Kleines Einmaleins der Doppelmoral

von Jennifer Nathalie Pyka18.01.2013Gesellschaft & Kultur

Warum kritisiert der gemeine Europäer lieber seine westlichen Kollegen als demokratiefeindliche Despoten? Ein Erklärungsansatz.

Nicht nur die Mode, auch die Moral unterliegt dem Wandel der Zeit. Je länger Krieg und Elend zurückliegen, desto intensiver widmet sich der moderne Europäer dem Ausbau seines guten Gewissens. Wobei er natürlich, ganz dem Zeitgeist entsprechend, Prioritäten setzt: Mit Ungerechtigkeiten vor der Haustür gibt er sich gar nicht erst ab. Es muss schon das Geschehen auf der Weltbühne, und hier wiederum eine ganz bestimmte Konstellation sein, um automatisch in den Empörungsmodus zu wechseln.

Freundschaft sticht Menschenrecht

So starben allein vorige Woche in Pakistan über 100 Menschen bei Terroranschlägen, während auch in Syrien weiter gemordet, im Iran kontinuierlich gesteinigt und in Nordkorea nach wie vor gefoltert wurde. Trotzdem fühlten sich weder Jürgen Todenhöfer noch Margot Käßmann oder Günter Grass dazu berufen, das weltweite Sterben kritisch zu kommentieren. Logisch, denn schließlich waren hier keine Problem-Völker, also weder Juden noch Amerikaner, maßgeblich beteiligt. Es gibt aber noch einen weiteren Grund für das selektive Schweigen,

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