Wenn man sich nicht gegen die Überschuldung stemmt, wird man langfristig mehr Kosten haben. Jürgen Ligi

Schulz muss seine Hausaufgaben machen

Bevor Martin Schulz über das deutsche Steuersystem redet und Steuererhöhungen androht, sollte er sich erst einmal informieren. Auch im post-faktischen Zeitalter ist es hilfreich, die Fakten zu kennen – vor allem wenn man sich geeignet hält, die Kanzlerschaft anzustreben.

Erstens

Er sollte wissen, dass durch den progressiven Tarif bei Einkommensteuer schon heute diejenigen, die mehr verdienen, auch mehr Steuern bezahlen müssen. Geringverdiener sind aufgrund der hohen Freibeträge weitgehend steuerfrei.

Zweitens

Die Aussage, dass Kapitalerträge geringer besteuert würden als Arbeitsaufkommen ist definitiv falsch. Das Gegenteil ist richtig. Unternehmensgewinne werden doppelt besteuert. Auf der Unternehmensseite fallen durch Körperschaftsteuer plus Soli und Gewerbesteuer Belastungen in Höhe von rund 30 Prozent an. Zusätzlich werden beim Anteilseigner die ausgeschütteten Gewinne mit Einkommensteuer plus Soli belastet. Das sind zusammen ca. 48,5 Prozent. Also deutlich mehr als der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer von 42 Prozent, der für Arbeitseinkommen gilt. Wenn der Anteilseigner dann auch noch Kirchensteuer zahlt, kommt er sogar auf eine Belastung von über 50 Prozent.

Auch im post-faktischen Zeitalter ist es hilfreich, die Fakten zu kennen – vor allem wenn man sich geeignet hält, die Kanzlerschaft anzustreben.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dokumentation - Texte im Original, Dietmar Bartsch, Angela Merkel.

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