Her mit neuen Ideen

Jasmine Samantar11.12.2013Politik

Um Afrikas Wirtschaftspotential in ein Goldenes Zeitalter zu verwandeln, braucht der Kontinent frischen Wind – in Form einer neuen Generation.

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Wenn Afrika aufsteigen möchte, muss es seine politische Elite loswerden. Um genau dieses Ziel zu erreichen, wurde 2004 nach dem Grundgedanken „Talent ist universell, Chancen nicht“ die „African Leadership Academy“ (ALA) gegründet. Die Oberschule für Schüler im Alter von 15-18 Jahren erhält jährlich 4.000 Bewerbungen auf 100 Plätze. Die Bewerber stammen aus allen 54 Nationen des Kontinents und vertreten sämtliche soziale Schichten – viele sogar aus Flüchtlingslagern.

Schüler werden hier in Bereichen wie Hungerverminderung, Gesundheitsvorsorge, Wirtschaftswachstum und Konfliktlösung in Afrika unterrichtet. Darüber hinaus ermutigt die ALA ihre Schüler dazu, ihre Fähigkeiten und ihr fundiertes Wissen an ihre Gemeinschaften weiterzugeben. Die ALA ist nur eine von vielen Initiativen, die eine neue Generation stärkt, ohne die das Wirtschaftswachstum Afrikas zu einer kurzlebigen Illusion wird.

Wie dauerhaft ist der Wandel diesmal?

Während wirtschaftlicher Wachstum für den Aufstieg Afrikas unabdingbar ist, wurde die Förderung und Bildung der schlauesten Köpfe viel zu lange vernachlässigt. Der Kontinent hat zwar begonnen, gegen die Erosion seines Bildungssystems zu kämpfen, doch Investitionen in diesem Bereich sind sehr gering. Damit eine boomende und nachhaltige Region entsteht, muss eine Generation junger Leute für neue Jobs und Positionen ausgebildet werden. Und um das Dilemma des mangelnden Zugangs zu Bildung zu lösen und dessen Qualität zu verbessern, entstehen lokale, nationale und internationale Lösungen.

Da die Konflikte in zahlreichen Ländern enden, setzt außerdem eine Migrationswelle der afrikanischen Diaspora zurück in ihre Heimatländer ein. Viele von Ihnen haben im Ausland eine westliche Bildung genossen. Dort vermittelte demokratische Werte nehmen sie nun mit in ihre Heimatländer. Auch Kinder der Diaspora-Gemeinschaft kennen die Erinnerungen ihrer Vorfahren. Sie hegen den Wunsch, eines Tages in jene Länder zurückzukehren und ihre beiden Welten zu vereinen. Afrikas wahres Wachstumspotential liegt also in einer neuen Generation aufgeschlossener und internationaler Schüler, die gewillt sind, den Kontinent zu transformieren.

Im letzten Jahrzehnt gab es innerhalb der afrikanischen Bevölkerung einen starken Rückgang der Kindersterblichkeit und der HIV-und Malariainfektionen. Des Weiteren stiegen die Lebenserwartungen und das reale Pro-Kopf-Einkommen um 30 Prozent. Darüber hinaus betrugen die Auslandsinvestitionen in Afrika 2012 $46 Milliarden, während sie 2002 noch $15 Milliarden bezifferten. All das beschleunigt Afrikas ökonomischen Puls immens. Nichtsdestotrotz hat der afrikanische Kontinent bereits öfter derartige Aufbrüche erlebt, die durch zügellose Gewalt, Korruption oder fehlgeleitete Politik ein jähes Ende fanden. Wie dauerhaft ist der Wandel diesmal?

Afrikas Aussichten sind in der Tat überwältigend positiv – allerdings nur, wenn eine neue Führungsgeneration dazu bereit ist, gegen die schlechten Regierungen des Kontinents vorzugehen und die sich ihr bietenden Chancen zu ergreifen. Hohe Rohstoffpreise und erfolgreiche makroökonomische Strategien erlaubten einem Großteil des Kontinents, der globalen Finanzkrise zu trotzen. Nun boomen die Märkte der 54 Staaten. Zudem hat Afrika eine geringere öffentliche Verschuldung als einige EU-Nationen. Das ist eine bemerkenswerte Leistung.

Gegenwertig floriert auch die Urbanisierung auf dem Kontinent. Während 1980 nur 28 Prozent aller Afrikaner in Städten lebten, sind es heute bereits 40 Prozent. Urbanisierung fördert die Produktivität, kurbelt Investitionen an und steigert die Nachfrage. Der Skaleneffekt wird dann erreicht, wenn Unternehmen eine große Kundschaft erreichen können. So entsteht eine wachstumsfähige Mittelschicht.

Bedingt durch die Auffassung, Afrika sei weitestgehend Neuland, sind zahlreiche Staaten gewillt dort zu investieren. Seine großen Mengen an Rohstoff werden es Afrika ermöglichen, weiterhin zu prosperieren. Mehr als die Hälfte des afrikanischen Handels findet mit Asien statt. Staaten wie China bieten beispielsweise milliardenschwere Infrastruktur-Pakete im Austausch für Rohstoffe. Solche Direktinvestitionen steigern die Modernisierung auf dem gesamten Kontinent.

Fluch oder Segen

Dennoch bleibt die Frage, ob andere Länder versuchen, dem Kontinent zum Aufstieg zu verhelfen, oder ihn auszubeuten. Aufgrund mangelhafter Führung wird Afrika von zahlreichen ausländischen Nationen ausgenutzt.

Beispiele dafür gibt es viele. Im Juni dieses Jahres verwies Ghana zahlreiche Chinesen des Landes, da sie illegalen Goldabbau betrieben. 2012 erarbeiteten die brasilianische und japanische Regierung gemeinsam ein Projekt, bei dem 14 Millionen Hektar Land in Mozambique zum Anbau von Getreide eingeplant wurden – für den Verkauf in Brasilien. Im Rahmen des Vorhabens wurden eine Million Familien umgesiedelt.

Weder China, die USA noch die EU können Afrikas Probleme lösen. Trotzdem benötigt Afrika deren Unterstützung, um Wirtschaftswachstum und eine unter demokratischen Prinzipien heranwachsende Generation zu fördern.

_Übersetzung aus dem Englischen_

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