Sympathie fällt schwer

von Jens Peters12.08.2013Gesellschaft & Kultur

Klar, der FC Bayern München ist enorm erfolgreich. Seine Stars tun der Liga gut. Aber muss man ihn deswegen gut finden?

Der FC Bayern München. Der Triple-Sieger. Das Aushängeschild des deutschen Fußballs. Millionenschwer und erfolgreich. Geprägt von polarisierenden Persönlichkeiten, wie Uli Hoeneß oder Matthias Sammer. Für dessen Festgeldkonto nicht einmal Dagobert Ducks Geldspeicher reichen würde. Der Rekordmeister, der es geschafft hat, den legendären Pep Guardiola, den heiligen und weltbesten Trainer nach München zu locken. Der nun eine Art Weltauswahl mit Thiago, Schweinsteiger, Robben, Ribéry und Lahm coachen darf. Kann man so einen Verein gut finden? Kann man diesen Verein sympathisch finden? Ja – man kann. Aber man kann es auch sein lassen. Wie so oft im Leben, kommt es auf die Perspektive an.

Der Verein kommt zum Fan

Der Durchschnittsfußballfan hat seinen Lieblingsverein gewählt, oder frei nach Nick Hornby – der Lieblingsverein hat ihn gewählt – als ob man eine Wahl hätte, wenn es um den Fußball geht? Wie viele Fans hätten sich eine solche Wahl gewünscht, um so tausendfaches Leid zu verhindern. Fragen Sie mal Schalke- oder Leverkusen-Fans. Doch es ist, wie es ist. Der Verein kommt zum Fan. Darüber hinaus kann der Fan Sympathien für einen zweiten Verein entwickeln. Dies darf natürlich nicht der Erzfeind des Lieblingsklubs sein, aber nach Kriterien, wie zum Beispiel der Schönheit des Spiels, was für interessante Akteure dort zaubern und vielleicht dem Underdogfaktor, entwickelt man Sympathien für den einen oder anderen Klub.

So konnten sich jahrelang Fans der Bundesliga immer mit Werder Bremen anfreunden, wenn sie nicht gerade aus der nebenan gelegenen Hansestadt Hamburg kamen. Die Bremer spielten schönen, offensiven Fußball, der Trainer war ein Brummbär, aber sympathisch, es gab haufenweise fabulöse Spieler, die Werder hervorbrachte – wer erinnert sich nicht gerne an den Kugelblitz Ailton, Johan Micoud, Mesut Özil oder Diego zu seiner besten Zeit – und zu guter Letzt bot Werder lange Zeit den scheinbar übermächtigen Bayern aus München die Stirn.

Wo wir auch schon beim Problem des FC Bayern München wären. Natürlich haben auch die Bayern Zeiten gehabt, die von ansehnlichem Fußball geprägt waren. Natürlich gab es unvergessliche Spieler bei den Bayern. Aber die Bayern werden immer die Bayern sein. Das gelebte „Mia san mia”, unantastbar und oft unnahbar. Wann waren die Bayern schon mal Underdog? Selbst nach einer verlorenen Meisterschaft wird in München eher gegrantelt, als dass man emotional beim Rekordmeister würde. Wir sind halt wir. Kaufen wir uns eine neue Mannschaft und holen den besten Trainer der Welt. Der Erfolg kommt dann schon. Man hat nie das Gefühl, dass die Bayern gegen Widerstände kämpfen müssen.

Sie sind kein SC Freiburg, dessen Mannschaft nach jeder Saison leer gekauft wird und der es trotz kleinem Etat schafft, die Liga mit erfrischendem Fußball zu halten. Sie sind keine Augsburger, die in der letzten Saison schon so gut wie abgestiegen waren und bis zum letzten Spieltag kämpften, um das Unmögliche doch noch wahr zu machen, und sie sind auch keine Dortmunder, die gegen die schier unglaubliche Dominanz der Bayern einen Kontrapunkt mit zwei gewonnenen Meisterschaften setzten – was sie allerdings inzwischen auch nicht mehr zum sympathischsten Verein der Liga macht.

Sympathie? Das fällt schwer

Man kann nur den Hut vor den Bayern ziehen. Sie stehen berechtigterweise dort, wo sie jetzt stehen. An der Spitze des Weltfußballs. Sie waren immer eine Konstante in der Bundesliga. Sie haben klug gewirtschaftet und vieles richtig gemacht. Das Interesse an der Liga – auch im Ausland – ist groß wie nie zuvor. Wäre früher nie ein Italiener oder ein Spanier auf die Idee gekommen, sich im kalten Deutschland anstellen zu lassen, so muss man dem FC Bayern danken, dass dank seiner Strahlkraft die Liga an Wert gewinnt und auch die großen Stars anlockt. Davon profitieren die anderen Vereine, davon profitiert die Liga. Das muss man anerkennen.

Aber Sympathie für einen scheinbar übermächtigen Verein wie den FC Bayern München zu entwickeln, fällt mir als Nicht-Bayernfan schwer. Ich mag Vereine, bei denen keine Meisterschaft nicht gleich ein Misserfolg ist und bei denen zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt alles dabei ist. Ich mag Vereine, die voller Überraschungen stecken und die die ganze Bandbreite der Emotionen ansprechen. Mein Gefühl sagt mir, dass das bei den Bayern nicht möglich ist. Aber ich bin ja auch Fan eines anderen Vereins.

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