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Der Kritiker des Elchs

Bei so viel ausgiebiger Kritik an Doktor a.D. zu Guttenberg muss ein Einwurf erlaubt sein. Der Medienforscher Professor Dr. Lutz Hachmeister mag den Verteidigungsminister zu Recht kritisieren, ein Blick in dessen Vergangenheit offenbart jedoch Erstaunliches.

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„Wir klagen niemanden an. Wir kennen die biblischen Bezüge von Splittern und Balken im Auge von Heuchlern und selbstgerechten Richtern. Aber um für die Wissenschaft und die intellektuelle Würde zu retten, was zu retten ist, werden wir unseren Doktortitel solange nicht führen, solange Freiherr zu Guttenberg noch als Minister dieses Land vertritt.“

Klare Worte, geschrieben von Professor Dr. Lutz Hachmeister, Medienforscher und Hochschullehrer. Es gibt keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass der Herr Professor seine akademischen Titel auf anständige Weise erworben hat. So besehen ist sein Eintreten für die „intellektuelle Würde“ nachvollziehbar. Wenngleich sich der Eindruck aufdrängt, hier wolle einer als Trittbrettfahrer des Herrn zu Guttenberg mediales Interesse genießen.

Ab in die Ecke

Was Professor Dr. Hachmeister zu Recht so verabscheut, nämlich das Abkupfern ohne größere Recherchen und korrekte Quellenangaben, ist dem Publizisten Hachmeister aber billig. In seinem Buch „Nervöse Zone“ (2007) wollte der Publizist Hachmeister einen anderen Publizisten hinrichten. Er tat, was sich kritisch gebende Geister bei Konservativen so gerne tun. Er stellte ihn in die rechte Ecke, indem er dem anderen ein vermeintliches Zitat unterschob: „Rechts neben mir ist nur noch die Wand.“

Der so Disqualifizierte ließ sich das nicht gefallen, verlangte von dem hoch mögenden Wissenschaftler Auskunft, wo und wann er das denn gesagt haben soll. Die Antwort war zunächst Schweigen. Als der an die rechte Wand Gedrückte anwaltliche Hilfe in Anspruch nahm, ließ Hachmeister über seinen Anwalt mitteilen, das „Zitat“ stamme aus der Zeitung „Der Freitag“. Das sich damals als „Ost-West-Wochenzeitung“ bezeichnende Blatt verteidigte sich so: Die inkriminierte Aussage stamme aus einem Artikel der „taz“. Die „tageszeitung“ konnte aber auch keine Quelle für das Zitat angeben.

Für seinen versuchten Rufmord hat der habilitierte und promovierte Lutz Hachmeister ein nicht belegtes Zitat abgeschrieben, das seinerseits abgeschrieben war. Zur Strafe musste er damals die nicht ausgelieferten Bücher an der entsprechenden Stelle überkleben lassen, was seinen Verlag wegen der damit verbundenen Kosten „für die Zukunft der Sachbuchpublizistik nichts Gutes ahnen“ ließ.

Wir wundern uns

Nun könnte der Wissenschaftler Hachmeister einwenden, er habe – anders als zu Guttenberg – nur als Publizist gefehlt, nicht als Doktorand. Dann würde er ähnlich argumentieren wie die Bundeskanzlerin, die zwischen dem „Doktor“ zu Guttenberg und dem Politiker zu Guttenberg unterscheidet. Wobei sie offenbar übersieht, dass ein und dieselbe Person nur glaubwürdig oder unglaubwürdig sein kann – aber nicht beides zugleich.

Nein, wir klagen niemanden an. Aber wir wundern uns schon – über die Chuzpe des adeligen Herrn wie über die des habilitierten Retters der Wissenschaft.

PS: Ich habe auch etwas gegen „selbstgerechte Richter“. Deshalb hier mein Geständnis: Herr Professor Dr. Hachmeister hat das frei erfundene, von ihm (ohne Fußnote) abgeschriebene Zitat mir in den Mund gelegt. Nicht wissenschaftlich belegt – aber in eindeutig politischer Absicht.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Mark Kayser, Kai Wegrich, Ernst Elitz.

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