Diekmann, der Rubikon und die Zwerge

von Jennifer Nathalie Pyka28.01.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Gegner der Bild-Zeitung blasen im Internet zum groß angelegten Zwergenaufstand. Dabei offenbaren sie zugleich ihr fragwürdiges Verständnis von Meinungsfreiheit.

Am 23. Juni 2012 feiert die „Bild“-Zeitung 60. Geburtstag – und ganz Deutschland soll mitfeiern. Deshalb wird das Blatt nämlich an diesem Tag frei Haus und gratis an alle Haushalte der Bundesrepublik, also insgesamt “41 Millionen(Link)”:http://www.tagesspiegel.de/meinung/grosse-werbeaktion-ich-will-die-bild-nicht-in-meinem-briefkasten/6106382.html, verteilt. Darüber kann man sich freuen, oder man lässt es. Eigentlich. Denn im Internet fühlt sich so manch einer durch diese Aktion enorm belästigt, weshalb das UnBILDungs-Bürgertum in diversen Kommentarspalten, Blogs und Foren bereits zum Zwergenaufstand bläst.

Wer zahlt die Briefmarken?

Offenbar sieht sich eine zahlenmäßig nicht zu unterschätzende Masse Mensch von einer kostenlosen Boulevardzeitung, die an einem von 365 Tagen kostenlos im Briefkasten liegt, ernsthaft bedroht. Deshalb gilt es nun, Haus und Hof mit allen Mitteln vor der nahenden Invasion zu verteidigen. Da wird überlegt, ob man nicht vielleicht den Briefkasten zukleben sollte, während man andernorts bereits kreative „Bitte keine ,Bild‘ einwerfen“-Aufkleber konzipiert. Einige Zeitgenossen gehen da schon einen Schritt weiter und wehren sich juristisch. Mittlerweile kursieren bereits Musterschreiben von übermotivierten Rechtsanwälten, die vielleicht kaum Mandanten und deshalb genug Zeit haben, rechtliche Schritte gegen den Springer-Konzern zu eruieren. Diese Vorlagen muss man nur noch ausdrucken, unterschreiben, und nach Berlin schicken. Bei der Frage, ob man dabei selbst 55 Cent für die Briefmarke investieren müsse, oder diese nicht dem Springer-Verlag in Rechnung stellen könnte, scheiden sich momentan allerdings noch die Geister. Alternativ könnte man ebenso das „Bild“-Exemplar an sich umgehend zur Post tragen und zurück an den Absender schicken, wobei man auch hier nach der „Porto zahlt der Empfänger“-Variante verfahren sollte. Dafür müsste man es allerdings anfassen, was das Gros der „Bild“-Kritiker laut Eigenaussage nur mit Schutzanzug und Kneifzange tun würde. Da bietet es sich schon eher an, prophylaktisch den E-Mail-Server der „Bild“-Redaktion mit Protest-E-Mails zu fluten – das ist bequem, kostet nix und fühlt sich dennoch wahnsinnig revolutionär an. Demnach also die beste Lösung für den elitären Antifaschisten des 21. Jahrhunderts, der auch grundsätzlich nur dann „gegen rechts“ demonstriert, wenn das Polizeiaufkommen vor Ort groß und das Wetter gut genug ist.

Diekmann hat den Rubikon eindeutig überschritten

Summa summarum ist man sich einig: Diekmann hat den Rubikon eindeutig überschritten. Wer sich die genannten Aktionspläne so durchliest, bekommt den Eindruck, am 23. Juni würden nicht Tageszeitungen, sondern Atommüll und Dioxin-belastete Eier frei Haus verteilt werden. Oder dass gemeinsam mit der „Bild“ auch gleich Diekmann höchstpersönlich angerauscht käme, der 41 Millionen Haushaltsvorsitzende mithilfe von Heckler & Koch zur vollständigen Lektüre der Zeitung nötigen würde. All das entbehrt freilich nicht einer gewissen Komik. Denn offenbar kommt es nur für die wenigsten „Bild“-Phobiker infrage, das Blatt schlichtweg in die Mülltonne zu befördern. So wie ich es zum Beispiel tun würde, wenn man mir unfreiwillig die „Frankfurter Rundschau“ oder die „Junge Welt“ zukommen ließe. Deren Inhalte interessieren mich zwar nur mäßig, rufen bei mir allerdings auch keine Enteignungsfantasien oder übermäßigen Aktionismus hervor. Anders bei vielen „Bild“-Nichtlesern, die sich plötzlich um die Bäume, die für diese Aktion sterben mussten, sorgen. Oder auch um den Gewinn, den Springer damit einfahren wird – aber anstatt dann beispielsweise die betreffenden Anzeigenkunden zu boykottieren, konzipiert man lieber lustige Schlachtpläne zur Aufrechterhaltung der Briefkasten-Hygiene. Schlachtpläne, die man doch auch mal angesichts des Euro-Rettungsschirms, sinnloser Subventionen oder zweifelhafter „Entwicklungshilfe“ ins Auge fassen könnte, wobei hier allerdings der obligatorische revolutionäre Touch fehlen würde. Nun ist es freilich erfreulich, dass sehr, sehr viele Menschen offenbar wirklich keine anderen Sorgen haben. Andererseits mutet es dennoch ein wenig irre an, dass eine große Masse Mensch offenbar nicht damit leben kann, an einem einzigen Tag im Jahr eine andere Meinung im Briefkasten vorzufinden. Oder zumindest nicht dazu fähig ist, diese zu ignorieren. Insofern ist die am 23. Juni stattfindende Konfrontationstherapie ein wunderbares Signal. Nicht wegen „Bild“ an sich, und auch nicht, weil sie so manchen in den verdienten Wahnsinn treibt – sondern weil sie zeigt, dass Meinungsfreiheit sich nicht enteignen oder wegplärren lässt.

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