Der Kritiker des Elchs

Hugo Müller-Vogg1.03.2011Medien, Politik

Bei so viel ausgiebiger Kritik an Doktor a.D. zu Guttenberg muss ein Einwurf erlaubt sein. Der Medienforscher Professor Dr. Lutz Hachmeister mag den Verteidigungsminister zu Recht kritisieren, ein Blick in dessen Vergangenheit offenbart jedoch Erstaunliches.

„Wir klagen niemanden an. Wir kennen die biblischen Bezüge von Splittern und Balken im Auge von Heuchlern und selbstgerechten Richtern. Aber um für die Wissenschaft und die intellektuelle Würde zu retten, was zu retten ist, werden wir unseren Doktortitel solange nicht führen, solange Freiherr zu Guttenberg noch als Minister dieses Land vertritt.“ “Klare Worte, geschrieben von Professor Dr. Lutz Hachmeister, Medienforscher und Hochschullehrer(Link)”:http://carta.info/38447/ein-akademischer-faelscher-kann-kein-minister-bleiben-ein-aufruf/. Es gibt keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass der Herr Professor seine akademischen Titel auf anständige Weise erworben hat. So besehen ist sein Eintreten für die „intellektuelle Würde“ nachvollziehbar. Wenngleich sich der Eindruck aufdrängt, hier wolle einer als Trittbrettfahrer des Herrn zu Guttenberg mediales Interesse genießen.

Ab in die Ecke

Was Professor Dr. Hachmeister zu Recht so verabscheut, nämlich das Abkupfern ohne größere Recherchen und korrekte Quellenangaben, ist dem Publizisten Hachmeister aber billig. In seinem Buch „Nervöse Zone“ (2007) wollte der Publizist Hachmeister einen anderen Publizisten hinrichten. Er tat, was sich kritisch gebende Geister bei Konservativen so gerne tun. Er stellte ihn in die rechte Ecke, indem er dem anderen ein vermeintliches Zitat unterschob: „Rechts neben mir ist nur noch die Wand.“ Der so Disqualifizierte ließ sich das nicht gefallen, verlangte von dem hoch mögenden Wissenschaftler Auskunft, wo und wann er das denn gesagt haben soll. Die Antwort war zunächst Schweigen. Als der an die rechte Wand Gedrückte anwaltliche Hilfe in Anspruch nahm, ließ Hachmeister über seinen Anwalt mitteilen, das „Zitat“ stamme aus der Zeitung „Der Freitag“. Das sich damals als „Ost-West-Wochenzeitung“ bezeichnende Blatt verteidigte sich so: Die inkriminierte Aussage stamme aus einem Artikel der „taz“. Die „tageszeitung“ konnte aber auch keine Quelle für das Zitat angeben. Für seinen versuchten Rufmord hat der habilitierte und promovierte Lutz Hachmeister ein nicht belegtes Zitat abgeschrieben, das seinerseits abgeschrieben war. Zur Strafe musste er damals die nicht ausgelieferten Bücher an der entsprechenden Stelle überkleben lassen, was seinen Verlag wegen der damit verbundenen Kosten „für die Zukunft der Sachbuchpublizistik nichts Gutes ahnen“ ließ.

Wir wundern uns

Nun könnte der Wissenschaftler Hachmeister einwenden, er habe – anders als zu Guttenberg – nur als Publizist gefehlt, nicht als Doktorand. “Dann würde er ähnlich argumentieren wie die Bundeskanzlerin(Link)”:http://www.theeuropean.de/debatte/5814-plagiatsvorwuerfe-gegen-guttenberg, die zwischen dem „Doktor“ zu Guttenberg und dem Politiker zu Guttenberg unterscheidet. Wobei sie offenbar übersieht, dass ein und dieselbe Person nur glaubwürdig oder unglaubwürdig sein kann – aber nicht beides zugleich. Nein, wir klagen niemanden an. Aber wir wundern uns schon – über die Chuzpe des adeligen Herrn wie über die des habilitierten Retters der Wissenschaft. PS: Ich habe auch etwas gegen „selbstgerechte Richter“. Deshalb hier mein Geständnis: Herr Professor Dr. Hachmeister hat das frei erfundene, von ihm (ohne Fußnote) abgeschriebene Zitat mir in den Mund gelegt. Nicht wissenschaftlich belegt – aber in eindeutig politischer Absicht.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Boyan Slat ist die bessere Greta Thunberg

Die Schwedin Greta Thunberg gilt als Klimaikone. Aber bei genauer Betrachtung ist die Klimakaiserin nackt! Der smarte Niederländer Boyan Slat hingegen ist weniger bekannt, aber Greta gegenüber mit seinem Klimapragmatismus weit voraus. Aber wer ist der junge Mann aus Delft? Und viel wichtiger: Waru

Kevin Kühnert wird der (über)nächste SPD-Vorsitzende

Ich wette, Kevin Kühnert wird den (noch nicht gewählten) SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und seine Partnerin Saskia Esken ablösen. Sie glauben das nicht? Immerhin hatte ich schon öffentlich eine Wette angeboten, dass die beiden bei der Stichwahl zum SPD-Vorsitz als Sieger hervorgehen,

Was bedeutet der Sieg von Walter-Borjans und Esken?

Der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken sind von der SPD-Basis zum neuen Duo an der Parteispitze gewählt worden. In der Stichwahl setzten sich die beiden Kandidaten klar mit 53,06 Prozent gegen den Vizekanzler Olaf Scholz

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener

Besserverdienende sind deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Geringverdiener, wie eine aktuelle Studie belegt

Winfried Kretschmann - Wir müssen die Disruption des öffentlichen Raums verhindern

Wie kann es uns gelingen, die fragmentierte Öffentlichkeit wieder zusammen zu führen? Wie können wir Brücken zwischen der ganzen Fülle unterschiedlichster Gruppen bauen? Müssen wir vielleicht den Ort erst schaffen, an dem ein gemeinsamer Diskurs wieder möglich wird?

Rentner zahlen sechsmal so viel Steuern wie Erben

Rentnerinnen und Rentner, die in diesem Jahr in Rente gehen, zahlen bis zu fünfmal mehr Steuern, als Rentnerinnen und Rentner, die 2010 in Rente gegangen sind. Und das bei gleicher Rentenhöhe, die seitdem real an Kaufkraft verloren hat. Dass die Finanzämter selbst bei einer Bruttorente von 1200 E

Mobile Sliding Menu