„Nur wer seine Arbeit liebt hat darin auch Erfolg!“ (Joseph Murphy)

Ilona Bürgel5.12.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Dies ist ein zugegebenermaßen ungewöhnliches Plädoyer für die Liebe als Gesundbrun-nen und Wachstumsmotor! Dazu haben wir uns aus unterschiedlichen Erfahrungshintergründen mit der Losung des 1898 in Irland geborenen und 1981 in den USA verstorbenen Dr. Joseph Murphy auseinandergesetzt, der als bedeutender Vertreter der positiven Psychologie gilt. Ein Beitrag von Ilona Bürgel und Joachim Brockpähler.

LIEBEN Sie Ihre Arbeit? Kann man seine Arbeit überhaupt lieben?

Die Entlehnung des überaus romantischen Wortes LIEBE für unsere Arbeitswelt darf durch­aus skurril anmuten. Zugleich wird klar, was gemeint ist: Sind wir mit unserer Arbeit so glück­lich, dass wir gerne sagen wollen: „Ich liebe meine Arbeit!“? Zumindest kennt jeder Men­schen, die genau dies aus tiefstem Empfinden sagen. So soll es sich lohnen, der Frage nachzugehen, wie mehr Menschen mit ihrer Arbeit glücklicher werden können.

Schauen wir uns die Begriffe im Zitat von Joseph Murphy zunächst etwas genauer an. Mit Arbeit meinen wir in unserem Kulturkreis zumeist ganz rational das, was dem Broterwerb dient. Es ist gewissermaßen das Kontrastprogramm zum Nichtstun oder Faulenzen. „Ohne Fleiß kein Preis“, „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ sind Leitvorstellungen zur Schaffung einer mehr oder weniger komfortablen Lebensgrundlage. Denn: „Ohne Moos nichts los!“ Ne­ben die gesellschaftliche Anerkennung eines tüchtigen Menschen kommt so der Lohn als Erfolgsmaßstab hinzu. Dieses überlebensnotwendige Geldverdienen ist oftmals mit Anstren­gung verbunden. Deshalb sind Montage oft weniger beliebt als Freitage. Viele zählen sehn­süchtig die Tage bis zum Wochenende, bis zum Urlaub oder bis zum Renteneintritt. Aber gehen wir in uns: Müssen wir arbeiten, weil wir Geld brauchen oder arbeiten wir gerne? Müssen wir Kundenfreundlichkeit demonstrieren oder lieben wir den Umgang mit den Men­schen? Müssen wir uns im Job verbiegen oder dürfen wir mit Freude unser Ich leben? Wie glücklich wäre es doch, wenn wir all diese Fragen freudig positiv beantworten könnten. Dann wäre es kein weiter Weg von der Feststellung, dass wir glücklich und erfolgreich sind hin zu der Feststellung, dass wir unsere Arbeit wirklich lieben. Das wäre dann ganz sicher auch ein Erfolg zweier Akteure, die für dieses Glück gearbeitet haben: Gewerkschaften, die über sehr lange Zeiten Verbesserungen unserer Arbeitsverhältnisse erkämpft haben und Chefs, die unter Berücksichtigung der arbeitsrechtlich normierten Gegebenheiten gute Arbeitsbedin­gungen gewährleisten.

Menschen, die ihre Arbeit lieben sind besonders motivierte Gutleister. Sie machen sich selbst und ihre Chefs glücklich. Da sich ihr Gehirn in Bestform befindet sind sie effektiv und produktiv, zuweilen auch kreativ und innovativ. Voraussetzung für das Dasein derart glückli­cher Menschen ist kein großes Gehalt, sondern oftmals einfach nur das Glück, einen Job zu haben, mit dem man ganz gut über die Runden kommt. Glück ist ein Maßstab, der nicht all­gemeingültig defi­niert werden kann. Sicher sind manche derer, die kein großes Gehalt ha­ben, zuweilen glücklicher als Menschen, die es sich zum Beispiel leisten können, auf ihrer Yacht im Hafen Sekt und Kaviar zu konsumieren, ohne dass sie dazu die Aura glücklicher Menschen aus­strahlen. Nun gibt es aber auch glückliche und honorige Menschen mit viel Geld, so wie es umgekehrt leider auch viele unglückliche Menschen gibt, die als arm definiert werden müs­sen. Die zentrale Botschaft soll lauten: All diese Menschen sind wichtig! Aber das Wichtigste: Sie können der Allgemeinheit, unserem Staat, am intensivsten dienen, wenn sie einer Arbeit nachgehen bzw. in ein Arbeitsverhältnis gebracht werden, wo die Liebe zur Arbeit glück­liche Wirkungen zeitigt, völlig unabhängig von Status, Ansehen und Beruf.

