Was erlaubt sich die ARD?

von Jennifer Nathalie Pyka22.06.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Man sollte der ARD tatsächlich gratulieren: Indem sie es nicht schafft, eine Antisemitismus-Doku ohne Warnhinweise auszustrahlen, demonstriert sie – wenn auch unfreiwillig – die zentrale Feststellung des Films und dessen Relevanz.

Dass Ingo Zamperoni nicht auf die später folgende Antisemitismus-Doku verweisen kann, ohne sie mit dem Adjektiv „umstritten“ zu garnieren, ist keine große Überraschung. Der Warnhinweis, den die ARD der Doku dann unmittelbar voran stellt, streng genommen auch nicht. Denn natürlich muss der Zuschauer darüber informiert werden, dass im Film womöglich „Rechte Dritter verletzt“ werden. Der Israelkritiker vorm Fernseher nickt zustimmend. Kennt man ja schon von der Israel-Lobby, immer verdrehen die Zionisten alles. Sehr beeindruckend ist allerdings, dass die ARD in Einblendungen während des Films laufend auf ihren „Faktencheck“ verweist, dem man „notwendige Erläuterungen und Ergänzungen“ zur Doku entnehmen kann – was ein bisschen wie eine Warnung klingt: „Achtung, glauben Sie nicht alles, was in diesem Film erzählt wird. Hören Sie lieber auf uns, die Faktenchecker aus dem Ersten“. Aber gut, schließlich darf man nicht vergessen, dass auch die Israelkritiker auf ihre Kosten kommen müssen. Der kritische Zuschauer und Augstein-Leser kann indes beruhigt sein: So schlimm ist das mit dem Antisemitismus also nicht, stimmt ja eh nur die Hälfte. Wenn überhaupt.

Für die ARD wiederum gilt: Ein Glück, dass man nicht jeder Doku einen groß angelegten Fakten-Check zur Seite stellen muss. Nur bei dieser einen, die sich um zeitgenössischen Judenhass dreht, ging es halt nicht anders. „Spirale der Gewalt“-Sendungen über den Nahostkonflikt kommen auch ohne gecheckte Fakten aus. Und deshalb sollte man der ARD tatsächlich gratulieren: Indem sie es nicht schafft, eine Antisemitismus-Doku ohne Warnhinweise auszustrahlen, demonstriert sie – wenn auch unfreiwillig – die zentrale Feststellung des Films und dessen Relevanz.

Text von der Facebookseite der Autorin

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