Dauerhaft kann man keine Politik gegen die Grundrechenarten machen. Volker Beck

Ein weiterer Kampf der digitalen Supermächte

Apple hat sich in den letzten fünf Jahren mächtige Marktgegner ausgesucht: Google und Amazon. Mit seinen stylischen Endprodukten und dem geschlossenen Verkaufssystem iTunes hat das Unternehmen von Steve Jobs eine einzigartige Erfolgsgeschichte hingelegt, die jetzt in einem iShop münden könnte.

Wenn man den Werdegang von Apple als innovatives Unternehmen und als Logistikdienstleister betrachtet, fällt sofort auf, dass Apples Logistik erst in den letzten fünf Jahren zu den Standards gefunden hat, die der Markt und die Verbraucher erwarten. Noch vor wenigen Jahren wartete man auf sein Apple-Produkt viele Wochen, nicht wegen der knapp kalkulierten Auflagen, sondern aufgrund mangelhafter Logistik.

Apps organisieren mittlerweile das Leben von Millionen von Menschen

Amazon dagegen hat es auf vorbildliche Art und Weise geschafft, seine Kunden mit seinem eigenen Angebot, seinem Anbieternetz und seiner Versandlogistik zu “verzaubern”. Auf faszinierende Weise schaffte es der Amazon-Shop vor fünf bis sechs Jahren noch, dass ich massenhaft CDs und DVDs bei dem neuen Großhändler kaufte, der ja eigentlich der größte Buchhändler der Welt war; eine Wandlung vom Buchhändler zum realen Großhandelsunternehmen für Unterhaltungselektronik und -medien.

Der iPod war dann Apples erstes Produkt, das den ganzen Unterhaltungsmarkt aufrollen sollte. Mit iTunes bekam Apple die Rolle eines Musik- und Videogroßhändlers. Der Erfolg des iPhones beruhte nicht in erster Linie darauf, dass man besonders gut telefonieren konnte, sondern auf den Apps und dem App-Store. Apps organisieren mittlerweile das Leben von Millionen von Menschen. Das iPad ist ein Tablet-Computer und ein eBook-Reader. Doch in erster Linie ist es der Beweis, dass Apple sich nicht nur mit Google, sondern auch noch mit Amazon in deren Kerngeschäften anlegt: bei Google die Werbung, bei Amazon der digitale Buchmarkt.

iShop ist das “one more thing”

Google und Amazon erreichen ihre Kunden über das Internet, ein relativ offenes Medium. Apple erreicht seine Kunden über iTunes, ein geschlossenes System, aber Apple hat es verstanden, Endprodukte zu schaffen, die die Nutzer an seinen Shop, sein “eigenes kleines Internet” binden. Apple hat es verstanden, Produkte zu entwickeln, die man in sein Leben einbindet.

iShop ist das “one more thing”, von dem Steve Jobs bis jetzt noch nicht gesprochen hat. Denn iShop kann auf der Basis der iPod-, iPhone- und iPad-Nutzer das Shopsystem der Zukunft werden, eben weil es auch gleich die Endgeräte zur Verfügung stellt, um die Produkte zu bewerben, zu verkaufen und die Zahlungen abzuwickeln. Man hat den ganzen “one-click-Shop” als Apple-Kunde immer bei sich; bequemer geht es nicht mehr.

Dann hätte sich der Handel im Internet virtualisiert unter der Dachmarke Apple und somit hat Apple einen neuen großen Gegner: Amazon.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Ibrahim Evsan: Ein neuer Typus Mensch

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