Wir brauchen eine Ernährungsrevolution

Jamie Oliver27.02.2010Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

Jamie Oliver, unkonventioneller Spitzenkoch und Gewinner des diesjährigen TED-Preises, warnt vor den Konsequenzen von Fast Food für die Gesellschaft und fordert: Ernährungsaufklärung muss Standard werden.

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Zwei Drittel der Amerikaner gelten bereits heute als übergewichtig, Europa ist auf gutem Weg dahin. Die Konsequenzen: zusätzliche Kosten für Gesundheitssysteme und eine reduzierte Lebenserwartung. Zehn Prozent (150 Milliarden Dollar) der jährlichen Kosten im US-Gesundheitssystem sind direkt auf Übergewicht und die damit zusammenhängenden Krankheitsprofile zurückzuführen. Bereits in den kommenden zehn Jahren könnte diese Zahl auf 300 Milliarden Dollar ansteigen, wenn sich die Ernährung der Amerikaner nicht signifikant verändert. Herzkrankheiten stehen bereits heute einsam an der Spitze der Todesursachen in der westlichen Hemisphäre und senken die durchschnittliche Lebenserwartung um bis zu zehn Jahre – trotz aller medizinischen Fortschritte.

Das Bewusstsein für Essen ist deutlich gesunken

In den vergangenen Jahrzehnten hat zunehmend eine Fast-Food-Kultur Einzug gehalten. Immer mehr Menschen konsumieren immer mehr kalorienreiche und nährstoffarme Massenprodukte. Das Bewusstsein für Essen ist dadurch deutlich gesunken: Junge Amerikaner wissen heute gar nicht mehr, wie man zu Hause kocht, von einer Sensibilität für ausgewogene Ernährung kann gar keine Rede sein. Zum Teil können junge Amerikaner Tomaten nicht mehr von Kartoffeln unterscheiden.

Diese Entwicklung ist vermeidbar. Das Schulsystem, so Jamie Oliver, spielt dabei eine zentrale Rolle. 31 Millionen amerikanische Schüler werden jeden Tag in den Mensas der öffentlichen Schulen mit Frühstück und Mittagessen versorgt. Doch die Qualität lässt zu wünschen übrig: kein Gemüse, kein Besteck, dafür Fast Food weit und breit. Sogar Milch wird heute durch Aromastoffe und viel Zucker versüßt und zur Kalorienbombe modelliert.

Wir müssen aufklären!

Das, so Oliver, ist gesundheitspolitisch inakzeptabel: “Wir müssen aufklären, basta!” Bereits zwei Stunden Ernährungserziehung können einen deutlichen Unterschied machen und eine ganze Generation von Schulkindern für ihr Essen und ihre Essensgewohnheiten sensibilisieren. Neben der Vermittlung von Wissen und Sozialkompetenz ist Ernährungskompetenz ein wichtiger Bestandteil von Erziehung.

Doch neben staatlichen Ernährungsprogrammen lohnt sich auch die Aufklärung im Kleinen. Was, so fragt Oliver, kann jeder Supermarkt tun, um den Kunden einen verantwortungsvollen Umgang mit Essen nahezubringen? Welche Rezepte sind einfach, schnell und trotzdem gesund? Welche Zutaten haben “gesund” auf der Verpackung stehen, und welche sind es wirklich?

Die Ernährungsrevolution muss in alle Bereiche sozialen Lebens reichen, von der Privatküche bis in die Firmenmensa. Veränderungen sind bereits im Gange – Oliver selbst hat ein stadtweites Projekt in den USA initiiert, Schuldistrikte stellen ihre Essenspläne um. First Lady Michelle Obama ist inzwischen Schirmherrin eines landesweiten Projekts zur Bekämpfung von Übergewicht unter Jugendlichen. Diese Entwicklung ist begrüßenswert – jetzt muss sie weitergehen.

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