Nationalisten in die Schranken weisen!

von Ingo Friedrich12.01.2017Europa

Alle vernünftigen Menschen dieser Welt wissen, dass Protektionismus und Nationalismus noch nie und nirgends Segen über die Menschen gebracht haben. Am Ende aller derartigen Perioden standen immer weniger Wohlstand und mehr Ungerechtigkeit.

Von diesen Übeln unterschieden werden muss die unstrittig notwendige seriöse Vertretung der eigenen Interessen auf der jeweils nächsthöheren Ebene. Die Grenze zwischen Nationalismus und korrekter Interessenvertretung ist dabei nicht immer leicht zu ziehen, sie zu finden ist aber in der globalisierten Welt und insbesondere in EU-Europa von zentraler Bedeutung. Zu lernen, wie und mit welchen Begründungen man die Partner von den eigenen Ideen und Notwendigkeiten überzeugt, ist eine hohe Kunst und wer diese Kunst beherrscht, ist ein König.

Ein Exzentrisches “Auf den Tisch hauen”, die Drohung mit dem Austritt oder gar der Austritt selber bringen vielleicht kurzfristig Erleichterungen, schaden auf Dauer aber allen Beteiligten. Siehe Brexit!

Zusammenarbeit und Kompromisse sind zwar schwieriger, nutzen aber allen. Im Prinzip gelten diese politischen Erfahrungen nicht nur für die EU sondern für die Zusammenarbeit der ganzen Welt. Zum Gesamtbild der Welt des 21. Jahrhunderts gehört aber auch, dass die heutigen größeren Märkte zu mehr Konkurrenz und Wettbewerb zwischen den Unternehmen und den darin Beschäftigen führen. Billiganbieter und Niedriglöhne machen das Angebot zwar günstiger, bedrohen aber eingeführte Strukturen.

Die Lösung dieses Problems liegt allerdings nicht in der Abschottung sondern in einer besseren Ausbildung der eigenen Bürger und insbesondere in einer aktiven und intelligenten Strukturpolitik. Mit diesen Instrumenten kann den verunsicherten Menschen wieder Heimat und Sicherheit geboten werden. Wenn in einer infolge des neuen Wettbewerbs entstehenden „Armenregion“ mittels einer Kombination von eigenen Ideen und Strukturhilfen neue Chancen geschaffen werden, dann können die Menschen wieder Hoffnung schöpfen. Dieses Modell wird nicht immer und überall funktionieren, aber es ist doch ein hundertfach bewährtes Vorgehen, wie die Entwicklung Bayerns vom armen Agrarstaat zum modernsten Teil Deutschlands zeigt.

Es darf bei den besorgten Bürgern auch kein Zweifel darüber aufkommen, dass der politische-extreme Islam (nicht die islamische Religion) mit seiner aggressiven Ideologie keinen Platz in Europa und Deutschland hat. Hier gelten für jeden Bürger das Grundgesetz und alle Errungenschaften der europäischen Geistesgeschichte. Terroristen, egal ob sie sich Islamisten oder anders nennen, müssen global mit aller Härte und mit Hilfe einer engen Zusammenarbeit der Geheimdienste bekämpft werden.

Die Bürger haben ein Recht auf Sicherheit

Nach dem furchtbaren Geschehen in Berlin gilt dies umso mehr. Die Bürger haben ein Recht auf Sicherheit und auf die volle Funktions- und Leistungsfähigkeit des Staates. Aber auch die Bürger selber sind gefordert: sie dürfen es den Populisten nicht durchgehen lassen, dass sie – wie beim Brexit und bei der US-Präsidentschaftswahl geschehen – mit beweisbaren Lügen Wahlen gewinnen!

Zum Vermitteln von Heimat und Sicherheit gehört aber auch die für alle sichtbare Kontrolle und Regelung der Zuwanderung. Europa muss seine Grenzen im Griff haben und die hier lebenden Menschen müssen davon ausgehen können, dass die Zuwanderung die hier über Jahrhunderte gewachsene Art zu leben nicht ändert. Einvernehmliche Weiterentwicklungen waren und sind immer möglich, aber nicht unter dem Druck eingewanderter Menschen aus anderen Kulturkreisen. Für all das brauchen wir ein starkes Europa, das uns schützt und das Freiheit, Demokratie und Wohlstand auch in Zukunft garantiert. An diesem Projekt müssen aber auch die Nationalstaaten mitwirken, die „Brüssel“ nicht alleine im Regen stehen lassen dürfen.

Wenn wir Europäer diese Lektionen des schwierigen Jahres 2016 lernen ist mir um die Zukunft unseres doch so einmaligen europäischen Kontinents nicht bange.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die Nominierung von Ursula von der Leyen ist ein Taschenspielertrick

"Die Nominierung von Ursula von der Leyen ist ein Taschenspielertrick. Damit wurde die Demokratie verletzt. Die Regierungschefs versuchen immer, aus der EU einen Regierungsföderalismus zu machen, was mir überhaupt nicht gefällt. Da kommen sich die Wählerinnen und Wähler mindestens veralbert vor

Wie ein Präsident Selensky relativ erfolgreich sein könnte

Ein Großteil der intellektuellen Elite, politischen Chatcommunity, weltweiten Diaspora und ausländischen Freunde der Ukraine ist entsetzt über den Ausgang der ukrainischen Präsidentschaftswahlen. Der Schauspieler, Komiker und Geschäftsmann Wolodymyr Selensky wird, nachdem er im ersten Wahlgang

August von Hayek: „Der Weg zur Knechtschaft“

Von 1940 – 1943, als der Kampf gegen das Deutschland der Nationalsozialisten noch nicht entschieden war, schrieb August von Hayek im englischen Exil, in das er vor den Nationalsozialisten geflüchtet war, „Der Weg zur Knechtschaft“. Es erschien 1944 in England, dem Land, das Europa innerhalb v

Die Migrations-Politik der EU ist gescheitert

Vortrag von Herr Köppel bei der EKR (Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer) im Europaparlament in Brüssel am 17.06.2019, als Beitrag zur Diskussionsrunde „Die EU nach den Wahlen - weniger Europa“. Herr Köppel erläutert, warum die Schweiz mit der EU bestens zusammenarbeiten wi

Teilen und Herrschen: Frankreich will immer im EU-Poker mitsspielen

Um die Schwierigkeiten zu verstehen, die die Besetzung der sogenannten Topjobs (Kommissions-, EZB- und Parlamentspräsident, sowie den Hohen Vertreter der EU für Außen- und Sicherheitspolitik) in der EU mit sich bringen, lohnt es sich die Mitglieder der EU einzeln nach Gewichtung, Interessen und m

Wie ein schwacher Staat unsere Sicherheit aufs Spiel setzt

Die Bibliothek des Konservatismus Berlin ist eines der kleinen gallischen Dörfer in der rot-dunkelrot-grünen Hauptstadt des besten Deutschlands, das wir je hatten, von denen Widerstand gegen den Zerfall unseres Landes ausgeht. Am 3. Juli war in der Bibliothek jeder der über dreihundert unbequeme

Mobile Sliding Menu