Immigrationsegoismus

von Jan van de Beek27.12.2010Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Humanitäre Gründe sind ein schlechter Regulator für Zuwanderung. Deutschland sollte sich darauf besinnen, welche ökonomischen Vorteile durch die Integration von qualifizierten Fachkräften geboten werden. Wir brauchen ein Quotensystem – es fördert Integration und macht uns wettbewerbsfähig im Kampf um die klugen Köpfe.

Es ist kein Zufall, dass das Thema Integration zurzeit heiß debattiert wird. Dennoch ist das zugrundeliegende Problem nicht die Integration an sich, sondern die Immigration. Immigration ist ein selektiver Prozess. Bislang sind nordeuropäische Länder wie Deutschland eher attraktiv für Immigranten mit geringem Bildungsstand. Die Hauptgründe dafür sind, dass diese Länder einen weitreichenden Sozialstaat haben und ihre Einwanderungspolitik auf humanitären Prinzipien fußt.

Das Sozialstaatsdilemma

Deutschland hat große Schwierigkeiten, die sprichwörtlichen indischen Fachinformatiker anzuziehen. Die immigrieren eher in die USA, da dort die Gehälter höher und die Chancen besser sind. Gastgeberländer mit einem umfangreichen Sozialstaat und einer relativ gleichmäßigen Einkommensverteilung (Deutschland, Schweden oder die Niederlande) sind oft besonders attraktiv für gering qualifizierte Migranten aus Ländern wie der Türkei. Diese Migranten werden nicht zuletzt auch von dem vom deutschen Staat garantierten Lebensstandard angezogen. Darüber hinaus verringert ein umfangreicher Sozialstaat auch den Ansporn, am Arbeitsmarkt teilzunehmen. All das führt zu einer schlechten sozio-ökonomischen Integration von vielen Immigranten mit niedrigem Bildungsniveau in Deutschland. Das Resultat ist nachteilig für die Immigranten und teuer für das Gastland. Auch wenn Gastländer wie Deutschland nur hochqualifizierte Arbeitsmigranten auswählen würden, würde das Phänomen der unselektierten Kettenmigration den erwarteten positiven ökonomischen Beitrag der ersten Immigranten wieder zunichtemachen. Das bringt uns zu meinem zweiten Punkt. Europäische Länder wie Deutschland und die Niederlande nehmen den Großteil ihrer Immigranten aus humanitären Gründen auf, vor allem unter den Aspekten der Asylsuche und Familienzusammenführung. Diese Art der Immigration ist unselektiert. Eine Selektion von Immigranten aufgrund von Humankapital stellt als Eintrittskriterium immer noch ein Tabu dar. Dies ist ein Relikt aus den schwärzesten Zeiten der europäischen Geschichte. Viele Europäer sind überzeugt, dass eben diese Geschichte auch die moralische Verpflichtung mit sich bringt, weiterhin Immigranten aufgrund von humanitären Prinzipien aufzunehmen. In der Realität führen diese wohlmeinenden Prinzipien leider oft zu ungewollten Ergebnissen für Gastländer als auch für die Immigranten selbst. Zusätzlich sollten Politiker einsehen, dass sich die potenziellen Konsequenzen von unselektierter Immigration nicht nur auf die ökonomische Reichweite beschränken. Ausschließlich Immigranten aus einem Kulturkreis aufzunehmen kann zum Beispiel zur Bildung von Parallelgesellschaften, demokratischer Instabilität und einem Streit um die Leitkultur führen. Vieles davon können wir heute bereits in den Niederlanden beobachten. Diese Entwicklungen könnten durch die Einführung einer nach Ländern definierten Quotenpolitik verhindert werden.

Nationaler Eigennutz geht vor

Deswegen schlage ich vor, eine Einwanderungspolitik zu adaptieren, die internationale Abkommen und europäische Regelungen verwirft und stattdessen nationalen (oder europäischen) Eigennutz im weitesten Sinne als Richtlinie für die Aufnahme von Immigranten anwendet. Davon profitieren beide Seiten. Kurz: Politiker sollten aufhören, sich verantwortlich zu fühlen für alle potenziellen Immigranten dieser Welt und sollten stattdessen Verantwortung übernehmen für das Wohlergehen der einheimischen Bevölkerung und das der Immigranten, die sie tatsächlich aufnehmen können.

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