten Schmonzetten pro Jahr bei den Öffentlich-Rechtlichen allein für sie? Oder die stundenlangen, handwerklich gut gemachten Tagestelenovelas. Öffentlicher Auftrag? Oder privat besser aufgehoben? Hier naht das Dilemma. Senden ARD und ZDF, wie von vielen gefordert, nur noch das, was die Privaten nicht tun, Kulturprogramme, Insiderfilme, Minderheitenprogramme, wird von den machtbereiten politischen Granden schon bald die Existenzfrage ob Finanzierung weniger durch viele gestellt. Gehen sie aber voll auf den Mainstream, sind sie, von Brüssel argwöhnisch beäugt, schon bald subventionierte Konkurrenz zu den Privaten. Und könnten potenziell auch national politisch infrage gestellt werden. Nur scheint, Kochs Quotenargument gegen Brender zeigt es, Populistisches derzeit kein Gegenargument zu sein.

Katastrophale Quoten

Also dominiert das Quotenstreben fröhlich den öffentlich-rechtlichen Alltag. Fein, wenn man mit Qualität auch Massen erreicht, Tatort, ZDF-Montagsfilm sind neben vielem Belege dafür. Schlecht, wenn Unmengen von Gebühren zugunsten auch privat gut aufgehobener Sendungen aus Sport, Show, Soap fließen. Zulasten wichtiger Topproduktionen, attraktiver Sendeplätze, der Förderung und Platzierung junger Toptalente. Zumal gerade hier, bei der jüngeren Generation, die Quoten, siehe 2009, mit weit unter 10 Prozent wirklich katastrophal sind. Mit und ohne Qualität. Hier ist die Zukunft des Systems wirklich gefährdet. Daneben dann das Dilemma der Privaten. Auch sie müssen ja einige Vorgaben erfüllen, als Vollprogramme ein gewisses Spektrum von Inhalten abdecken. Eben auch Nachrichten. Die eigentliche Gewinnlogik wäre die Ausstrahlung eines quotenträchtigen Testbildes. Die perfekte Ratio zwischen Minimalkosten und Maximalgewinn. Das will keiner, und es geht auch medienrechtlich nicht. Und doch macht der Fall N24 das private Dilemma deutlich. Der Sender bringt keinen Gewinn, gehört aber zum auch politisch gewollten Informationsportfolio der Privatsendergruppe. Oder zugespitzt: Auch hier könnte unter einem gänzlich anderen Dilemma als bei den Gebührenbezahlten Qualität geopfert werden. Wenn nicht, hier sei’s ihnen mal gedankt, die Landesmedienanstalten mit dem Knüppel im Sack drohten. Und auch die Politik sich massiv für den Erhalt der N24-Struktur ausgesprochen hätte. Alles ist allerdings auch im Mediengeschäft ein Deal. Und so wäre Werbefreiheit von ARD und ZDF ein Kompensationsgeschenk, die finanziell so schwierige Lage der Privaten ein wenig zu lindern. Und ihnen Qualität nicht zum Sargnagel werden zu lassen.

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