Das seltsame Talent des Christian W.

von Jennifer Nathalie Pyka7.01.2012Außenpolitik, Innenpolitik, Medien

Christian Wulff schafft es, sich jeden Tag aufs Neue zu unterbieten. Man mag ihm seine Urlaube verzeihen, seine Kredite auch. Doch Kurzsichtigkeit und Naivität sollten die automatische Disqualifikation für das Bundespräsidialamt bedeuten.

Jetzt mal Tacheles: Dass der deutsche Noch-Bundespräsident Christian Wulff derzeit sein Recht auf Selbstblamage äußert aktiv nutzt, bemerkt jeder, der lesen kann und über ein Fernsehgerät verfügt. Darüber hinaus besitzt Herr Wulff allerdings auch noch das Talent, sich zuverlässig und laufend selbst zu unterbieten. Immer wenn man denkt, er hätte nun seinen absoluten Tiefpunkt erreicht, beweist er mit Bravour, dass es noch peinlicher geht. So zum Beispiel vergangenen Mittwoch, als er exklusiv im öffentlich-rechtlichen Interview verlauten ließ, er habe die Berichterstattung über seinen Hauskredit keinesfalls verhindern, sondern lediglich zeitlich verschieben wollen. Und als wäre das nicht schon skurril genug gewesen, sprach er zudem noch von Transparenz. Bereits zu diesem Zeitpunkt musste man sich schon irgendwie fragen, was diesen Mann eigentlich dazu antreibt, vor einem Millionenpublikum den selbst verursachten Angriff auf die Pressefreiheit abzustreiten. Denn angenommen, Wulff hätte in diesem Punkt die Wahrheit gesagt – warum hat er dann nicht gegen den Springer-Verlag geklagt? Schließlich hätte „Bild“ mit der bis dahin erfolgten Berichterstattung zur AB-Affäre Verleumdungen übelster Art forciert, gegen die sich jeder Politiker wehren müsste. Stattdessen schien Wulff sich gewissermaßen damit zu begnügen, Springer im Rahmen seiner Quasi-Beichte implizit der Lüge zu bezichtigen.

Gewohnt mittelmäßig

Nun wird Herr Wulff seinen gewohnt mittelmäßigen Auftritt möglicherweise bereits am nächsten Morgen bitterlich bereut haben. Da stand nämlich schon Kai Diekmann auf der Matte und tat das, was Wulff zuvor in gewisser Weise ansprach: Er sorgte für Transparenz

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