Das Internet wird emotional

Ibrahim Evsan31.03.2010Gesellschaft & Kultur, Medien

Maschinen werden Gefühle erkennen und das Netz emotionalisieren. Statt kalter Funktionalität erwartet uns beim Log-in dann heimelige Gefühlsregung. Und Augmented Reality, erweiterte Realität, wird ebenfalls in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, weil die Technik faszinierende Möglichkeiten bietet.

Die neue große Entwicklung ist Realtime-Web. Wir suchen und kommunizieren heute in Echtzeit. Hierbei wird das Internet emotional: Gebe ich zum Beispiel einen Namen ein, werde ich sehr schnell sehen können, wie sich die Person, nach der ich suche, gerade fühlt. Dieser Service wird die Welt schon ein Stück weit verändern, denn die virtuelle Welt kommt der realen wieder ein Stück näher. Die “Maschinen” wissen dann nicht nur, was ich suche, was mich interessiert und wo ich bin, sie wissen auch, wie ich mich fühle. Das wiederum wird dann sicher dazu führen, dass die Webseiten, die ich besuche, sich meinem momentanen Gefühlsleben in irgendeiner Weise anpassen werden. Webseiten werden tatsächlich “emotional”. Das Realtime-Web weiß dann tatsächlich alles über mich.

Die Funktionalität ist kaum noch zu verbessern

Auf der Produktentwicklungsseite werden wir erleben, dass Endgeräte immer ästhetischer werden, eben deshalb, weil die Funktionalität kaum noch zu verbessern ist, sie ist schon bei den meisten Geräten intuitiv. Beispiele sind dabei das iPhone und das iPad, die in Funktion, Bedienung und Design Maßstäbe gesetzt haben. Was natürlich sehr spannend ist, ist die Augmented Reality. Ein Freund von mir bastelt zurzeit an einer Lösung für einen Immobilien-Anzeiger. Man fotografiert in einer Stadt einen Straßenzug und das System erkennt, was das für eine Straße ist, und zeigt dann automatisch an, ob dort irgendwelche Wohnungen frei sind. Dann kann man direkt vor die Wohnung hingehen, die Kamera davor halten und dann die ganzen Bilder der Wohnung sehen. Eine ziemlich krasse Geschichte, wie ich finde.

Herausforderung Datenschutz

Ein anderer Bekannter von mir aus den USA arbeitet derzeit an einem sehr interessanten Projekt. Dabei fotografiert man eine Person, zum Beispiel in der Disco oder im Café, und dann wird automatisch über eine Gesichtserkennung angezeigt, wer die Person ist. Das Programm zeigt automatisch, ob man zusammenpasst, indem die im Internet gespeicherten Daten zusammengeführt und bewertet werden. Also, wenn man sich das alles anschaut, dann wird die nächste große Geschichte im Netz nicht eine der Technik, eines neuen Produkts oder einer neuen Anwendung sein, sondern der Datenschutz – auf internationaler Ebene. Da werden gewaltige politische Themen auf uns zukommen. *Ibrahim Evsan ist Autor des Buches Der Fixierungscode: Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen (Zabert Sandmann Verlag)*

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