Die Einstiegsdroge Cannabis ist ein Mythos. Rainer Schmidt

Neulich im Internet: Weltuntergang

Demnächst geht die Welt so richtig unter. Sagen sie jetzt ja auch im Kino. Im Internet sagen sie das sogar schon länger. Wenn man zu viel Zeit auf entsprechenden Seiten verbringt, neigt man sogar dazu, sich ansatzweise beunruhigen zu lassen. 2012 ist nicht die erste Weltuntergangsprognose.

Der letzte große Weltuntergang war im Jahre 2000, und in dessen Folge gab es gleich noch ein paar kleinere. Nicht nur der Millennium-Bug drohte die Zivilisation auszulöschen. Die Welt hätte von Bruchstücken des Merkurs getroffen werden sollen, Japan sollte in eisigen Fluten untergehen, Europa von einer 100 Meter hohen Flutwelle überspült werden, San Francisco hätte endlich sein lang erwartetes Erdbeben bekommen sollen, New York auch eins – und das alles immer begleitet von Besuchen von Außerirdischen, die ihre Visite ja schon lange mittels Kornkreisen ankündigen, weil sie sich zwar interstellar fortbewegen, aber kein Telefon bedienen können.

Einige Zeitgenossen haben sich damals auch brav in Sicherheit gebracht. Ihre Häuser stehen in strukturschwachen Regionen und ihre Keller sind gefüllt mit großen Mengen keimfähigen Weizens, Campingkochern, Trinkwasser, Raviolidosen, Pfefferspray – um die aus den nahe gelegenen Städten anbrandenden, ausgemergelten Horden abzuwehren – und allen anderen Dingen, die das Apokalyptikerherz begehrt, um die jeweils bevorstehende Katastrophe überleben und den übrigen Überlebenden hinterher erzählen zu können, man habe es ja schließlich gleich gewusst. Wer wenig Platz hat, räumt sich die Schränke wenigstens voll mit Weizenkomprimat aus norwegischen Armeebeständen und Vitaminpillen aus obskuren Internet-Versandquellen, die sich auf die Katastrophenvorsorge spezialisiert haben und neben passenden Produkten auch Tipps für ein Überleben unter widrigen Bedingungen bereithalten.

Der Arzt nimmt nur noch Silber

Bevorzugte Zahlungsmittel für die Zeit nach dem Weltuntergang sind Gold und Silber, denn schließlich sei dieses Geld schon immer Geld und man werde sich schon noch wundern, wenn man zum Arzt gehe und der sich weigere, einen zu behandeln, wenn man nicht wenigstens in der Lage sei, eine Unze Silber auf den Tisch zu legen. Die Links zum Edelmetallhändler stehen praktischerweise gleich auf der Seite, auf der man sein Komprimat, die Wasserkanister, die dazugehörigen Filter und Verfolgungswahn in handlichen Portionen bestellen kann. Glücklicherweise verfallen die Vorräte im Keller nicht so schnell, denn gebraucht hat man sie in den vergangenen Jahren nicht. Selbst die Finanzkrise hat bisher nicht das Zeug gehabt, die Wünsche der Apokalyptiker Wirklichkeit werden zu lassen. Möglicherweise, weil es für eine selbsterfüllende Prophezeiung von weltweitem oder wenigstens nationalem Ausmaß mehr Menschen mit dem entsprechenden Willen braucht als die paar Hundert, die sich in ihren Internetpublikationen gegenseitig das nahe Ende prophezeien.

Mittelfristig gibt es sogar ein wenig Hoffnung für die Apokalyptiker. Im Zuge eines der 2000er-Untergänge soll ein neuer Messias geboren worden sein. Der Untergang Ende 2012 soll ja weniger ein physikalischer als vielmehr einer der Zivilisation, inklusive Auferstehung aus Ruinen, werden. Das würde gut passen. Der Messias wäre Ende 2012 gut zwölf Jahre alt.

Der neue Messias raucht mit zwölf

Ein wenig jung vielleicht, um schon predigend durch die Lande zu ziehen, aber Kinder fangen heutzutage schon mit elf das Rauchen an – da wird sich doch mit zwölf wohl auch was predigen lassen. Außerdem dauert so eine zivilisatorische Wiederauferstehung auch ihre Zeit, sodass der Messias schon ein paar Jahre älter ist, wenn man ihn um Rat fragt, und vielleicht hat er dann sogar das Rauchen wieder eingestellt. Es sieht schließlich immer ein wenig seltsam aus, wenn einer rauchend rumsitzt und erzählt, wie die Welt seiner Meinung nach zu sein hat.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jo Groebel, Tim Segler, Beatrice Bischof.

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