Steuerflucht mit Orden

von Hugo Müller-Vogg20.12.2012Innenpolitik

Steuerflüchtling Franz Beckenbauer sitzt gern bei Bayern München und fachsimpelt über Fußball, Gott und die Welt – aber garantiert nicht über Patriotismus und Anstand. Die bayerische Politik steckt ihm trotzdem einen Orden an.

„Ja is’ denn heut’ scho’ Weihnachten?“ Nein, noch nicht ganz. Aber unser „Kaiser“ wurde neulich schon beschert – mit der Bayerischen Verdienstmedaille. Damit ehrt der Freistaat Franz Beckenbauer „für seine herausragenden Verdienste um den deutschen Sport und die Gründung der Franz-Beckenbauer-Stiftung“.

Beckenbauer, der Göttergleiche, hat schon so viele Orden und Ehrenzeichen erhalten, dass eine Aufzählung die für Kolumnen dieser Art vorgeschriebene Textmenge überschreiten würde. Da kommt es auf eine Medaille, Anstecknadel oder Schleife auch nicht mehr an. Eigentlich.
Aber eines stört doch: In einer Zeit, in der der rot-grün-rote Teil des politischen Lagers alle Großverdiener zur Kasse bitten möchte (höherer Spitzensteuersatz, Vermögensteuer, Vermögensabgabe, höhere Erbschaftsteuer usw.), ehrt ausgerechnet der Freistaat Bayern einen Steuerflüchtling. Denn der „Kaiser“ residiert seit 1982 in Österreich. Nicht, weil dort die Landschaft noch schöner ist als in Bayern, sondern weil er dort weniger Steuern zahlen muss. Geld macht geil – geil aufs Steuersparen.

Ein bisschen Schwund ist halt immer

Um nicht missverstanden zu werden: Der „Franzl“ tut nichts Illegales. Er ist nur ein Trittbrettfahrer. Mögen der Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland den Sport doch mit dem Geld subventionieren, das sie vorher ehrlichen Steuerbürgern abgenommen haben – unsere Fußballlegende macht sich da einen schlanken Fuß: Wer hierzulande Steuern zahlt, ist wohl selber schuld.

Das Ganze ist auch deshalb pikant, weil die von den Fans verehrte, von den Frauen umschwärmte und von der Politik (einschließlich Kanzlerin) hofierte deutsche Fußballlegende vor gar nicht allzu langer Zeit mit dem deutschen Fiskus einen Deal gemacht hat. Es war im Jahr 1999, als der Ex-Mittelstürmer Gerhard Schröder Kanzler, Oskar Lafontaine Finanzminister und unser Ex-Libero Organisationschef für die Fußball-WM 2006 waren.

Das spätere Sommermärchen nahm seinen Anfang, als Franz und Oskar in Bonn aushandelten, dass der milliardenschwere Fußballweltverband FIFA in Deutschland natürlich keine Steuern zahlen muss. Da waren sich der Steuerflüchtling Beckenbauer und der Umverteilungsspezialist Lafontaine einig: Eher spielt der SV Wehen in der Champions League, als dass der deutsche Steuerzahler für das Millionenspiel Fußball kein kleines Fiskalopfer bringen muss. Ein bisschen Schwund ist halt immer.

Patriotismus und Anstand?

Auch wenn’s schon einige Zeit her ist: Ein paar Jahre nach dem rot-grünen Steuerdeal mit dem deutsche Steuern vermeidenden Fußball-Helden schimpfte Kanzler Schröder über Unternehmer und Sportler, „die alle Annehmlichkeiten dieses Landes in Anspruch nehmen“, aber hier keine Steuern zahlen. Schröders Urteil: „Solche Leute verhalten sich unpatriotisch. Mit denen kann man keinen Staat machen.“ Sein Straf-Vorschlag: „Wir sollten dieses Verhalten gesellschaftlich ächten.“

Schöne Worte, wohl gesprochen – selbstverständlich ohne Folgen. Auch Kanzler Schröder sonnte sich weiterhin im Glanze Beckenbauers – so wie jetzt der Freistaat Bayern samt seinem Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Auch dessen Vor-Vorgänger Edmund Stoiber sitzt mit dem Steuerflüchtling Beckenbauer gern bei Bayern München zusammen und fachsimpelt mit ihm über Fußball, Gott und die Welt – aber garantiert nicht über Patriotismus und Anstand.

„Ja is’ denn heut’ scho’ Weihnachten?“ Für den „Franzl“ gilt das – steuerlich gesehen – schon seit 30 Jahren. Und er muss nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben. Würden denn all die hochmögenden Politiker ihn so hofieren, wenn er was Unrechtes täte? Was für eine schöne Bescherung!

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