Transparenz und das Recht auf gesunde, sichere, ausreichende Ernährung ist ein Bürgerrecht. Thilo Bode

Instinkt im digitalen Zeitalter

Illegales Downloaden zählt zu einer der Lieblingsbeschäftigungen der jüngeren Generation. Abgesehen von der kriminellen Handlung entwickeln sie auf diese Weise sinnvolle Möglichkeiten, Wissen neu zu sortieren – und komplexes Denkvermögen fördern sie gleich mit.

In einem Gespräch mit einem Jugendlichen wurde mich erst klar, dass es eine Art Sammelsucht gibt. Beim Sammelsüchtigen geht es nicht um das illegale Sammeln von Daten, sondern darum, ein einmal gesetztes Ziel zu erreichen. Ein Ziel kann sein, dass man alle Künstler von A–Z in einem Archiv speichern möchte.

Ich unterhalte mich gern mit Menschen darüber, was sie über die verschiedenen digitalen Themen denken. Bei einem dieser Gespräche erzählte mir ein 17-Jähriger, dass er sich sehr viele Musikstücke als MP3 aus dem Internet heruntergeladen hätte. Auf die Tatsache angesprochen, dass dieses Verhalten illegal sei und ihn zu einem Kriminellen machen würde, erklärte er mir, dass er nach kurzer Zeit einfach nicht mehr damit aufhören konnte, mehr und mehr Songs herunterzuladen. Er hätte eine regelrechte Besessenheit entwickelt, so viele Lieder wie nur irgend möglich auf seiner Festplatte zu speichern.

Sinnvolle Beschäftigung

Dieser Jugendliche hatte überhaupt kein Unrechtsbewusstsein bei seinen illegalen Downloads, er redete sich damit heraus, dass „das ja alle machen“. Es ging ihm gar nicht darum, die Musikstücke alle zu hören, er schaffte sich damit vielmehr eine Freizeitbeschäftigung, indem er die MP3-Dateien auf seiner Festplatte nach Musikrichtung, Sprache, Interpreten, persönlicher Bewertung und Qualität ordnete. Der junge Mann war – in seinen Augen sinnvoll – beschäftigt.

Das Ziel seiner Sammlung war es, alle Lieder seiner Lieblingsstile vollständig in seinem Computer verfügbar zu haben. Auch wenn dieses Beispiel sicher extrem ist, so müssen wir uns darüber klar werden, dass das, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, heute die Realität ist.

Das Internet fördert komplexes Denkvermögen

Es scheint mir, dass einige Menschen heute viel weiter gefasste Möglichkeiten haben, ihre Interessen zu verfolgen, Nachrichten auszuwerten, Wissen neu zu sortieren und das alles in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Die Komplexität des Internets scheint ein komplexeres Denkvermögen zu fördern, wenn es ein mehr oder weniger sinnvolles Ziel gibt, das der Nutzer verfolgen kann. Sprachkenntnisse, Wissen über moderne Informations- und Kommunikationstechnik und eine strukturierte Vorgehensweise scheinen dabei ganz nebenbei gelernt zu werden.

Was für eine unfassbare Zeit. Alles fließt, alles ändert sich.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Ibrahim Evsan: Ein neuer Typus Mensch

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