Den Rentnern geht es so gut wie nie

von Hubertus Pellengahr31.03.2017Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft

Nach Meinung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) steht’s schlecht um unsere Rente. Weil das Rentenniveau sinkt, drohe den Rentnern in Zukunft eine Minirente, die für viele nicht mehr zum Leben reiche. Doch nichts davon stimmt.

Nach Meinung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) steht’s schlecht um unsere Rente. Weil das Rentenniveau sinkt, drohe den Rentnern in Zukunft eine Minirente, die für viele nicht mehr zum Leben reiche. Schlussfolgerung des DGB: Die Reduzierung des Rentenniveaus müsse mindestens gestoppt, am besten jedoch sollte es wieder auf 50 Prozent erhöht werden, sonst sei massenhafte Altersarmut programmiert.

Doch nichts davon stimmt. Weder droht die Altersarmut dramatisch zu steigen, noch sinken die Renten – es sei denn, man unterstellt, dass es in Zukunft keine Lohnsteigerungen mehr gäbe, was allerdings sehr verwunderlich wäre, da es doch die ureigene Aufgabe der Gewerkschaften ist, für steigende Löhne zu sorgen. Die gesamte Argumentation des DGB baut auf einem weitverbreiteten Missverständnis auf. Ein sinkendes Rentenniveau bedeutet nämlich nicht, dass auch die Renten sinken. Das Rentenniveau ist eine relative Größe. Es beschreibt das prozentuale Verhältnis der Nettorente eines Standardrentners (das ist ein Rentner mit 45 Beitragsjahren als Durchschnittsverdiener) gegenüber dem jeweils aktuellen Nettoarbeitsentgelt eines Durchschnittsverdieners. Anders formuliert: Ein sinkendes Rentenniveau heißt, dass die Kaufkraft der Renten steigt, aber eben langsamer als die der Löhne. Laut des Rentenversicherungsberichtes wird die Bruttostandardrente von heute 1372 Euro auf 1824 Euro im Jahr 2029 steigen. Damit läge sie selbst bei einer Inflation von zwei Prozent kaufkraftbereinigt über dem heutigen Niveau. Experten gehen von einer Kaufkraftsteigerung von durchschnittlich rund einem Prozent pro Jahr aus. „90 Prozent der zukünftigen Rentner wird es besser gehen als den heutigen“, hat beispielsweise Prof. Börsch-Supan ausgerechnet. Dazu dürfte auch die Krankenschwester zählen.

Aber mit dem Bild gebrechlicher alter Menschen in finanzieller Not lassen sich Emotionen schüren. Doch es könnte falscher nicht sein. Im Gegenteil: Die heutige Rentnergeneration ist die reichste und gesündeste, die wir jemals hatten. Zurzeit sind nur rund drei Prozent der über 65-Jährigen auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Zwar kann diese Quote langfristig wachsen, aber der Anstieg dürfte nicht dramatisch ausfallen. Der wissenschaftliche Beirat des Wirtschaftsministeriums rechnet mit einem Anstieg bis 2030 auf 5,4 Prozent. Zum Vergleich: Heute leben etwa neun Prozent der Gesamtbevölkerung in Bedarfsgemeinschaften, die Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen. Von massenhafter Altersarmut zu sprechen, ob heute oder in der Zukunft, ist nicht Aufklärung, sondern Panikmache. Nicht nur die Bevölkerung wird verunsichert, sondern auch die Politik. Die sucht reflexartig nach Lösungen für Probleme, die es so gar nicht gibt. Den wirklich Bedürftigen wird damit nicht geholfen. Im Gegenteil, sie müssen durch höhere Beiträge oder sinkende Renten die Wahlgeschenke sogar mitbezahlen.

Das Rentenniveau sinkt nicht ohne Grund. Wir stehen vor einer gewaltigen demografischen Herausforderung. Etwa jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland wurde in den sogenannten geburtenstarken Jahrgängen geboren. In den kommenden 20 Jahren werden die Baby-Boomer in Rente gehen. Die Bevölkerungszahl im Alter von 65 und älter steigt bis zum Jahr 2040 um fast 40 Prozent oder 6,5 Millionen auf 23,3 Millionen Menschen. Spiegelbildlich verringert sich die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren um 14 Prozent oder sieben Millionen auf 42,3 Millionen Personen. Statt derzeit 2,9 Menschen müssen 2040 1,7 Erwerbspersonen einen Rentner finanzieren. Dies allein sorgt schon dafür, dass nur im Jahr 2040 eine reale Finanzierungslücke von 83 Milliarden in der Rentenversicherung klafft.

Hubertus Pellengahr ist Geschäftsführer Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)

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