In der Welt ist es leider zu oft so, dass Menschen den Geldwert einer Sache mit deren tatsächlicher Wertigkeit assoziieren. Peter Silverman

Es muss einen neuen Datenschutz-Vertrag geben

Der klassische Datenschutz muss auf den Prüfstand – doch vor allem die Onliner müssen lernen, sorgfältiger mit ihren Daten umzugehen. Der Gesetzgeber ist zwar gefragt, doch bis er seine Pflicht wird erfüllen können, werden Jahre vergehen.

Mit dem klassischen Datenschutz werden wir nicht weiterkommen. Deshalb wird der Datenschutz national und international auf dem Prüfstand stehen. Die Entwicklung im Internet geht so schnell voran, dass es dem deutschen Gesetzgeber kaum gelingen kann, seine Bürger vor allen Datenschutzrisiken zu schützen. Die bestehenden Gesetze sind nach meiner Meinung nicht mehr wirklich ausreichend, besonders im Umgang mit den digitalen Supermächten wie Google, Amazon, Apple, Facebook usw. Zudem bieten nationale Gesetze natürlich keinen Schutz gegen die globalen Herausforderungen. Deswegen sehe ich für eine gemeinsame internationale Lösung kaum Chancen. Denn eine weitere Entwicklung läuft dem Datenschutz direkt zuwider: Die Nutzer geben ihre Daten freiwillig an und wissen gar nicht genau, was mit ihren Daten geschieht, weil ja kaum noch jemand die AGB eines Services wirklich durchliest und sich die Folgen bewusst macht.

Wir brauchen mehr Medienkompetenz

Deshalb müssen wir über eine komplette Änderung des Datenschutzes nachdenken. Was gibt es denn noch zu schützen, wenn ich als Onliner meine gesamten Daten bereits im Internet verteilt habe? Wir müssen vor dem Datenschutz beginnen. Wir müssen uns bewusst machen, was der “Preis” für die Nutzung von Services ist: im Prinzip unsere persönlichen Lebenskoordinaten, unsere persönlichen Daten. Wir brauchen mehr Medienkompetenz, damit wir unsere digitale Selbstbestimmung auch wahrnehmen können. Was nützt sonst ein Gesetz, wenn die Bürger ihre Rechte schon aufgegeben haben?

Wir Onliner müssen unser eigenes Verhalten überprüfen und kritisch bleiben

In erster Linie wird es in Zukunft darum gehen, dass wir uns selbst schützen lernen. Der Ruf nach dem Staat und seinen Gesetzen ist doch unsinnig, wenn ich selbst alle meine Rechte selbst aufgebe. Was soll dann der Staat noch schützen? Wir leben in einer Zeit des rasanten Wandels und sind gezwungen, uns sehr schnell an neue Dinge anzupassen. Ich bin in einer Kommission zum Thema Datenschutz. Dort haben wir festgestellt, dass so viele Gesetze geändert werden müssten und so viele alte Gerichtsurteile im Bezug auf die jetzt neuen Datenschutz-Anforderungen auf die heutige Zeit angepasst werden müssten, dass das Jahrzehnte dauern kann. Das ist aber zu lange, wir Onliner müssen unser eigenes Verhalten überprüfen und kritisch bleiben, auch wenn “alles umsonst” scheint; das ist es eben nicht.

Ibrahim Evsan ist Autor des Buches Der Fixierungscode: Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen (Zabert Sandmann Verlag)

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Ibrahim Evsan: Ein neuer Typus Mensch

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