Es ist tragisch, wenn sich Menschen für einen vermeintlichen Traumberuf entscheiden, aber in diesem Beruf verschlissen werden. Überforderte Menschen können lange Gutleister sein, solange sie die Kraft dazu haben. Aber auf Dauer machen ihre Überforderungen unglücklich und krank. Dies ist nicht nur die Erfahrung vieler Kranken­schwestern, Pfleger und Ärzte. Auch in der Gastronomie und in vielen Handwerksberufen wird zuweilen auf Verschleiß ge­fahren. Damit wird durchaus Artikel 1 GG tangiert. Wenn die Würde des Menschen unan­tastbar ist, darf dem Menschen keine Arbeit zugemutet werden, die ihn überfordert und krank macht. Deshalb ist es so wichtig, das glückliche Kontrastpro­gramm als Zukunftsprogramm einzufordern.

Werfen wir noch einen tieferen Blick auf die Liebe: Die positive Psychologie sagt dazu, dass Liebe das uneigennützige Sorgen für das Wohlergehen eines anderen ist. Und dieses Wohl­ergehen wird mit guten eigenen Gefühlen belohnt. Positive Emotionen wie Liebe erweitern die Perspektive, so dass wir damit bessere Lösungen finden, besser lernen, bessere Ent­scheidungen treffen und in jeder Hinsicht erfolgreicher sind. Erfreulicherweise stecken wir andere mit positiven Gefühlen an. Mit negativen auch. Das heißt, dass Sorge dafür zu tragen ist, dass die Gefühle jedes Einzelnen in der Bilanz zu einem Betriebsklima führen, in dem sich Mitarbeiter und Kunden möglichst wohl fühlen.

Die Antwort auf die Frage nach dem „Wie denn das?“ muss vielschichtig ausfallen, da die Fallkonstellationen unterschiedlich sind. Folgende Antworten sind denkbar:

  1. Der Job ist falsch. Es gilt, die eigenen und wahren Kompetenzen zu identifizieren und sich dorthin zu entwickeln, eventuell mit Unterstützung.
  2. Die Vorgesetzten machen / der Chef / das Unternehmen macht etwas falsch. Die Prob­lemlage ist im Mitar­beiter-Vorgesetzten-Gespräch, im Personalrat bzw. Betriebs­rat, eventuell auch mit Mediatoren oder Mentoren zu analysieren. Daraufhin müssen Erkenntnisse zur Veränderung greifen.
  3. Ich mache etwas falsch. Ich lasse mich hängen, obgleich der Job gar kein schlechter Job ist. Also muss ich meine eigene Grundeinstellung überprüfen und meine dienstli­chen und privaten Dinge ins Lot bringen, um daraus neue Energien zu schöpfen.

Erfolgsmotivation funktioniert über sinnstiftende Personalentwicklungsstrategien, die Men­schen zumutbar fordern und zukunftsorientiert fördern, über unsere Freude am Tun, über Wertschätzung, über gute Kooperation von Menschen, über hierarchiefreie Zirkel, über das Zuhören von Chefs und Mitarbeitern, über eine konstruktive Streitkultur, über ein Klima, in dem Innovationen gedeihen, in dem Vorgänge gelöst und nicht zerredet werden, in dem ziel­orientierte Klarheit und Entschlossenheit die Anarchie des Stillstands besiegt usw…

