Nachwehen der Krise

Jayati Ghosh5.01.2011Wirtschaft

Die Gefahr einer erneuten Finanzkrise ist nicht gebannt. Zu wenig haben wir aus den letzten Jahren gelernt, zu verbreitet sind Fehlanreize, die exzessives Risiko belohnen. Es geht in den kommenden Jahren darum, das Wirtschaftssystem auf eine demokratische Basis zu stellen. Wir müssen das Risiko teilen und Teilhabe vergrößern.

Auf struktureller Ebene sind die drei Ungleichgewichte, die die jüngste Krise des internationalen Kapitalismus auslösten, bei Weitem nicht gelöst: das Ungleichgewicht zwischen Finanz- und Realwirtschaft, die makroökonomischen Ungleichgewichte zwischen den Hauptakteuren internationaler Wirtschaft und das ökologische Ungleichgewicht, das notwendigerweise künftiges Wachstum begrenzt, nicht nur des Klimawandels wegen, sondern auch bezüglich Umweltproblemen und Energiebedarf. Wir können konjunkturelle Probleme nicht betrachten, ohne uns dieser tief greifenden Ungleichheiten bewusst zu sein.

Fehlanreize werden belohnt

Das Finanzsystem schafft weiterhin Fehlanreize für “effizientes” Verhalten und Anreize für exzessive Risikobereitschaft der Märkte. Die moralische Gefahr ist größer denn je, weil Rettungen nicht von adäquater Regulierung begleitet wurden. Dies hat direkte Auswirkungen auf diverse Weltmärkte, die den Menschen direkt betreffen: Nahrung und Kraftstoff. Die enormen Schwankungen von Nahrungs- und Ölpreisen sind deutlich auf den Eingriff von Finanzakteuren in diesen Märkten zurückzuführen und haben weltweite negative Konsequenzen. Es gibt in den USA Vorschläge, solche Spekulationen mittels Regulierungen zu unterbinden. Es ist jedoch noch unklar, wie und ob dies geschehen soll. Die Entwürfe aus dem EU-Parlament sind ebenfalls zu schwach. Die im Prozess befindliche Abwicklung globaler, makroökonomischer Balancen bedeutet, dass die USA künftig nicht mehr der Motor der Weltwirtschaft sein können. Ohne grundlegende Restrukturierung der weltweiten Nachfrage zugunsten von Menschen, die momentan akut unterversorgt sind, wird das weltweite Wachstum immer größere Ungleichheiten produzieren. Irgendwann wird ihm die Puste ausgehen. Aber eine Neuordnung des weltweiten Wirtschaftswachstums wird erschwert durch prozyklische Anpassungsmaßnahmen, die den Entwicklungs- und Schwellenländern vom Internationalen Währungsfonds und von privaten Kreditgebern auferlegt werden. Dabei sind gerade diese Länder oft am härtesten von der Krise getroffen worden.

Die Gefahr ist nicht gebannt

Außerdem haben es Gegner der verschiedenen nationalen Konjunkturprogramme geschafft, “exzessive Staatsausgaben” zu brandmarken. Dadurch ist die konjunkturelle Entwicklung gestört worden und westliche Regierungen sind weniger geneigt, weitere Gelder zur Bekämpfung der Krise bereitzustellen. Die Gefahr einer Rezession ist nicht gebannt. So weit muss es jedoch nicht kommen. Mehrere Elemente sind nun notwendig: Regulierung und eine gewisse Sozialisierung der Banken (nicht nur Sozialisierung der Finanzrisiken); ein genereller Wechsel vom Exportmodell zum Lohnwachstum (auch durch öffentliche Ausgaben, um mehr lebenswichtige Güter und Dienstleistungen bereitzustellen); Eindämmung von Produktion und Konsum in den reichen Ländern und unter den Eliten der Entwicklungsländer; ein umfassender Ansatz für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, der die Rolle öffentlicher Intervention mit einbezieht. Da staatliches Eingreifen in die Wirtschaft nun unvermeidbar ist, sollte dies demokratischer und verantwortlicher geschehen – sowohl national als auch international.

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