Esspapier

von Howard Leathers27.08.2011Außenpolitik, Wirtschaft

Bloße Umverteilung kann den Welthunger in armen Ländern nicht besiegen – anstatt Geld für Weltreisen zu verbrennen, muss Europa der Welt endlich Wohlstandswachstum ermöglichen.

Technisch betrachtet ist das Problem der Unterernährung gelöst. Die Welt produziert genügend Lebensmittel, um für jeden eine ausreichende Ernährung zu gewährleisten. Dennoch sind noch immer nahezu 15 Prozent der Weltbevölkerung unterernährt. Da Lebensmittel nach Einkommen verteilt sind, ist der Ruf nach Umverteilung eine häufige erste Reaktion: „Der Westen soll weniger essen und den Überschuss den Afrikanern geben.“ Das ist jedoch keine zweckmäßige Lösung.

Freiwillige Konsumänderungen

Oft hört man die Behauptung, „ethischer Konsum“ – meist ist damit verringerter Fleischkonsum oder Vegetarismus gemeint – würde das in der Fleischproduktion verwendete Getreide „freisetzen“, womit man hungrige Menschen ernähren könne. Dieser Gedankengang ist falsch. Würden Menschen weniger Geld für Lebensmittel ausgeben und dabei gleichzeitig mehr für – sagen wir – sehr teure Haarpflegeprodukte, produzierte das globale Wirtschaftssystem weniger Nahrung und dafür mehr Haarpflegeprodukte. Auf geringere Lebensmittelpreise würden Landwirte antworten: „Lasst uns produzieren, was die Leute kaufen wollen; oder lasst uns die Landwirtschaft ganz aufgeben und in die Stadt ziehen, wo wir uns in der aufstrebenden Haarpflegeproduktindustrie betätigen können.“ Es genügt also nicht, den eigenen Lebensmittelkonsum zu ändern. Wenn man eine Wirkung erzielen möchte, müsste man seinen kompletten Konsum verringern, den gesparten Betrag spenden und hoffen, dass dieses Geld effektiv genutzt wird, um den Hunger zu bekämpfen. Aber seien wir ehrlich: So großzügig sind wir nicht. Wir wissen bereits, wie Spenden funktionieren und trotzdem verwenden wir unser Geld lieber anders. Europäer geben ca. 200 Milliarden Euro pro Jahr für Reisen ins Ausland aus. In Schwarzafrika gibt es 200 Millionen unterernährte Menschen. Man könnte eine Regelung schaffen, die es den Europäern verbietet, Auslandsreisen zu machen und jedem Hungernden in Schwarzafrika 1.000 Euro zur Verfügung stellt. Die Probleme mit Vorschlägen wie diesem sind mehr als offensichtlich. Die Europäer würden solch eine drakonische Beschneidung ihrer persönlichen Freiheit nicht akzeptieren. Und wie könnte man es selbst realisieren? Selbst wenn europäische Regierungen es schaffen würden, diese Mittel einzufordern, wie würden sie verteilt? Durch die (möglicherweise korrupten) nationalen Regierungen in Afrika? Direkt an die Unterernährten? Dies würde einen Anreiz schaffen, sich als unternährt klassifizieren zu lassen.

Der praktische Weg zur Lösung

Jede umsetzbare Lösung muss daher zwei komplementäre Elemente beinhalten: Der Anstieg sowohl der Ernteerträge als auch des Wirtschaftswachstums, um das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in armen Ländern zu erhöhen. In den letzten 50 Jahren haben asiatische Länder unbestreitbar demonstriert, dass Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens Unterernährung reduziert. Aber Ökonomen kennen keinen klaren Weg zum Wirtschaftswachstum: Die Effektivität von Auslandshilfe und wie konstruktive Globalisierung auszusehen hat, sind umstritten. Zudem gibt es keine Einigkeit darüber, wie bessere Institutionen zur Förderung des Wirtschaftswachstums geschaffen werden könnten. Die Schritte, die benötigt werden, um die Ernteerträge zu erhöhen, sind bekannt, aber auch hier ist die Umsetzung nicht immer einfach. Doch Erfolg ist möglich. Unterernährung ist in Asien von 41 Prozent in den frühen Siebzigern auf 16 Prozent 35 Jahre später gefallen; in Ghana von 27 Prozent auf weniger als fünf Prozent innerhalb von 15 Jahren. Dennoch sollten wir nicht auf Umverteilung als einfache Versprechen zur Lösung des Welthungerproblems hereinfallen.

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