Wer zu doof ist, ein Loch in die Wand zu bohren, ist definitiv ungeeignet, ein AKW zu betreiben. Renate Künast

Das Freundschaftsverstärkungs-Tool

Freundschaften zu pflegen wird in unserer schnelllebigen Zeit immer schwieriger – doch das Web schafft auch hier Abhilfe: Mit virtuellen Gütern können Nutzer ihren Freunden etwas Aufmerksamkeit schenken. Ganz nebenbei könnte die Werbeindustrie damit auch ein neues Geschäftsmodell entwickeln.

Virtual Goods sind vielen Menschen, natürlich zuerst denjenigen, die gern spielen, ein Begriff geworden. Virtual Goods sind ein geeignetes Mittel, um anderen eine Freude zu machen. Schließlich kommunizieren wir im Internet nicht nur mit unseren besten Freunden, wir treffen viele Menschen, die uns unterschiedlich nahe stehen.

Meinen besten Freund Roberto sehe ich im richtigen Leben häufiger, wir gehen Kaffee trinken oder unternehmen etwas. Im Web spreche ich auch mit Menschen, die ich nicht dauernd sehen kann. Aufmerksamkeit ist das zentrale Element einer Freundschaft, neben Zeit natürlich. Wenn mir jemand Aufmerksamkeit schenkt, dann weiß ich, dass ich wichtig für ihn bin. Aber leider scheitert dieser Freundschaftsbeweis sehr oft an der fehlenden Zeit und kann durch moderne Kommunikationsformen wie zum Beispiel Twitter in persönlicher und wertschätzender Form nur sehr unzureichend ersetzt werden. 

Der Sinn des Schenkens

Virtual Goods können da eine wichtige Rolle spielen, wenn man sie – wie jedes Geschenk – von Herzen verschenkt und nicht nur ihren materiellen Wert sieht; sie werden zum Freundschaftsverstärkungs-Tool. Beispielsweise kann ich jemandem dabei helfen, bei Farmville eine Farm zu errichten oder seine Ernte einzubringen. Das kann mich Zeit oder Geld kosten, aber der eigentliche Sinn ist es, einem anderen eine Freude in einer Sache zu machen, die ihm wichtig ist. Das ist schließlich der Sinn des Schenkens. So sind virtuelle Güter ein wichtiger Teil von Social Games geworden.

Aus diesen Freundschaftsbeweisen könnten in Zukunft ganz neue Freundschaftspyramiden entstehen, die vorher noch nicht so sichtbar waren. Beispielsweise habe ich bei Facebook schon Probleme, meine Freunde und Bekannten nach “best friend” oder deren Interessengebieten zu sortieren. Aber dieser Ausbau der sozialen Anteilnahme und Kategorisierung wird sicher bald kommen.

Life-Line-Marketing als neue Werbeform

Wirtschaftlich betrachtet wird das auch gleich zu einer ganz neuen Form von Werbemöglichkeiten führen. Der Begriff hierfür könnte Life-Line-Marketing sein. Die Werber müssen sich jetzt darauf konzentrieren, wo ich mich befinde, mit wem ich unterwegs bin und was wir für gemeinsame Interessen haben. Dann kann dazu an dem Ort, an dem wir uns befinden, die passende, vielleicht sogar hilfreiche Werbung geschaltet werden, die mir nicht das Gefühl von Konsum, sondern von persönlichem Service gibt.

Virtuelle Güter können in der Realität einen großen Effekt haben, wenn man sie richtig einzusetzen weiß. Wir müssen lernen, mit dieser neuen Form von Freundschaftsbeweisen umzugehen, in freundschaftlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Ibrahim Evsan: Ein neuer Typus Mensch

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