Faire Chancen für einen Neuanfang

Ingo Radtke9.04.2010Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Vor mehr als zwei Monaten haben in Haiti etwa 60 Sekunden Erdbeben mehr als 200.000 Menschenleben gefordert, ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht und einer Million Menschen das Dach über dem Kopf geraubt. “Malteser International” leistete von Anfang an Hilfe vor Ort. Nun, da sich das Chaos lichtet, gilt es in die Zukunft zu schauen.

fa028f3347.jpg

Wichtig in einer Situation wie in Haiti ist es, dass diese Katastrophe für die Menschen zu einer Chance wird für einen nachhaltigen Wiederaufbau: ein Wiederaufbau, der den Menschen in Haiti eine faire Chance gibt für einen Neuanfang; ein Wiederaufbau, der neue Slumbildungen verhindert; ein Wiederaufbau, der die Herausforderungen der Natur ernst nimmt und die Menschen besser vor neuen Katastrophen schützt. Mit vielen anderen Organisationen war auch “Malteser International” als eine der ersten nach der Katastrophe in Haiti vor Ort. Seither konnten unsere Helfer mehr als 7000 Überlebenden zuerst in Port-au-Prince, dann westlich der Hauptstadt in Léogâne und Darbonne medizinisch helfen. Über lokale Partnerorganisationen versorgten wir bisher rund 1000 Haitianer in Port-au-Prince und Léogâne sowie 90 Waisenkinder eines komplett zerstörten Waisenhauses in Léogâne mit Lebensmitteln, Seife, Matratzen, Laken und anderen fehlenden Alltagsdingen. In Petit Guave stellen wir in Kooperation mit “archeNova e.V.” die Versorgung von 700 Familien mit sauberem Trinkwasser sicher. Im vom Erdbeben nicht betroffenen Norden Haitis, am Sacré-Cœur-Krankenhaus in Milot, das der Malteserorden schon seit vielen Jahren unterstützt, geben wir jetzt täglich tausend Essensrationen an Erdbeben-Patienten, deren Angehörige und freiwillige Helfer aus.

NGOs müssen helfen

Vor Ort kann mit Nahrung, Medizin und menschlichem Kontakt schon sehr viel bewirkt werden. Jedoch endet die Verantwortung einer Organisation wie der Malteser nicht mit der Lösung akuter Probleme. Es müssen Lösungen gefunden werden, das Land und die Menschen nachhaltig und effektiv zu unterstützen und vorwärts zu bringen. Das ist zum einen die Aufgabe befreundeter Nationen – aber ein großer Teil dieser Lösung kann und muss durch NGOs herbeigeführt werden. Anfang März war ich in Miami, wo sich alle in Haiti engagierten Assoziationen und Einrichtungen des weltweiten Malteserordens getroffen haben, um ihre gemeinsame Hilfe im Sinne eines “Masterplans” abzustimmen. Unser Ziel ist es, alle Kräfte des Malteserordens zu bündeln und mit unseren Hilfen unseren “Baustein” für einen nachhaltigen Wiederaufbau des “Gesamtgebäudes” Haiti beizutragen. Selbstverständlich werden wir alle Planungen eng mit den Vereinten Nationen und der haitianischen Regierung abstimmen, um unsere Programme auch langfristig in die haitianischen Strukturen zu integrieren.

Konzentration auf den Gesundheitssektor

Als Malteser werden wir unsere Hilfen für Haiti auch weiterhin auf den Gesundheitssektor konzentrieren: Unsere beiden Gesundheitszentren in Léogâne und Darbonne sollen den Ausgangspunkt bilden für eine breite medizinische Grundversorgung – auch durch mobile Teams, die Patienten in den umliegenden Dörfern behandeln, für die Unterstützung von Impfkampagnen sowie den Wiederaufbau von Gesundheitszentren. Gleichzeitig wollen wir den Zugang der Menschen zu sauberem Trinkwasser, sanitärer Grundversorgung und Hygiene sichern. Hinzu braucht es psychosoziale Betreuung für die unzähligen Menschen, die durch das Erleben der Katastrophe und den Verlust von Angehörigen traumatisiert sind, sowie selbstverständlich auch Programme zur Armutsbekämpfung.  Der Wiederaufbau in Haiti wird Jahrzehnte brauchen. Gemeinsam mit den Menschen in Haiti müssen die beteiligten Organisationen dafür sorgen, dass aus den Trümmern der Hoffnungslosigkeit neues Leben und neue Hoffnung wachsen können.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Terror von Links wird nicht bekämpft

Nach den linksterroristischen Ausschreitungen an Silvester war Leipzig-Connewitz in aller Munde und vor allem in den Schlagzeilen. Dabei ging nicht nur unter, dass es bundesweit Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte gegeben hat, sondern dass auch die Thomaskirche in Leipzig d

Warum bleibt die FDP so schwach?

Zu Beginn des Jahres 2020 wird in der Innenpolitik heftig über das Werben von CSU-Chef Markus Söder für einen Umbau der Bundesregierung debattiert. Über die verhaltene Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Und über die Forderung des neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borj

Die USA praktizieren den Terror

US-Präsident Trump will keinen Frieden im Nahen Osten, sondern Krieg. Aber selbst in deutschen Medien wird die gezielte Tötung des iranischen Generals Soleimani mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Eine besonders dreiste Lüge.

„Kosten- und Programm-Exzesse der öffentlich-rechtlichen Sender spalten die Gesellschaft“

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU setzt sich dafür ein, die Finanzierung und Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf deren Kernaufgaben zurückzuführen.

Es gibt weder „Klimaflüchtlinge“ noch ein Recht auf Immigration

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU widerspricht der Forderung der Grünen und des UN-Menschenrechtsausschusses, dass Staaten Asylbewerber aufgrund klimatischer Bedingungen in deren Heimatländern aufnehmen sollten.

Frau Merkel, treten Sie endlich zurück

Vera Lengsfeld hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Und bemerkt: "Alle Fehler ihrer Kanzlerschaft aufzuzählen würde den Rahmen dieser Ansprache sprengen. Deshalb seien nur die verheerendsten genannt." Welche es sind, lesen Sie hier.

Mobile Sliding Menu