Warum die Quote Quatsch ist

von Jennifer Nathalie Pyka10.03.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Seit Kurzem lässt die Frauenquote wieder grüßen. Gerecht soll sie sein, und außerdem gut für die Wirtschaft. Im Grunde ist sie allerdings ein kollektivistisches Konstrukt, das somit nicht in eine freie Gesellschaft passt.

Es gibt Momente, da reagiere ich ein wenig allergisch auf Floskeln, die mit „Wir als“ beginnen. Wer einen Vortrag mit „Wir als Deutsche“ einleitet, steuert dabei regelmäßig in ein kleines Desaster. Genauso bizarr wird es, wenn das Sprüchlein „Wir als Frauen“ im Diskurs auftaucht. “So geschehen vorige Woche, und zwar nicht nur anlässlich des Weltfrauentags, sondern auch in Gestalt der drohenden Frauenquote.”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/10283-diskussion-um-die-frauenquote Sie könnte kommen – verbindlich, europaweit, in Führungspositionen. Und damit wird sich das, was allein verbal schon so klassenkämpferisch, militant und antiliberal daherkommt, in den Führungsetagen Europas manifestieren.

„Wir Frauen“ gibt es nicht

Um es gleich klarzustellen: Ich bin selbstverständlich gegen die Frauenquote. Und das nicht etwa, weil ich bestehende Gehaltsunterschiede und weitere Statistiken ignorieren würde, sondern weil mich das der Quote zugehörige „Wir-Gefühl“ stört. Wann immer eine post-moderne Feministin irgendwo auftaucht und dazu auffordert, dass „wir Frauen“ dies und jenes tun, lassen oder „uns“ keinesfalls gefallen lassen sollen, “klingeln bei mir alle Alarmglocken”:http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/6238-diktatur-des-feminismus. Denn woher nimmt sich diese seltsame Spezies das Recht, für alle Frauen – von Kaufbeuren bis Husum, oder gar von Peking bis nach Chicago – zu sprechen? Und wie kommt man eigentlich auf die Idee, dass alle Frauen per se eine homogene Gruppe mit gleichen Interessen bilden sollen? Zumindest würden mir spontan nicht gerade wenige Frauen einfallen, mit denen mich weder Sympathie noch Ansichten oder Ziele verbinden. Darum leuchtet es mir auch nicht ein, weshalb „wir als Frauen“ in gewissen Dingen „an einem Strang ziehen“ sollten. Denn in der Praxis funktioniert Solidarität unter Frauen ohnehin nicht – es sei denn, sie wurden vom gleichen Mann sitzen gelassen. Insofern sehe ich persönlich auch keinen Grund, mich mit Claudia Roth, Christine Neubauer oder Charlotte Roche zu solidarisieren, nur weil wir zufällig weiblich sind. Ein „Wir“ kann nur durch Gemeinsamkeiten entstehen, zum Beispiel bei „Frauen für den Frieden“, „Frauen gegen Atomkraft“ oder „Frauen für mehr Grünflächen in Buxtehude“. Das allerdings hat dann recht wenig mit den Forderungen der typischen „Wir als Frauen“-Schabracken zu tun, die zur Solidarität von Individuen aufrufen, deren einziger gemeinsamer Nenner ihr Geschlecht ist. Da aber Frauen im Großteil der westlichen Welt den Männern gleichgestellt sind, führt sich diese Logik letztlich ad absurdum. Frauen sind wie Männer vor dem Gesetz gleich, sie dürfen wählen, Auto fahren, studieren, arbeiten und heiraten, so oft und wen sie wollen. Errungenschaften also, die der Frauenbewegung von früher zu- sowie hoch anzurechnen sind. Im Gegensatz dazu ringen ihre Nachfolgerinnen heute exakt dort um Gleichheit, wo sich eigentlich Individualismus entfalten sollte.