Arbeitgeber müssen wissen, dass es ein vielfältiges Instrumentarium zur Problemlösung gibt. Mitarbeiter, die burn-out-gefährdet sind müssen ebenso identifiziert werden wie Mitarbeiter, die ausgesprochene Schlechtleister sind oder im Job fast arbeitslos ihr Dasein fristen. Wer dauerhaft Mega­stress hat oder sich dauerhaft in einer unproduktiven Leistungssenke befin­det, muss identifi­ziert und anschließend gefördert und gefordert werden. Im Instrumenten­koffer der Arbeitge­ber sollte außerdem ein vernünftiges Personalentwicklungskonzept ent­halten sein. Mitarbeiter wollen zumeist nicht jahrzehntelang auf der Stelle treten, keine För­derung und keine Gehaltssteige­rungen erfahren. Für viele ist es auch ratsam, alle paar Jahre eine neue Herausforderung anzuneh­men bzw. zu planen. Zudem bedarf es guter Konzepte für ein betriebskompatibles Qualitätsma­nagement, Ideen zur Optimierung des Prozessma­nagements, zur Organisationsentwicklung und schließlich auch Leitbildstrategien, die in der Kooperation mit den Betriebs- bzw. Perso­nal­räten sicherstellen, dass nicht für den Papier­korb gearbeitet wird.

Jeder tut gut daran, zu vermeiden,

  • in Stressfallen zu geraten,
  • zum Workaholiker zu werden,
  • in beruflichen Unzufriedenheiten zu versumpfen,
  • das ureigene Kreativitätspotenzial brachliegen zu lassen,
  • das Leben und die Liebe zu vernachlässigen, die in vielerlei Gewändern erlebbar sind.

Wenn wir nun unser Puzzle der drei Begriffe Arbeit, Erfolg und Liebe wieder zusammenset­zen ergibt sich folgende Aussicht:

Wenn ich erkenne, dass ich mit meiner Arbeit in allerbester Absicht Sorge dafür tragen kann, dass es mir selbst und anderen gut geht, kann ich aus einer optimierten Leistungsfähigkeit heraus handeln und sowohl erfolgreicher als auch glücklicher sein. Ich werde also mehr Freude und Sinn erleben, was zu meinem eigenen Wohlbefinden, aber auch zur doppelten Steigerung meines Erfolgs sowie des Erfolgs meines Arbeitgebers führt. Doch Achtung: Die eigene Bereitschaft, mein eigenes Wohlbefinden zu stärken und das Wohl anderer zu meh­ren setzt voraus, dass ich selbst in einem guten Zustand bin. Dann bin ich offener, sozialer, großzügiger, kreativer und leistungsstärker. Wer am Rande seiner Kraft ist hat es schwerer, Leistungsfähigkeit zu demonstrieren und Sorge dafür zu tragen, dass es anderen besser geht. Deshalb sollten wir mit der guten Absicht, für Wohlergehen sorgen zu wollen, bei uns selbst anfangen. Das trainiert und schafft die Voraussetzung dafür, dass wir nicht nur mit Liebe arbeiten wollen, sondern es auch wirklich können.

Mit Hilfe von Robert Murphys als hochmodern nachgewiesener, aber oftmals ignorierter Er­kenntnis „Nur wer seine Arbeit liebt hat darin auch Erfolg“ soll diese Analyse dazu verhelfen

  • ureigene Problemlagen zu identifizieren, die unsere Leistungsfähigkeit und Motivation hemmen sowie
  • Arbeitgeber dafür sensibilisieren, die Leistungsfähigkeit und Motivation ihrer Beschäf­tig­ten zu stimulieren.

Die brachliegenden Potenziale für glückliche und damit erfolgreiche Arbeit muss man als gigantisch bewerten. Die Milliarden, die Krankenkassen nachweisbar Jahr für Jahr für psy­chische Belastungen in der Arbeitswelt aufwenden (siehe z.B. AOK-Fehlzeiten-Report) sollten von den Arbeitgebern als Herausforderung begriffen werden, hinter die Kulissen zu schauen. Die Prob­lemlösung muss ganzheitlich betrachtet werden, mit dem Menschen und seinem Wohlerge­hen im Mittelpunkt.

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