Spielplatz Matrix

von Ibrahim Evsan17.06.2010Gesellschaft & Kultur, Medien

Reale Welt und Cyberspace verschmelzen dank Social Media immer mehr. Durch Onlinegames wie World of Warcraft entwickelt sich Social Gaming zunehmend zur zweiten Heimat im Web, in der soziale Beziehungen gepflegt werden.

Social Media ist ein weit gefasster Begriff, der sich in seinen Bedeutungen ständig durch neues Nutzungsverhalten der User erweitert. Social Media meint längst nicht mehr nur die reine Interaktion in sozialen Netzwerken, Social Media hat sich von der reinen Kommunikation zu einem Begriff für das neue Selbstverständnis der Onliner gewandelt. Man könnte sagen, das reale Leben hat das Internet erreicht, die Trennung des realen Lebens vom virtuellen Leben im Internet existiert nicht mehr, wir haben uns einen neuen Lebensraum eröffnet.

Social Media zu nutzen ist fluffig-leicht geworden

Das betrifft besonders den früher als Social-Media-Cyberspace bezeichneten Raum, der mittlerweile für die Masse der Onliner zur gelebten Realität geworden ist. Dieses oft als “Social Media Revolution” bezeichnete Phänomen ist erst durch den Erfolg der Megatrends Google, Facebook und Twitter möglich geworden. Die Megatrends konnten sich nur deshalb etablieren, weil wir zum ersten Mal in der Geschichte des Internets die Technik hinter den Anwendungen nicht mehr bemerken. Social Media zu nutzen ist fluffig-leicht geworden, weil wir uns dank der Services der digitalen Supermächte ganz auf die Inhalte von Social Media konzentrieren können, ohne uns um die technischen Voraussetzungen kümmern zu müssen. Das führt dazu, dass wir mittlerweile zwischen den verschiedensten Social-Media-Anwendungen hin- und herspringen, um das ganze Spektrum unseres realen Lebens auch in der digitalen Welt abbilden zu können. Millionen Menschen schaffen sich durch ihre sozialen Netzwerke eine real-fiktive Umgebung, die für viele zur zweiten Heimat wird. Die Parallelwelt im Netz ist zur zweiten Wirklichkeit in unserem Alltag geworden. Das Geflecht aus Beziehungen des realen Lebens – Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Vorgesetzte, Mitbewohner des Hauses, des Stadtteils usw. – wird mithilfe von Social Media in den Cyberspace übertragen und findet dort sein Pendant. Noch vor relativ kurzer Zeit waren Informationssuche und Konsum die treibenden Kräfte im Internet und ließen die digitalen Supermächte Google, Ebay und Amazon entstehen. Damit waren jedoch nicht alle grundlegenden Bedürfnisse des Menschen im Internet abgebildet; das elementare Bedürfnis nach Kommunikation wurde erst durch Social Media wie Blogs, Twitter, Facebook und andere Entwicklungen in breitem Umfang möglich. Facebook ist sogar mit derzeit fast 500 Millionen Nutzern und einer sehr starken Zuwachsrate zum neuen “Betriebssystem des Internets” geworden und könnte zum größten Kommunikationsmedium unseres Planeten werden. Mit diesem neuen Betriebssystem werden “alte” Kommunikationsformen wie zum Beispiel E-Mail beinahe überflüssig, weil die Menschen innerhalb ihres sozialen Netzwerks alle Kommunikationsformen nutzen können, ohne die eigene Plattform verlassen zu müssen; dazu bietet Facebook viele Möglichkeiten an, um sich miteinander zu unterhalten und auszutauschen.

Es geht um die Übertragung des realen Lebens in die digitale Welt

Dem heutigen Menschen genügt es eben nicht mehr, nur Teile seines Lebens im Internet wiederzufinden, er will sein Leben auch im Internet leben und durch das Internet organisieren. Damit ist dann gleichzeitig der Grundstein für eine weitere Anforderung an das Internet gelegt worden, die sich in der letzten Zeit rasant, geradezu explosionsartig weiterentwickelt: das Social Game. Auch hier war der Trend zunächst, Spiele zu schaffen, die einen Teilbereich des Lebens abbildeten: Strategiespiele, die es den Spielern ermöglichten, in Rollen zu schlüpfen, die zur Erfüllung des Spielauftrags nötig sind. Zuerst natürlich als Offlinespiele, die man installieren musste, bevor man sie spielen konnte. Mittlerweile gibt es aber auch bei den Spielen keine technischen Hürden mehr, weil die Spiele direkt im Browser gespielt werden. Besonders weit verbrietet ist World of Warcraft, weil es sowohl das Spielen als Einzelspieler als auch das Spielen in Gemeinschaften zulässt und eine unglaubliche Spieltiefe, aber auch ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotenzial hat. Die neue Generation von Spielen jedoch beschränkt sich nicht mehr darauf, das Leben nur in Teilbereichen oder in “Traumwelten” abzubilden, die heute wirklich erfolgreichen Spiele sind die, die das reale Leben integrieren können. Es geht nicht mehr um Unterhaltung und Spaß in realitätsfernen Galaxien, es geht um die Übertragung des realen Lebens in die digitale Welt. Der Aufbau und die Pflege von Freundschaften sind im realen wie im virtuellen Leben gleich wichtig, daher müssen moderne Spiele auch diese Anforderung erfüllen. Man spielt nicht mehr allein, sondern über viele Plattformen verteilt mit seinen Freunden, auch in kurzen Arbeitspausen oder unterwegs, Smartphones machen es möglich. Spielen ist längst zum Freundschaftsbeweis-Tool geworden, indem man anderen hilft, die gesteckten Ziele zu erreichen. Kurz gesagt: Social Media wird zu Social Gaming.

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