Quote versus Individualismus

Auch die Quote folgt dem gleichen Prinzip, sie ist quasi das Pendant zum „Wir Frauen“-Credo – nur schlimmer, da man sich nicht gegen sie wehren kann, sobald sie erst mal da ist. Letztlich betrifft sie Frauen, und zwar einzig in ihrer Eigenschaft als Frauen, die künftig in der Führungsetage sitzen sollen. Die quotierte Gleichmacherei zielt auf ein mutmaßliches Kollektiv ab, das aber in sich zu heterogen ist, um ein Kollektiv zu sein. Insofern kann es auch die gruppenbezogene Diskriminierung, die gerne von Freundinnen und Freunden der Quote moniert wird, nicht geben. Was allerdings vorkommt, ist individuelle Benachteiligung. Zum Beispiel, wenn eine Frau beruflich diskriminiert wird, weil sie lesbisch oder Zeugin Jehovas ist. Das hat dann aber nichts mit ihrem Geschlecht zu tun. Daher ist es auch unsinnig, Frauen in Aufsichtsräte zu hieven, weil sie Frauen sind – zumal sicherlich die wenigsten Damen überhaupt in solche Positionen wollen. Die Quote hingegen unterstellt das Gegenteil. Sie tritt mit dem Anspruch auf, alle Frauen zu vertreten und negiert damit individuelle Interessen und Vorstellungen. Insofern ist die Quote ein völlig überflüssiges Konstrukt. Sie stört mich vor allem wegen des ihr inhärenten Kollektivismus, aber auch wegen der Kollateralschäden, die sie zudem verursacht. “Sie beschneidet die Freiheit von Unternehmen, verzerrt den Wettbewerb, diskriminiert Männer und nimmt qualifizierten Frauen die Chance, allein durch ihre Fähigkeiten zu punkten.”:http://www.theeuropean.de/kristina-schroeder/8619-flexible-frauenquote Daher nützt die Quote größtenteils der „Wir Frauen“-Front – einer Gruppierung also, von der ich mich ausdrücklich distanziere. Und das übrigens nicht den Männern oder der Wirtschaft, sondern einzig der individuellen Freiheit zuliebe.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten machen linke Berichtserstattung

Zur Studie des Reuters Institute, wonach die öffentlich-rechtlichen Sender lediglich eine Minderheit der Bevölkerung erreichen, die sich darüber hinaus links der Mitte verortet, erklärt der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland.

Die AfD ist der Aufstand der Straße gegen die Zumutung des kategorischen Imperativs

Die mangelnde Problemlösungsfähigkeit, die den regierenden Parteien in Umfragen unterstellt wird, scheint mir das eigentliche Problem. Keiner behauptet, die AfD könne die Probleme lösen oder habe die Konzepte dafür; sie ist reine Protestpartei, inhaltlich nichts sagend.

Der Klassenkampf hat gerade erst begonnen

Es ist hohe Zeit zu begreifen, dass der linke Zeitgeist brandgefährlich ist. Jene, die das, was sie für das Gute halten, wie eine Monstranz vor sich her tragen und unermüdlich die Welt verbessern wollen, lassen alle Hemmungen fallen, wenn sie feststellen müssen, dass es Andersdenkende gibt.

Die DDR kommt wieder!

Zwei Drittel der Berliner befürworten einen Mietendeckel, wenn die Mieten zu stark ansteigen. Das Bundesverfassungsgericht sagt, dass „preisrechtliche Vorschriften, die durch sozialpolitische Ziele legitimiert werden, verfassungsrechtlich nicht ausgeschlossen sind“. Die Mietpreisexplosion in Be

Die AfD verändert die politische Geographie

Am 1. September wird in Brandenburg und Sachsen gewählt. Die ermatteten Volksparteien bekommen ihre Quittung für eine Politik politischer Lethargie. Die AfD pflügt seit Wochen die politische Landschaft um, aber warum hat sie so eine Macht in Ostdeutschland?

Greta Thunberg ist eine grüne Koboldexpertin

Tag für Tag verkünden uns Marionetta & Co. mit ernster Miene, dass das Ende der Welt bevorsteht, wenn nicht endlich, endlich, endlich die Forderungen einer schwedischen Schulschwänzerin und einer grünen Koboldexpertin eins zu eins in die Tat umgesetzt werden - sprich: Wenn unser aller Leben nich

Mobile Sliding Menu