Bye bye, liebe Antifa!

Jennifer Nathalie Pyka4.02.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Die Antifa schafft sich ab. Während sie früher noch gegen rechts auf die Straße ging, sitzt sie heute mit dem Mac in der warmen Stube und profiliert sich als digitale Gesinnungspolizei.

Jetzt mal Tacheles: Die Antifa ist irgendwie auch nicht mehr das, was sie mal war. Einst verkörperte sie das gute Gewissen der „Nie wieder“-Gesellschaft, ging auf die Straße und „zeigte Gesicht gegen rechts“. Heute hingegen sitzt sie mit dem Mac auf dem Sofa und fantasiert sich liebevoll einen imaginären Feind herbei, der sich in der Regel nicht durch das Tragen von Glatzen und Springerstiefeln, sondern lediglich durch eine nicht Antifa-konforme Meinung auszeichnet. Dennoch Grund genug für den engagierten Gegen-rechts-Kämpfer, dessen digitales Tun aufs Schärfste zu überwachen und zuweilen umgehend zu sanktionieren.

Wer mit wem?

Immer häufiger kommt es beispielsweise vor, dass so mancher Antifaschist sich mit geradezu wissenschaftlicher Präzision den Kontaktlisten seiner Freunde und Feinde in sozialen Netzwerken widmet. Diese hält der Antifaschist offenbar für ein Abbild des realen Lebens, weshalb sie mühevoll ausgekundschaftet und auf etwaige Verbindungen über drei Ecken ins „rechtspopulistische Lager“ geprüft werden. Erzielt die Antifa einen Treffer, so hat das für den Betroffenen geradezu schwerwiegende Konsequenzen, denn im „Kampf gegen rechts“ ist der Antifaschist rigoros und kennt keine Kompromisse. Entweder ich, oder die anderen – so lautet die Devise, und wer etwaige schwarze Schafe nicht umgehend rauswirft, dem droht Liebesentzug und öffentliche Schmähung am digitalen Facebook-Pranger. Anschließend hat man dann ein paar Kontakte weniger – vermutlich, weil die gut vernetzte Widerstandsfront zwischenzeitlich flächendeckend Warnhinweise an paranoide Mit-Paniker verschickt hat. Die können am Ende des Tages dann in dem Wissen, couragiert „gegen rechts“ gekämpft zu haben, beruhigt schlafen. Andere hingegen gehen da noch einen Schritt weiter und stellen den imaginären Feind höchstpersönlich und wahnsinnig mutig, also von Ohr zu Ohr, am Telefon zur Rede. So zum Beispiel ein 53-jähriger Blogger aus Rügen, der mich vor ein paar Tagen anrief und mir dabei einen ausschweifenden Vortrag über meine vermeintlichen Kontakte ins vermeintlich rechtsextreme Lager hielt. Dort würde ich nämlich, seiner offenbar intensiven Recherche zufolge, regelrecht „gehypt“ werden. Das sei angeblich Fakt, denn schließlich hätte man meinen Blog mal in einem islamkritischen Forum sowie auf einem Blog, der wiederum zum niederländischen Politiker Geert Wilders verlinkt, empfohlen. Das war mir zum Teil völlig neu, da ich im Gegensatz zum Rügener Hobby-Detektiv nicht genug Zeit habe, um mich jeden Tag zehn Mal in zehn Varianten zu googlen. Genau das hätte ich aber nun zu tun, und anschließend möge ich mich doch bitte auch umgehend und öffentlich von derartigen Vorgängen distanzieren. Ansonsten müsse man mich dem rechtsextremen Lager zuordnen. Erstaunlich daran war nicht nur die Tatsache, dass die Ansprache offensichtlich wirklich ernst gemeint war, sondern ebenfalls, dass der couragierte Kämpfer tatsächlich lieber das World Wide Web nach zwei Verlinkungen durchforstet, anstatt meine Texte zu lesen. Ob der eifrige Gesinnungspolizist übrigens auch echte Probleme hat, weiß ich nicht genau.

Die Antifa geht in Rente

Nun ist Freizeitgestaltung freilich eine höchst individuelle Angelegenheit, die jedem selbst überlassen ist. Der eine häkelt Topflappen, der andere malt nach Zahlen, und der Nächste befasst sich eben lieber mit Kontaktlisten und Verlinkungen anstatt mit den dazugehörigen Meinungen und Menschen. Fast könnte man meinen, zwischen Rügen und Garmisch-Partenkirchen würde keine einzige Glatze mehr durch die Gegend stapfen, NPD wählen und Paulchen-Panther-Lieder singen. Ein Blick allein auf die national befreiten Zonen im Osten offenbart allerdings das Gegenteil. Jedoch: Wo bleibt denn da der Widerstand? Tja, der hockt, knapp 70 Jahre nach Ende des Dritten Reichs, sicher hinterm warmen Ofen und übt sich mutig wie nie in Gedankenkontrolle. Und je länger das Dritte Reich zurückliegt, desto mehr Antifaschisten gibt es, die sich lustigerweise auch immer mehr von ihrem historischen Vorbild entfernen. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum wohlverdienten Ruhestand, liebe Antifa!

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