Piratige Paranoia

von Jennifer Nathalie Pyka26.05.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Während sich Parteichef Bernd Schlömer mit Henry Kissinger traf, spülte ein Strudel der Empörung insbesondere Verschwörungstheorien und professionelle Paranoia an die Oberfläche.

Bis vor Kurzem war die heile Welt der Piraten noch in Ordnung. Der eine saß bei Lanz, der andere kümmerte sich um den Holocaust, der nächste philosophierte über die „Tittenquote“, zwischendurch ein bisschen Urheberrecht, und am Ende des Tages “„enterte“ man noch ein paar Landesparlamente . Doch nun droht nichts Geringeres als die ultimative Identitätskrise. Der Anlass: Piratenpartei-Chef Bernd Schlömer hatte vorigen Donnerstag ein Date . Mit Polit-Schwergewicht Henry Kissinger. Und noch dazu im Axel-Springer-Journalistenclub, der ganz offenbar nicht nur Alt-68ern im Rentenalter als Vorhof zur Hölle gilt. Ein Vorhaben also, das freilich kein vorbildlicher Pirat mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Denn schließlich hätte sich hier ein „Nazi-Jude mit internationalem Haftbefehl“ https://twitter.com/failint/status/205407801516883968 angekündigt. Ein „Antidemokrat“, ein „Kriegsverbrecher“ und daher ein Mann, dem man nicht mal die Hand reichen dürfe, weil sonst die eigene Hand „verfaulen“ oder zur “„demokratentötenden Zombiehand“ https://twitter.com/PrinceMyshkin/status/205709448247906304 werden würde, wie aufgeregte Piraten auf Twitter warnten. Nein, mit so einem Ganoven wollen sich die Sauberpiraten, die natürlich “kein Antisemitismusproblem haben , nicht abgeben! Bernd Schlömer möge bitte absagen, tönte es aus dem Shitstorm der Empörung, der kurz darauf noch mit ein paar Drohungen gegen den Piratenchef angereichert wurde.

Bilderberger, Gehirnwäsche und Hochfinanz

Doch größer als die Angst vor drohenden Zombiehänden gestaltete sich allerdings die Sorge um mangelnde Transparenz. Würde es einen Livestream während des Treffens geben? Denn schließlich sei Kissinger ja nicht nur profilierter Massenmörder, sondern noch dazu Bilderberger – was piratiger Logik zufolge das größere Unheil darstellt. Zumindest, wenn man den alarmierten Äußerungen im Piratenforum folgt, wo es sogar noch erheiternder als auf Twitter zugeht: bq. „Kissinger ist ein Krigsverbrecher und einer der Ober Bilderberger. Die Piraten sollten sich von Mächten, die an der heutigen Misere Schuld sind, fernhalten.“ bq. „Kissinger repräsentiert das Establishment, welches wir überwinden müssen, oder dem gegenüber zumindest wir unsere Unabhängigkeit wahren müssen.“ bq. „Die Machenschaften der Bilderberger gehören öffentlich und transparent gemacht. (…) Die Hochfinanz, um Vorschläge

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