Feigheit vor dem Feind zählt nicht. Peter Tauber

Das Prinzip “Laisser-faire”

Erziehungstheorie? Viel Liebe und die Klarheit darüber, was gut und was böse ist, reichen doch, um seine Kinder zu erziehen. Da kann man sie auch mal an der langen Leine lassen.

Als ich Mutter wurde, hatte ich schlagartig das Gefühl von großer Verantwortung. Eines war mir aber gleich klar: Mein Kind sollte anders aufwachsen – mit Vater und Mutter. Eine Familie zu gründen war mein Wunsch gewesen. Der Wunsch kam unerwartet zu früh, ich wollte mir noch Zeit lassen. Aber das Schicksal wollte es anders.

Die Verantwortung war da und zugleich auch der Mutterinstinkt, der mir das Gefühl gab, mit diesem kleinen, zarten Wesen eng verbunden zu sein. Ich hatte etwas Greifbares in der Hand. Ich war nicht mehr allein. Zwei Kinder sollten es aber schon sein. Ich wollte kein Einzelkind. Mit zwei Kindern ist das Leben einfach noch interessanter.

Ich liebte jedes Kind auf seine Weise

Über bestimmte Erziehungsmethoden habe ich gar nicht groß nachgedacht. Instinktiv ließ ich es so laufen, wie ich als richtig empfand – “Laisser-faire” war mein Prinzip. Ich brauchte kein Nachschlagewerk, wie ich es bei anderen Müttern fand. Das hätte mich eher verunsichert. Ich war eine Mutter, die jedes Kind auf seine Art liebte. Und das machte das Muttersein für mich so spannend.

Was soll man falsch machen, wenn man doch weiß, was gut und was böse ist. Ich habe meine Kinder zwar an der langen Leine gelassen, aber sie kamen immer zu mir, wenn sie etwas plagte. Einen größeren Vertrauensbeweis konnten sie mir gar nicht geben. Mir war in der Beziehung zu meinen Kindern immer wichtig, dass sie einen eigenen Willen entwickeln – sie sollten sich selbst wertschätzen lernen.

Ich habe immer dafür gebetet, dass ich meine Kinder aufwachsen sehen kann. Ich wollte ja auch die Frucht meiner Arbeit sehen, wenn sie groß sind, und welchen Weg sie einschlagen.

Ein Liebesbeweis macht jeden Tag zum Muttertag

Wenn ich heute meine Söhne betrachte und sehe, was aus ihnen geworden ist, kann ich mich beruhigt zurücklehnen. Sie haben es besser gehabt und etwas daraus gemacht. Darüber kann ich als Mutter stolz sein. Kinder sollten aber auch auf ihre Mütter stolz sein, darauf, dass sie ihnen den Weg geebnet haben, um das zu sein, was sie heute sind.

Eine Liebesbotschaft an die Mutter ist der größte Beweis und jeder Tag wird zum Muttertag. Trotz alldem ist der Muttertag Tradition. Und es ist schön, wenn dieser Tag in unsere schnelllebige Welt eingebunden bleibt.

Der Schriftsteller Jean Paul schrieb einmal: “Kinder und Uhren dürfen nicht ständig aufgezogen werden, man muss sie auch mal gehen lassen.” Wir müssen unsere Kinder lieben, wie sie sind, und nicht nur dann, wenn sie so sind, wie wir sie gern hätten. Besser ist es, sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ilse Görlach, Elisabeth Löwenstein.

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