Die Erbsenzähler vom Dienst

von Jennifer Nathalie Pyka7.02.2013Gesellschaft & Kultur, Wissenschaft

Der Plagiatsjäger als solcher gilt als edles Wesen. Könnte es aber nicht auch sein, dass er sich weniger im Dienste der Wissenschaft, sondern eher seiner eigenen Satisfaktion verpflichtet fühlt?

Was ist das doch aufregend! Die Sexismus-Debatte ist noch gar nicht richtig kalt, da steht schon wieder ein neues „Gate“ ins Haus. Annette Schavan löst Rainer Brüderle ab, das Plagiat ersetzt das Dirndl, nur die Empörung, die bleibt gleich. In diesem Fall sogar einigermaßen zu Recht. Denn natürlich gehört es sich nicht, fremde Ideen als die eigenen zu verkaufen und damit die Lorbeeren einzufahren. Nicht im Journalismus, nicht in der Kunst oder in der Literatur, und auch nicht in der akademischen Welt. Wobei es bei abgekupferten Doktorarbeiten noch ein bisschen anders ist. Sollte ein promovierter Politiker wirklich abgeschrieben haben, steht gleich die Wissenschaft, der Bildungsstandort Deutschland, das große Ganze auf dem Spiel. Heißt es.

Guttenberger versus Robin Hood

Die Wissenschaft ist es übrigens auch, der sich die kleinen und großen Plagiatsjäger zutiefst verbunden fühlen. Zumindest behaupten sie das sinngemäß. Etwa, wenn es auf VroniPlag-Wiki heißt: „Viele Wiki-Beitragende wenden sich mit der Plagiatsdokumentation gegen akademisches und wissenschaftliches Fehlverhalten. (…) Einige Wiki-Beitragende leiten aus der Öffentlichkeit der Dokumentation eine Präventionswirkung ab, welche hilft, Plagiatsfälle in der Zukunft zu vermeiden.“

Überprüfen lässt sich all das hingegen nicht, denn der Plagiatsjäger als solcher bevorzugt für die Durchführung seines edlen Ansinnens den Schutz der Anonymität. Zu viel stünde sonst auf dem Spiel, zu groß wäre das Risiko „persönlicher Anfeindungen“ und „eventueller Nachteile (z. B. im Beruf)“ – was geradezu bedrohlich und umso tapferer zugleich anmutet. Auf der einen Seite die mächtigen Guttenberger, auf der anderen Seite die mutigen Plagiatsjäger, die im Verborgenen operieren müssen, um das Gute in der Wissenschaft zu retten.

Wahrlich: Die Robin Hoods der Wissenschaft, die von den Großen nehmen, um den kleinen Doktoren ihre Ehre wiederzugeben, haben es wirklich nicht leicht. Zumal der Job des Plagiatsjägers ja nicht nur riskant, sondern oben drein auch noch stressig ist. Allerlei Regeln sind zu beachten, Bücher zu besorgen, Dissertationen zu scannen, Fußnoten zu sezieren, und all das nur für ein bisschen Ehre und das gute Gefühl, den Elfenbeinturm zu einem besseren Ort gemacht zu haben.

Missgunst im Gewand des edlen Rittertums

Und natürlich auch für die eigene Satisfaktion, resultierend aus der Gewissheit, es „denen da oben“ mal so richtig gezeigt zu haben. Mag sein, dass sich auch viele Titel-Inhaber zum Plagiatsjäger berufen fühlen, die nicht akzeptieren wollen, dass eine Frau Schavan durch Copy-Paste etwas erlangte, wofür sie selbst viele Jahre, Schweiß und Nerven investierten()

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