Wider die Protektionisten und Nationalisten

von Ingo Friedrich15.12.2016Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft

Europa muss seine Grenzen im Griff haben und die hier lebenden Menschen müssen davon ausgehen können, dass die Zuwanderung die hier über Jahrhunderte gewachsene Art zu leben nicht ändert. Einvernehmliche Weiterentwicklungen waren und sind immer möglich, aber nicht unter dem Druck eingewanderter Menschen aus anderen Kulturkreisen.

Alle vernünftigen Menschen dieser Welt wissen, dass Protektionismus und Nationalismus noch nie und nirgends Segen über die Menschen gebracht haben. Am Ende aller derartigen Perioden standen immer weniger Wohlstand und mehr Ungerechtigkeit.

Von diesen Übeln unterschieden werden muss die unstrittig notwendige seriöse Vertretung der eigenen Interessen auf der jeweils nächsthöheren Ebene. Die Grenze zwischen Nationalismus und korrekter Interessenvertretung ist dabei nicht immer leicht zu ziehen, sie zu finden, ist aber in der globalisierten Welt und insbesondere in EU-Europa von zentraler Bedeutung. Zu lernen, wie und mit welchen Begründungen man die Partner von den eigenen Ideen und Notwendigkeiten überzeugt, ist eine hohe Kunst und wer diese Kunst beherrscht, ist ein König.

Ein “Brexit” hilft nicht

Ein Exzentrisches “Auf den Tisch hauen”, die Drohung mit dem Austritt oder gar der Austritt selber bringen vielleicht kurzfristig Erleichterungen, schaden auf Dauer aber allen Beteiligten. Siehe Brexit!

Zusammenarbeit und Kompromisse sind zwar schwieriger, nutzen aber allen. Im Prinzip gelten diese politischen Erfahrungen nicht nur für die EU sondern für die Zusammenarbeit der ganzen Welt. Zum Gesamtbild der Welt des 21. Jahrhunderts gehört aber auch, dass die heutigen größeren Märkte zu mehr Konkurrenz und Wettbewerb zwischen den Unternehmen und den darin Beschäftigen führen.

Billiganbieter und Niedriglöhne machen das Angebot zwar günstiger, bedrohen aber eingeführte Strukturen. Die Lösung dieses Problems liegt allerdings nicht in der Abschottung sondern in einer besseren Ausbildung der eigenen Bürger und insbesondere in einer aktiven und intelligenten Strukturpolitik. Mit diesen Instrumenten kann den verunsicherten Menschen wieder Heimat und Sicherheit geboten werden. Wenn in einer infolge des neuen Wettbewerbs entstehenden „Armenregion“ mittels einer Kombination von eigenen Ideen und Strukturhilfen neue Chancen geschaffen werden, dann können die Menschen wieder Hoffnung schöpfen. Dieses Modell wird nicht immer und überall funktionieren, aber es ist doch ein hundertfach bewährtes Vorgehen, wie die Entwicklung Bayerns vom armen Agrarstaat zum modernsten Teil Deutschlands zeigt.

Wir brauchen eine Regelung bei der Zuwanderung

Zum Vermitteln von Heimat und Sicherheit gehört aber auch die für alle sichtbare Kontrolle und Regelung der Zuwanderung. Europa muss seine Grenzen im Griff haben und die hier lebenden Menschen müssen davon ausgehen können, dass die Zuwanderung die hier über Jahrhunderte gewachsene Art zu leben nicht ändert. Einvernehmliche Weiterentwicklungen waren und sind immer möglich, aber nicht unter dem Druck eingewanderter Menschen aus anderen Kulturkreisen. Für all das brauchen wir ein starkes Europa, das uns schützt und das Freiheit, Demokratie und Wohlstand auch in Zukunft garantiert. An diesem Projekt müssen aber auch die Nationalstaaten mitwirken, die „Brüssel“ nicht alleine im Regen stehen lassen dürfen.

Wenn wir Europäer diese Lektionen des schwierigen Jahres 2016 lernen ist mir um die Zukunft unseres doch so einmaligen europäischen Kontinents nicht bange.

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